Frankfurt/Main

Schofar und Sonnenstrahlen

Die Rabbiner Julian-Chaim Soussan, Pinchas Goldschmidt, Avichai Apel, Israels Oberrabbiner David Lau und Gemeindechef Salomon Korn (v.l.) Foto: Rafael Herlich

Seine Arbeit hat er bereits vor einiger Zeit aufgenommen, am vergangenen Sonntag wurde der neue Gemeinderabbiner Frankfurts, Avichai Apel, nunmehr auch offiziell in sein Amt eingeführt. Dazu waren zahlreiche Ehrengäste in die Frankfurter Westend-Synagoge gekommen, unter ihnen Israels Oberrabbiner David Lau, Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz und Oberrabbiner von Moskau, Riccardo Di Segni, Oberrabbiner von Rom, Jörg Michael Peters, Weihbischof im Bistum Trier, sowie der Frankfurter Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel (SPD) und der Bürgermeister von Frankfurt, Uwe Becker (CDU).

Von allen Rednern erntete Apel, der die vergangenen elf Jahre als Rabbiner in Dortmund gearbeitet hatte, viele Vorschusslorbeeren. Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, hob besonders die Tatsache hervor, dass Frankfurt mit dem seit drei Jahren amtierenden Rabbiner Julian-Chaim Soussan und Apel nun zwei gleichgestellte Rabbiner habe, die ihre Aufgaben nach Absprache verteilten. »Mir ist nicht bekannt, dass es das in Frankfurt je gegeben hat«, sagte Korn.

zusammenarbeit Soussan wie auch Apel zeigten sich in ihren Ansprachen mehr als optimistisch, dass ihre Zusammenarbeit eine fruchtbare sein werde. Sie kennen sich seit Jahren, sind befreundet und arbeiten bereits in der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) zusammen. Apel gehört dem Vorstand der ORD, Rabbiner Soussan dessen Beirat an.

»Ich habe mir schon lange überlegt, wo wir gemeinsam arbeiten könnten, welche Gemeinde sich diesen Luxus leisten könnte«, sagte Soussan bei der Amtseinführung seines neuen Mitstreiters. Und sprach von dem Genuss, »nicht mehr alleine agieren zu müssen, sondern sich unter vier Augen besprechen zu können«. Und das mit einem Kollegen, der sich einen »großartigen Ruf« erworben habe.

Lau, heiser von »den zwölf Ansprachen«, die er am zurückliegenden Schabbat gehalten hatte, ging noch einmal auf den gerade zurückliegenden Toraabschnitt ein und betonte, dass von den Zehn Geboten fünf die Beziehung zwischen dem Menschen und Gott und fünf die Beziehung zwischen einem Individuum und seinen Mitmenschen regelten. Und nur, wer sowohl eine gute Beziehung zu Gott als auch zu seinen Mitmenschen habe, sei auf einem richtigen und guten Weg. Apel sei einer von den Menschen, denen dies gelinge – gemeinsam mit seiner Frau Bilha.

Rebbetzinnen Bilha Apel fand auch bei Rabbiner Goldschmidt besondere Erwähnung: »Die Rebbetzinnen sind die Geheimwaffe der Rabbiner«, stieg Goldschmidt launig in seine Ansprache ein und sprach dann doch sehr ernst von der Herausforderung, »eine so große Gemeinde wie Frankfurt zu führen«. Es gebe zu viele Einwanderer, die »ihre jüdische Heimat noch nicht gefunden haben und aus der Gemeinde austreten, wenn sie eine finanzielle Unabhängigkeit erreicht haben«. Er freue sich für die jüdische Gemeinde Frankfurt, sagte Jaakov Ebert, Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken sowie Vorstandsbeirat der ORD, der zugleich Glückwünsche von Zentralratspräsident Josef Schuster überbrachte. »Apel hat Ausstrahlung und eine unermüdliche Kraft. Manchmal frage ich mich, woher er seine Zeit nimmt«, lobte er.

Als Apel dann das Schehechejanu über seinen neuen Tallit, überreicht von Lau, Goldschmidt, Korn und dem Vorsitzenden des Gemeinderats, Andrej Mares, sagte und dank Rosch Chodesch Elul das Schofar erklang, brach die Sonne durch das obere Synagogenfenster und tauchte alle Herren in strahlende Helligkeit. Ein Theaterintendant mit Hang zu Kitsch hätte es nicht besser inszenieren können.

Gemeinde Apel blieb in seiner Dankesrede dennoch pragmatisch und wies auf den nächsten Toraabschnitt hin, in dem die verschiedenen Regeln für Führungskräfte festgeschrieben seien. Er sprach von der Gleichbehandlung aller Gemeindemitglieder, von der Aufgabe, einen Weg zu finden, »wie wir die Werte der Tora im Alltag leben«, von der Herausforderung, »bei den Gemeindemitgliedern eine Verbindung zum Judentum und ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen« sowie »ein modernes Judentum mit allen halachischen Regeln« zu gestalten.

Er habe Respekt vor den neuen Aufgaben, aber der Start sei gut verlaufen: »Meine Familie und ich sind herzlich aufgenommen worden«, und auch die erste Zusammenarbeit mit Salomon Korn sei »sehr produktiv gewesen«, berichtete Avichai Apel. Nun gälten für ihn die Worte der Mischna: »Sag weniges und tue vieles.«

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