25 Jahre Yitzhak-Rabin-Schule

Oase des Lernens

Beim Schulfest am Sonntag standen die Kinder im Mittelpunkt. Foto: Jochen Linz

Die Sonne kam hinter den Wolken hervor, als zum Auftakt des Festes die Schulhymne erklang. Die rund 50 Kinder des Schulchores sangen dieses selbst komponierte Lied zur Einstimmung auf die Feier zum 25‐jährigen Bestehen der Düsseldorfer Yitzhak‐Rabin‐Schule (YRS). Mehr als 700 Gäste besuchten am Sonntag das Fest im Schulzentrum an der Kaiserswerther Straße.

Neben dem aktuellen Lehrerkollegium rund um Schulleiterin Daphna Schächter und den Grundschülern der derzeit acht Klassen mit ihren Eltern kamen auch etliche ehemalige Schüler, einstige Lehrer sowie viele Mitglieder der Gemeinde, die auf verschiedenste Weise mit der jüdischen Grundschule verbunden sind.


Amtszeit Die weiteste Anreise hatte wohl Penina Goldberger, Witwe des früheren Gemeinderabbiners Michael Goldberger sel. A., die gemeinsam mit ihren Kindern aus Zürich gekommen war. In die Amtszeit ihres Mannes fiel die Gründung der jüdischen Grundschule, an der sie selbst die erste Hebräischlehrerin werden sollte. »Mein Mann wollte zunächst nur wenige Jahre in Düsseldorf bleiben, hatte dann aber als Gemeinderabbiner großen Erfolg«, erinnert sich Penina Goldberger. Der eigene Sohn stand vor der Einschulung, und ihr und ihrem Mann sei eine jüdische Erziehung sehr wichtig gewesen.

So erwähnte auch Ruth Rubinstein, Vorstandsmitglied und von 1998 bis 2014 Schuldezernentin der Gemeinde, Rabbiner Goldberger als Hauptvisionär für die Errichtung einer jüdischen Grundschule und zitierte ihn mit den Worten von damals: »Eine Gemeinde, egal wie klein sie ist, braucht eine jüdische Schule.«

Zuwanderung Als Anfang der 90er‐Jahre die Jüdische Gemeinde Düsseldorf durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion wuchs, nahm im damaligen Gemeinderat die Idee einer eigenen Grundschule nach und nach konkrete Formen an. 1993 startete die erste Klasse mit 17 Kindern in Räumlichkeiten der Gemeinde – es waren damals alle Kinder des Jahrgangs, der eingeschult wurde. Heute, 25 Jahre später, besuchen 180 Kinder die jüdische Grundschule.

Beim Festakt am Mittwoch vergangener Woche in der Johannes‐Rau‐Halle des Schulzentrums hoben die Redner die Leistung der damaligen Initiatoren wie Adrian Flohr, Herbert Rubinstein, Esra Cohn, Leon Reichardt, Paul Spiegel und Michael Naor hervor. Der jetzige Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Oded Horowitz, zeichnete in seiner Ansprache den Weg von einer hartnäckigen Idee vereinzelter Visionäre im Gemeinderat zu einem festen Bestandteil der Düsseldorfer Schullandschaft nach.

»Dinge, die wir nicht für möglich gehalten haben, sind realisiert«, sagte der Vorstandsvorsitzende nicht ohne Stolz, dankte den Verantwortlichen und verwies auch auf weitere Perspektiven für das jüdische Bildungssystem in Düsseldorf, das mit dem Albert‐Einstein‐Gymnasium seit zwei Jahren nun fortgesetzt werde.

ausbau Kurz nach der Gründung sei bereits klar gewesen, dass die Schule mehr Platz brauchte, erinnert sich Herbert Rubinstein, damals im Gemeinderat tätig und der Schule bis heute eng verbunden. Zu Beginn ihres Bestehens bekam die jüdische Grundschule 1995 zunächst einen Trakt in einer städtischen Grundschule und wurde langsam ausgebaut. Seit dem Jahr 1996 nennt sie sich Yitzhak‐Rabin‐Schule.

Nach Umbaumaßnahmen an einer ehemaligen Berufsschule konnte im September 2003 ein eigener Schulkomplex eröffnet werden. Dort sind neben der Yitzhak‐Rabin‐Schule auch die Religionsschule und der Kindergarten der Gemeinde untergebracht. Für die YRS ist derzeit der Ausbau in die Dreizügigkeit geplant. Ein Förderverein unterstützt das Schulleben mit rund 30.000 Euro jährlich für besondere Anschaffungen, Klassenfahrten und Feste.

