Berlin

Protest vor jüdischen Schulen

Streikende Lehrer am Mittwochvormittag in der Oranienburger Straße in Berlin Foto: Jérôme Lombard

Tarifvertrag jetzt!« Unter diesem Motto protestierten am Mittwoch rund 50 Lehrer der Schulen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vor dem Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn. Teilnehmer des Protestzugs, der von der Oranienburger Straße bis vor das Schulgebäude in der Großen Hamburger Straße führte, hatten selbst gebastelte Plakate mit Aufschriften wie »Sicherheit durch Tarif« oder »Keinen weiteren Exodus von Lehrern der Heinz‐Galinski‐Schule« dabei. Die Beschäftigten waren einem Streikaufruf der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) gefolgt.

Mit dem zweitägigen Warnstreik will die Gewerkschaft ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag für die Lehrkräfte Nachdruck verleihen. Am Donnerstag sollen die Aktionen vor der Heinz‐Galinski‐Schule fortgesetzt werden. »Unser Ziel sind verlässliche, verbindliche und transparente Regelungen der Arbeits‐ und Entgeltbedingungen«, sagte der GEW‐Tarifverantwortliche Udo Mertens.

Man fordere eine Bezahlung, die sich an das Niveau anlehnt, das auch für die Tarifbeschäftigten des Landes Berlin gilt. Die Lehrer der Schulen der Jüdischen Gemeinde setzen sich seit 2014 für einen Tarifvertrag mit der GEW ein. In dieser Zeit haben die Beschäftigten sechsmal ihre Arbeit niedergelegt.

verantwortung Ilan Kiesling, Pressesprecher der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, kritisierte die Streikaktionen. »Unsere Schulen sind für Lehrer nach wie vor attraktiv«, sagte Kiesling. Von den rund 150 Berliner Schulen in privater Trägerschaft habe die GEW nur mit einzelnen Trägern – wie etwa der evangelischen Kirche – einen Tarifvertrag abgeschlossen. Es sei daher nicht nachvollziehbar, betonte Kiesling, warum die GEW sich mit wiederholten Streikaufrufen gerade an der Jüdischen Gemeinde abarbeite.

Kiesling verwies darauf, dass die Lehrer an den Schulen der Jüdischen Gemeinde zu den bestbezahlten an Berliner Privatschulen gehören. Auch mit Quereinsteigern, die berlinweit über 40 Prozent der neu eingestellten Lehrer ausmachen, habe die Jüdische Gemeinde nur gute Erfahrungen gemacht.

Kiesling appelliert zudem angesichts der zunehmend alltäglichen antisemitischen Vorfälle an Berliner Schulen an die »gesamtgesellschaftliche Verantwortung« der GEW. Solange die GEW sich dieser nicht bewusst sei, könne sie »kein ernsthafter Verhandlungspartner« der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sein.

inhalte Auch der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, sieht den Streikaufruf der GEW kritisch. »Die GEW Berlin meint, die jüdischen Schulen bestreiken zu müssen, weil die Jüdische Gemeinde zu Berlin keinen Tarifvertrag mit der GEW abgeschlossen hat«, sagte Königsberg. »Es ist uns nicht bekannt, dass die katholischen und islamischen Schulen Berlins bestreikt wurden, obwohl auch diese keinen Tarifvertrag mit der GEW abgeschlossen haben.« Ob da »mit zweierlei Maß gemessen« werde, fragt Königsberg.

Heike Zeisig, GEW‐Expertin für Angestelltenpolitik, wies die Kritik aus der Gemeindeleitung zurück und sprach von einem »Ablenkungsmanöver«. »Unsere Aktionen entsprechen dem Wunsch der in der GEW organisierten Lehrer«, sagte Zeisig und verwies auf den hohen Organisationsgrad der Gewerkschaft an der Heinz‐Galinski‐Schule und dem Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn. Zeisig rief die Gemeindeleitung dazu auf, sich für Verhandlungen zu öffnen. »Wir wollen eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Forderungen der Lehrer«, betonte Zeisig. (mit epd)

 

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