München

»Mittler der Geschichte«

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Max Mannheimer und Winfried Bausback Foto: Sabine Gassner

Max Friedlaender gehört zu den großen Juristen in der Geschichte Münchens. Der 1938 vor den Nazis nach England geflohene Rechtsanwalt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Ehrenmitglied des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Um ihn zu würdigen, verleiht der Bayerische Anwaltverband (BAV) jährlich den Max-Friedlaender-Preis, mit dem in diesem Jahr Max Mannheimer ausgezeichnet wurde. Die Ehrung wird nicht nur Juristen zuteil, sondern auch Personen, die Herausragendes für das Rechtswesen, die Anwaltschaft oder die Gesellschaft geleistet sowie einen Bezug zu Bayern haben.

Die Preisverleihung im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz besuchten unter anderem die amtierende Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der neue bayerische Justizminister Winfried Bausback. Beide ehrten den 1920 geborenen Mannheimer ebenso mit einem Grußwort wie der BAV-Präsident Michael Dudek und sein Kollege Wolfgang Ewer vom Deutschen Anwaltverband.

Biografien Sowohl Mannheimer als auch Friedlaender wurden als Juden von den Nazis verfolgt. Friedlaender floh im Jahr 1938 über die Schweiz nach England und kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück. Mannheimer überlebte die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und Dachau und lebt seit 1945 in München. Seit fast 30 Jahren berichtet er unter anderem an Schulen von seinem Schicksal.

Die Laudatio auf ihn hielt Cord Brügmann, Hauptgeschäftsführer des DAV. Er hat Max Mannheimer vor mehr als 20 Jahren kennengelernt, als er freiwilliger Helfer des Vereins Aktion Sühnezeichen der KZ-Gedenkstätte Dachau war. Als er kurz nach Beginn seiner Tätigkeit die Aufgabe hatte, eine Schulklasse zu einem Gespräch mit Max Mannheimer zu begleiten, sei er sehr aufgeregt gewesen, erinnerte sich Brügmann.

Doch die Nervosität sei rasch verflogen, als er mit Mannheimer sprach. Dieser sei sehr herzlich gewesen und habe den Schülern nicht nur berichtet, »sondern auf eine so zugewandte Art zugehört, dass ich verstanden habe, warum so viele Menschen im Umfeld der Gedenkstätte von dir begeistert waren«, so Brügmann. »Dies habe ich mehrere Jahre lang zigmal erlebt und viel von dir gelernt. Du warst – und bist – Mittler der Geschichte.«

Zeitzeuge Die Vergangenheit ließ Mannheimer nicht los, auch wenn in Deutschland in den 50er- und 60er-Jahren niemand etwas über die nationalsozialistische Zeit wissen wollte, wie Brügmann weiter ausführte. Auch deshalb habe der Preisträger seine Erinnerungen an diese schreckliche Zeit in den 60er-Jahren aufgeschrieben und schließlich 1985 veröffentlicht. »Seitdem hat er tausende Bildungszentren und Schulen besucht, vor Zehntausenden Schülerinnen und Schülern berichtet; sein Terminkalender ist immer noch übervoll.«

Mannheimer gehe es dabei nicht nur um die Kenntnis der Geschichte. Stets sage er den Jugendlichen auch mit Blick auf die Gegenwart: »Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber ihr seid dafür verantwortlich, dass es nicht wieder geschieht«, so Brügmann.

Damit trage Mannheimer enorm zu Max Friedlanders Einsatz zum Erhalt der Demokratie bei. Am Ende seiner Laudatio zitierte Brügmann deshalb auch den Preisträger mit einem Satz, mit dem Mannheimer der Politikerverdrossenheit seit Jahrzehnten begegnet: »Besser eine etwas schwache Demokratie als eine starke Diktatur.«

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