B’nai-B’rith-Europe

»Schulter an Schulter«

Berlin zum Austragungsort des B’nai-B’rith-Europe-Symposiums zum Thema »Die Zukunft der jüdischen Gemeinschaften in Europa« zu machen, ist für viele aufgrund der Geschichte immer noch kein einfaches Terrain. »Genau deshalb ist es für uns eine ganz besondere Ehre, Gastgeber zu sein«, betonte Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am Montagabend.

Abraham Lehrer warnte davor,
in Pessimismus zu verfallen.

Er verwies dabei auf die Komplexität der Probleme, die insbesondere der wachsende Antisemitismus mit sich bringt. »Wir müssen das Bewusstsein dafür schärfen, dass dieser nicht nur für uns als Juden eine Gefahr ist, sondern für das gesamte westliche Wertesystem.« Zugleich warnte Lehrer davor, angesichts der Vielzahl der jüngsten Vorfälle in Pessimismus zu verfallen. »Schließlich hatten wir noch nie in unserer Geschichte nach 1945 eine derart große, dynamische und vor allem pluralistische jüdische Gemeinschaft in Deutschland wie heute.«

Solidarität Darauf könne man bauen. Genauso wie auf die Solidarität unter Juden in ganz Europa, wie sie durch Organisationen wie B’nai B’rith gefördert und verstärkt werde. »Schulter an Schulter eben. Das motiviert uns in unserer Arbeit.«

Auf die Dimensionen des Problems machte der B’nai-B’rith-Europe-Präsident Serge Dahan aufmerksam. »Laut einer aktuellen Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte haben 28 Prozent der befragten Juden angegeben, dass sie in jüngster Zeit entsprechende Erfahrungen machen mussten. 34 Prozent gehen aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht mehr zu jüdischen Veranstaltungen.« All das hat nun die Politik wachgerüttelt.

Für Felix Klein ist
die Feindschaft gegen Juden
ebenfalls ein
gesamtgesellschaftliches Problem.

»Wir arbeiten an kohärenten Strategien, um Judenhass besser entgegenwirken zu können«, erklärte auch Felix Klein, seit Mai 2018 Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung. Für ihn ist die Feindschaft gegen Juden ebenfalls ein gesamtgesellschaftliches Problem. Entsprechend muss er bekämpft werden. »Und dafür brauchen wir Ihren Input und Ihre Ideen.«

Erfahrungen Die jüdischen Erfahrungen spielen auch in den Konzepten von Robin Sclafani eine zentrale Rolle. Die Direktorin der Ini­tiative »CEJI – A Jewish Contribution to an Inclusive Europe« setzt auf Erziehung und Aufklärung. »In unseren Konzepten hat es sich als sehr erfolgreich herausgestellt, auf die Diversität innerhalb der jüdischen Gemeinden hinzuweisen, um bestehende Vorurteile abzubauen«, erläuterte die Expertin. »Auf diese Weise lässt sich leichter eine interkulturelle Solidarität mit anderen Gruppen aufbauen.«

Entsprechende Gesetze auch konsequent anzuwenden, lautete die Forderung von Jeremy Issacharoff. Insbesondere die Aktivitäten der hiesigen BDS-Bewegung findet Israels Botschafter in Berlin absurd. »Kultur sollte dem Ziel dienen, Brücken zu bauen und nicht Hass und Ausgrenzung zu fördern.« Klare Worte fand Michael Wolffsohn.

Antisemitismus Der Historiker provozierte mit seiner These, dass der Antisemitismus aufgrund seines Bedrohungspotenzials zu einer Stärkung des jüdischen Bewusstseins und damit des Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der jüdischen Gemeinschaft führen kann. »Auch halte ich es für eine Illusion, ein 3000 Jahre altes Phänomen wie den Judenhass vollständig aus der Welt schaffen zu können.«

Gesetze auch konsequent
anzuwenden, lautete
die Forderung
von Jeremy Issacharoff.

Für Wolffsohn gehen derzeit die größten Gefahren von muslimischen Migranten und radikalen Linken aus. »Wir als Juden sollten nüchtern auf all das reagieren und den Nichtjuden in Europa erklären, dass sie – wenn sie schon die Selbstzerstörung ihrer Gesellschaften vorantreiben wollen – auf uns dabei verzichten müssen.« Damit gab es reichlich Stoff für lebhafte Diskussionen.

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