Marburg

Nur gemeinsam komplett

Purim-Dialog zwischen Haman (Amnon Orbach) und Oberbürgermeister Thomas Spies (v.l.) Foto: Patricia Grähling / Presseamt Stadt Marburg

Die Purim-Botschaft »ist nicht nur an Juden gerichtet, sondern an alle Menschen in der Welt, denn sie lautet: Verneigt euch nicht vor anderen Menschen!«. Das sagte Bilal El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Marburg als Purimgast am Mittwoch vergangener Woche in der Synagoge zu Marburg.

Die Botschaft dieses Festes sei eine allgemeingültige Aufforderung: »Wehret euch gegen jeden Menschen, der in blasphemischer Weise versucht, über andere Menschen zu herrschen, sie zu knechten und zu versklaven.«

Christchurch Purim, das im Kern einen Sieg über mörderischen Rassismus feiert, war von den Organisatoren in den Rahmen der diesjährigen Marburger Internationalen Wochen gegen Rassismus gestellt worden. Und die Attentate wenige Tage zuvor in Christchurch legten eine symbolische Geste des jüdisch-muslimischen Dialogs nahe. So wurde der Besuch von El-Zayat bei der Purimfeier durch die Anwesenheit der Stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Monika Bunk, beim Freitagsgebet in der Moschee von Marburg zwei Tage später erwidert. Beide Veranstaltungen besuchte auch der Oberbürgermeister von Marburg, Thomas Spies.

Beim jüdisch-muslimischen
Dialog gedachte man auch der Opfer des Attentats von Christchurch.

Und vor beiden Auditorien griff er den Satz der Premierministerin von Neuseeland, Jacinda Ardern, auf: »You are us!«, »Ihr seid wir.« Und er ergänzte an die Adresse der jüdischen wie auch der muslimischen Gemeinde: »Ohne euch sind wir nicht komplett!« »Für beide Gemeinden sind das starke Worte. Immerhin gab es erst vor Kurzem die Diskussion darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört«, kommentierte Monika Bunk.

Angriff »Und erst vor wenigen Tagen hat es auch in Marburg selbst einen offenbar rassistisch motivierten Angriff auf einen Busfahrer gegeben. Aber auch für uns Juden ist diese Aussage von Bedeutung, wenn man sich vor Augen hält, dass es nach der jahrhundertealten jüdischen Präsenz in Marburg erst seit 1989 wieder eine organisierte jüdische Gemeinde gibt.«

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus werden seit mehr als einem Jahrzehnt unter regelmäßiger Beteiligung der Jüdischen Gemeinde in Marburg organisiert. Sie gehen auf die Ausrufung des Internationalen Tages gegen Rassismus durch die Vereinten Nationen vor 53 Jahren zurück. Deutschlandweit werden die Aktionen von der »Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus« koordiniert. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit mehr als 1750 Veranstaltungen.

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