Frankfurt

Mizwa mit Luxus

Feierliche Eröffnung Foto: Rafael Herlich

Der Schweißausbruch war unvermeidlich: Nicht nur, dass sich am vergangenen Sonntag viele Menschen gleichzeitig in der Mikwe der Frankfurter Westend‐Synagoge befanden. Die Räume waren überdies gebrauchsfertig temperiert – schließlich wird das frisch umgebaute Tauchbad längst genutzt.

Die offizielle Einweihung der Frauen‐ und Männer‐Mikwe setzte am Sonntag den Schlusspunkt der insgesamt zweijährigen Restaurierungszeit. Unter Federführung des Ingenieurs Werner Bappert und der Innenarchitektin Oana Rosen sind Räume entstanden, die an den Spa‐Bereich eines Luxushotels erinnern: Die Lampen stammen aus Belgien, die Mosaiksteine aus Italien und der riesige Spiegel im Eingang aus Paris.

Wohlfühltemperatur Großen Wert haben Innenarchitektin Rosen und Ingenieur Bappert auf Diskretion und Intimität gelegt: Eine Sichtluke gibt es nicht mehr. »Der Rabbiner vertraut den Frauen, dass sie auch komplett untertauchen«, sagt Rosen. Viel Überwindung kostet das nicht: Eine Heizung erwärmt die vorgeschriebenen rund 750 Liter Badewasser auf Wohlfühltemperatur.

Das aus religiöser Sicht Wichtigste: Die Mikwe wurde so gestaltet, dass sie die halachischen Anforderungen erfüllt. »Die Rabbiner Josef Havlin und Zalman Gurevitch sind zufrieden«, so Baudezernent Harry Schnabel. Der Halacha zu entsprechen, war indes nicht ganz einfach.

»Doch wir haben für alles eine Einigung gefunden«, freut sich Ingenieur Bappert. Unterstützung erhielten die Planer der neuen Mikwe von Rabbiner Meir Posen aus England. Er gilt international als Koryphäe beim Bau von jüdischen Tauchbädern. »Rabbi Rosen ist etwa sechs Mal nach Frankfurt gekommen, um die Arbeiten an der Mikwe zu überprüfen«, bilanziert Bappert.

elementar Gemeinderabbiner Menachem Halevi Klein dankt seinem Projektleiter denn auch für dessen »Geduld«. Eine Mikwe sei für eine jüdische Gemeinde elementar wichtig, betont er – daher gebe es so viele Vorgaben und Interpretationen zu beachten.

Erst im Jahr 1955 wurde die nach dem Krieg provisorisch wiederhergestellte Westend‐Synagoge um eine Mikwe erweitert. Zuletzt war sie 1992 im Rahmen der Gesamt‐Restaurierung der Westend‐Synagoge renoviert worden. Der jetzt abgeschlossene Umbau der Mikwe wurde von den Brüdern David und Alexander Granowski gespendet – im Andenken an ihre Großeltern. »Dies ist uns eine Ehre«, sagt David Granowski.

Düsseldorf

Zu Hause an Rhein und Ruhr

Knapper, präziser, jünger – die Jüdischen Kulturtage haben eine Wandlung vollzogen

von Annette Kanis  22.03.2019

Stuttgart

Wissenswertes Judentum

Rabbiner Berger stellte sein neuestes Buch vor – es dürfte auch Nichtjuden interessieren

von Heidi Hechtel  21.03.2019

München

Meisterwerk, Epos, WIZO

Meldungen aus der IKG

 21.03.2019