Oberrabbiner Raphael Evers stellte in seiner Ansprache die Bedeutung der jüdischen Erziehung und Bildung in den Vordergrund und bezeichnete das Schuljubiläum als einen Meilenstein. »Unsere Grundschule ist das Fundament des Lebens unserer Kinder«, betonte der Gemeinderabbiner. Lernen sei die einzige Garantie dafür, dass das Judentum lebendig bleibe.

Weitere Grußworte sprachen der Düsseldorfer Bürgermeister und Schulausschussvorsitzende Wolfgang Scheffler (Bündnis 90/Die Grünen), der Verwaltungsdirektor der Gemeinde, Michael Szentei‐Heise, sowie die Schuldirektorin Daphna Schächter, die die YRS seit vier Jahren leitet. Als eine »Oase des Lernens, der Stärkung der jüdischen Identität und des Zusammenhalts« bezeichnete sie die Schule und dankte dem Lehrerkollegium für dessen Engagement und die »hervorragende Arbeit«.

Auch zwei ihrer Vorgängerinnen, die über Jahre die Grundschule geprägt haben – Ulrike Schadewaldt und Heidelinde Foster –, nahmen an dem Festakt teil. Aufgelockert wurde dieser durch zwei sehr ansprechende Filme über die Geschichte und den Alltag der Yitzhak‐Rabin‐Schule. Dalia Rabin‐Pelossof, die Tochter des einstigen israelischen Premierministers, hatte dafür ein Grußwort gesandt.

Beim Schulfest am Sonntag standen dann weniger die Ansprachen als die Kinder im Mittelpunkt. An zahlreichen Ständen konnten sie basteln, sich schminken lassen und sich sportlich betätigen. Die Klassenräume waren geöffnet für spielerisches Lernen. Jedes Schulkind trug ein extra für das Jubiläum erstelltes T‐Shirt. Und an einem großen koscheren Buffet konnten die Gäste sich bedienen.

schullandschaft Der Oberbürgermeister Düsseldorfs, Thomas Geisel (SPD), war als offizieller Repräsentant der Stadt gekommen, aber auch als Vater einer Erstklässlerin. Er lobte die jüdische Grundschule als wunderbare Schule mit einem tollen Geist. »Die Yitzhak‐Rabin‐Schule ist eine schöne Bereicherung der Schullandschaft in Düsseldorf, und sie zeigt, dass jüdisches Leben hier selbstverständlich geworden ist«, sagte Thomas Geisel.

Familie Geisel ist nicht jüdisch und gehört damit zu einer Minderheit in der Elternschaft. Mutter Vera Geisel hatte sich ganz bewusst für eine jüdische Schule entschieden. »Ich finde es wichtig, dass auch nichtjüdische Kinder das jüdische Leben und die jüdische Religion kennenlernen, weil ich es als wichtige Voraussetzung für ein gutes Miteinander in der Gesellschaft sehe.«

Andere Eltern wünschten sich wie Janna Poliak von der Schule, dass sie Identität stiftet. Die Mutter einer Drittklässlerin sagte: »Wir möchten, dass unsere Tochter ihre Geschichte und ihre Religion kennt.« Etwas Sorge schwingt in der Aussage von Daniel Padan, Vater einer Zweitklässlerin, mit. »Uns ist wichtig, dass die Kinder in einem sicheren Bereich sind – hier sind sie beschützt und werden gefördert«, sagt er. Und für Daphna Schächter selbst bedeutet die Yitzhak‐Rabin‐Schule, »die nächste jüdische Generation heranwachsen zu sehen«.

Jüdische Tradition und Religion zu vermitteln, ist erklärtes Ziel der Yitzhak‐Rabin‐Schule. »Wir lehren den jüdischen Jahreskreis nicht nur, sondern wir leben ihn auch«, betont Schächter. Dieses Konzept wird auch in den weiteren Jahren das Schulleben der YRS prägen. Wünsche für die nächsten 25 Jahre jedenfalls sammelten die Kinder in einer speziellen Wunschbox. Sie soll dann zum goldenen Jubiläum geöffnet werden.

www.yitzhak-rabin-schule.de

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