Jüdische Gemeinde Mannheim

Neuer Hausherr in F3,4

Seit 1. Juli leitet Majid Khoshlessan die Mannheimer Gemeinde. Foto: Harald Raab

Er ist in Baden, speziell in der Metropolregion Rhein-Neckar, die Persönlichkeit, die für jüdische Identität, aber auch für den Dialog mit Christen und Muslimen steht: Majid Khoshlessan. Der Bau- und Wirtschaftsingenieur, bis 2010 Technischer und Kaufmännischer Geschäftsführer der Mannheimer Gesellschaft für Wohnungs- und Städtebau, ist bereits im Juni von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Mannheim zum neuen Vorsitzenden gewählt worden.

Im Juli hat er sein Amt angetreten und von seiner Vorgängerin Schoschana Maitek-Drzevitzky, die sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte, ein gut bestelltes Haus übernommen. Und er kennt sich hier aus, war Majid Khoshlessan doch jahrelang schon Stellvertreter von Maitek-Drzevitzky.

Synagoge 1947 im iranischen Kaschan geboren, seit 1965 in Deutschland, ist der Sohn eines Arztes und Rabbiners genau der richtige Mann, in unruhigen Zeiten eine Gemeinde mit klarem Kurs zu führen. Obendrein eine, die ihr Zentrum mit Synagoge und großzügig konzipierten Veranstaltungsräumen in einem türkisch dominierten Viertel der 300.000-Einwohner-Stadt hat.

Bis vor einiger Zeit wurden hier auch muslimische Hochzeitsfeiern abgehalten. Ein Kindergarten im jüdischen Gemeindezentrum steht für ein friedliches Miteinander. In der jüdischen Liegenschaft wird der Kindergarten in katholischer Trägerschaft betrieben und zum allergrößten Teil von türkischen Kindern besucht.

Khoshlessan ist auch jüdischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Mannheim. Außerdem hat der unermüdliche Netzwerker zahlreiche Ehrenämter in jüdischen Einrichtungen in Baden und darüber hinaus auch in vielen anderen zivilgesellschaftlichen Institutionen inne. Khoshlessan lebt damit vor, was es heißt, verantwortungsbewusster Bürger in einem demokratischen Gemeinwesen zu sein.

Jugendarbeit Der neue Vorsitzende ist ein Mann der klaren Worte, aber auch der Gesprächsbereitschaft. Er nennt in seiner Verantwortung als Vorsitzender der knapp 500 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde zwei wichtige Ziele: Er will dem jüdischen Leben in Mannheim, das sich vor allem durch seine lebendige Jugendarbeit auszeichnet, die nötige Sicherheit geben.

»Seit dem Attentat in einem jüdischen Supermarkt in Paris ist auch bei uns deutlich Verunsicherung zu spüren«, weiß Khoshlessan. Die Gemeinde solle trotzdem weiterhin ein offenes Haus bei kulturellen Veranstaltungen für alle Bürger sein. Aber es müsse auch gewährleistet sein, dass man sich hier sicher fühlen kann.

Sein zweites Anliegen ist es, neben dem guten Kontakt zu Christen jetzt erst recht auch den zu Muslimen zu pflegen. »Wir brauchen eine Strategie, wie wir uns als Glaubensgemeinschaften positionieren.« Es gelte, gemeinsam dem Terrorismus, gerade in seinen Anfängen, die Grundlage zu entziehen und junge Menschen vor dem Einfluss von Hasspredigern zu bewahren. Vereint müsse man für Demokratie und Toleranz eintreten, so die Maxime des neuen Gemeindevorsitzenden der Mannheimer Juden.

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