Koblenz

Ohne Pass kein Wahlrecht

Reisepass Foto: imago/CHROMORANGE

Trotz erheblicher Einwände gegen die »antiquierte« Wahlordnung hat die Jüdische Gemeinde Koblenz am Wochenende ihre turnusmäßige Vorstandswahl durchgeführt. Die Geschicke der Gemeinde werden weiterhin der 89-jährige Heinz Kahn leiten. Zur Wahl zugelassen waren nur Gemeindemitglieder mit deutscher Staatsangehörigkeit. Jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die mitunter schon lange in Rheinland-Pfalz leben, aber noch keinen deutschen Pass haben, blieben von der Wahl ausgeschlossen.

Satzung Er richte sich ganz nach der Satzung, erklärte der alte und neue Gemeindevorsitzende Heinz Kahn. In ersten Interviews hatte er darüber hinaus bemängelt, dass es vielen Zuwanderern an Integrationswillen fehle. Außerdem hätten »viele keine Ahnung vom Judentum«, sagte Kahn dem Evangelischen Pressedienst.

Er verstünde auch die Aufregung nicht, denn auch bei Landtags- und Bundestagswahlen seien Nichtdeutsche ausgeschlossen. »Darüber haben sie sich nicht aufgeregt«, sagte er der Jüdischen Allgemeinen. »Warum sollen sie bei den Gemeindewahlen mitgezählt werden?«. Aber man könne darüber nachdenken, angesichts von 20 Jahren Zuwanderung die bestehende Satzung zu modifizieren, räumte Kahn ein.

Die Gemeindemitgliedschaft erfolgt hingegen automatisch. Jeder, der sich im Einzugsgebiet niederlässt und seine Religionszugehörigkeit angibt, ist sofort Mitglied der Gemeinde Koblenz.

Kritik Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete die Satzung, auf die sich Kahn beruft, als »antiquiert«. Zwar seien die lokalen Gemeinden autonom, »doch eine Satzungsklausel, die eine Mehrheit vom Recht zu wählen und gewählt zu werden ausschließt, ist rückständig«, sagte Kramer. Daraus spreche nicht der Geist des Respekts, der angesichts der Herausforderungen der Integration in den Gemeinden herrschen solle.

Von den Zuwanderern, die die Mehrheit in vielen jüdischen Gemeinden stellen, haben nach Angaben Kramers sehr viele keinen deutschen Pass. »Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil das Verfahren so lange dauert.« Andere behalten ihre alte Staatsangehörigkeit, um bei Verwandtenbesuchen nicht teure Visa beantragen zu müssen. Kramer bot sich als Vermittler in dem Gemeindekonflikt an.

Bei der nun erfolgten Wahl am Sonntag stehen dem Vorsitzenden Heinz Kahn mit Henry Fainberg, Abram Abayev, Avadislav Avadiev und Inna Belzmann auch Zuwanderer zur Seite, allerdings mit deutschem Pass. Zugelassen waren somit 238 der 968 Gemeindemitglieder. hso/epd

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026