Darmstadt

Orientalist und Rabbiner

Auf dem Klinikgelände in der Nähe der ehemaligen liberalen Synagoge: der neue Julius-Landsberger-Platz Foto: Mag. Darmstadt

Wer sich derzeit nach dem Julius‐Landsberger‐Platz erkundigt, wird noch keine Antwort erhalten. Denn einen Ort dieses Namens gibt es noch nicht. Das wird sich am 9. November ändern. Auch wenn heute der Namensgeber des Platzes weitgehend in Vergessenheit geraten ist, einst war er bekannt und anerkannt – als weltoffener Orientalist und Rabbiner. Er lebte von 1819 bis 1890, war fast drei Jahrzehnte Landesrabbiner von Starkenburg und eröffnete 1876 die Liberale Synagoge Darmstadt.

Dieser jüdische Geistliche sei für seine Weltoffenheit geschätzt worden, sagt Martin Frenzel, seines Zeichens Vorsitzender des Fördervereins Liberale Synagoge (FLS). Naheliegend sei es daher, in einer Stadt wie Darmstadt, die »eine braune Hochburg war«, an diese Persönlichkeit zu erinnern, meint Historiker Frenzel.

Namensgeber Auf Initiative des FLS wird daher am Gedenktag an die Reichspogromnacht ein Ort offiziell eingeweiht, der den Namen des ersten Rabbiners der Liberalen Synagoge trägt. Es ist ein kleiner Platz, fast versteckt auf dem Gelände des Klinikums Darmstadt – dafür nur ein paar Schritte von der Stelle entfernt, wo einst die Liberale Synagoge stand.

Heute befindet sich dort die Gedenkstätte. Beim Bau des Klinikums Darmstadt waren 2003 Reste der Synagoge entdeckt worden. Der Fund wurde zu einem Erinnerungsort und ist vor zwei Jahren, am 9. November, eröffnet worden. Damit es noch in diesem Jahr mit der Namensgebung des Julius‐Landsberger‐Platzes klappt, hat der FLS »auf die Tube gedrückt«, berichtet der Vereinsvorsitzende. Vor 135 Jahren habe nämlich Rabbiner Landsberger die Synagoge eröffnet.

Bildersuche Mit unterschiedlichen Aktivitäten will die FLS unter dem Motto »Zukunft braucht Erinnerung« einen »Beitrag gegen das Vergessen« leisten. Dazu zählt der Spendenaufruf zugunsten einer Bronzetafel, die an Rabbi Landsberger erinnern soll. Der FLS hat zudem eine Aktion mit einer konkreten Frage gestartet: »Wer hat ein Bild der brennenden Liberalen Synagoge Friedrichstraße aus der Reichspogromnacht von 1938?«

Anders als von der Orthodoxen Wickopschen Jugendstilsynagoge, die sich an der Bleichstraße befand, ist nach Frenzels Wissen kein Foto von der »lichterloh brennenden« Liberalen Synagoge Friedrichstraße bekannt. Was aber nicht bedeuten müsse, dass es keine Aufnahme gebe. »Alle reden momentan von einem Mehr an Bürgerbeteiligung«, sagt Frenzel. Der Verein knüpfe daran an und wage in Darmstadt mehr Bürgerbeteiligung »in Sachen aktiver Erinnerungskultur«.

Einsendeschluss für die Fundstücke ist der 20. November. Unter den Zusendungen sollen drei Gewinner ausgelost werden; sie bekommen Frenzels Buch Eine Zierde unserer Stadt. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Liberalen Synagoge Darmstadt. Wenn die Fotoaktion erfolgreich verläuft, wird das Ergebnis am 6. Dezember der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Dienstag, 8. November, spricht auf Einladung des FLS der Freiburger Historiker Ulrich Herbert über den SS‐Angehörigen Werner Best.

www.liberalesynagoge-darmstadt.de

 

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