Porträt

Mizwot als Lebensaufgabe

Helene Habermann und ihr Mann Josef Habermann sel. A. Foto: Andre

Als Schoa-Überlebende sind die Gefühle von Helene Habermann, geborene Kornfeld, stets bei den Ermordeten, wie sie selbst sagt. Von ihrer Familie hat außer einer Cousine nur sie überlebt. »Mein Vater hatte sieben Geschwister, alle hatten bereits Kinder und Enkel. Meine Mama hatte drei Geschwister, auch sie hatten schon Kinder und Enkel«, erzählt sie und fordert: »Dieses Verbrechen darf nicht vergessen werden!« Dass Yad Vashem sich der Erinnerung annimmt, dafür ist sie dankbar.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Helene Kornfeld elf Jahre alt. Sie erinnert sich, dass Anfang September 1939 rund 20 Verwandte in ihrer Heimatstadt Schymenschytz/Oberschlesien auftauchten. Ihre Eltern nahmen alle auf und versorgten sie. Darunter war auch eine schwangere Cousine mit einem dreijährigen Mädchen. Ihr Mann wurde auf dem Weg zu ihnen von Wehrmachtssoldaten erschossen. Als sie davon erfuhr, verlor die Cousine ihr Kind.

Auschwitz Mit dem Einmarsch der Deutschen begannen die Grausamkeiten – über Schikanen, Entwürdigungen bis hin zum Mord. Einer ersten Deportation entkam die Familie Kornfeld. Doch dann sollten sich die Wege von Helene und ihren Eltern trennen. Bei einem Appell wurden sie auseinandergerissen. Der damals 13-Jährigen wurde klar, dass Mutter und Vater sterben sollten, abkommandiert in die Reihe für den Transport nach Auschwitz.

Das war zu viel für das junge Mädchen: »Ich habe mich aus der Reihe losgerissen. Schluchzend lief ich auf die Eltern zu. Da brüllte ein Offizier: Stehen bleiben – zurück! Freundinnen zerrten mich zurück, das wiederholte ich noch zweimal. Nachdem ich nicht aufhörte, gaben mir die jüdischen Sanitäter eine Spritze, und sie haben mich festgebunden, damit ich nicht mehr losrennen konnte. Das war der letzte Moment, in dem ich meine Eltern gesehen habe.« Die Befreiung am 8. Mai 1945 erlebte Helene Kornfeld später als »den zweitschlimmsten Tag in meinem Leben, da ich wusste, dass ich allein und einsam auf der Welt geblieben bin«.

Schließlich lernte sie in München ihren späteren Mann kennen, Josef Habermann sel. A.. Rabbiner Englard, der beide Familien gut gekannt hatte, sagte ihr, dass diese Verbindung passe. So haben die beiden 1947 in München geheiratet. »Das war das große Glück für mich«, sagt Helene Habermann noch heute: »Es war ein wunderbarer, gutmütiger und fleißiger Mensch. Haschem schenkte uns drei gesunde, tolle Kinder, dafür bin ich sehr dankbar.«

Engagement Was sie zu Hause von ihren Eltern gelernt hatte, daran hielt sie auch in München fest: Ihre Mutter hatte arme Leute unterstützt, ihr Vater eine private zinslose Darlehenskasse gegründet, mit der er Menschen half, bis sie sich finanziell wieder erholt hatten. Sozialem Engagement fühlt sich Helene Habermann bis heute verpflichtet – in Deutschland ebenso wie in Israel.

»Für das Glück in meinem traditionellen religiösen Elternhaus, das mein späteres Leben bis heute prägt, und für mein Überleben danke ich Haschem. Und ich freue mich, dass meine Kinder die Familientradition mit Einfühlungsvermögen und Mizwot fortführen«, bekennt sie. Mit Blick auf das Education Gateway for Learning and Reflection fügt sie hinzu: »Das Gedenken an die Opfer der Schoa ist tief in meinem Herzen verankert. Ich freue mich, dass es mir möglich ist, die Erinnerung zu unterstützen, die Yad Vashem hier in Jerusalem in beeindruckender Weise festhält.«

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