Jubiläum

Mit Fantasie und Herzenswärme

Vermitteln jüdische Kultur: Ellen Presser (4.v.l.) und ihr Team Foto: Marina Maisel

André Heller gehörte einst zu den gefeierten Gästen, Dieter Hildebrandt ebenso: Im Gartenhaus an der Prinzregentenstraße hatte sich Anfang der 80er-Jahre all jenen eine Tür geöffnet, die sich für jüdisches Leben in München und in aller Welt interessierten. Vor Kurzem nun hat die Einrichtung unter Leitung von Ellen Presser ihren 30. Geburtstag gefeiert.

Zum Jubiläumsfest hatte Presser Freunde und Wegbegleiter des Kulturzentrums in den Hubert-Burda-Saal der IKG eingeladen. Mit der Errichtung dieses Hauses und seinen großzügigen Räumlichkeiten erhielt seinerzeit auch das Kulturzentrum weitaus mehr Spielraum bei seinen Veranstaltungen als früher.

Promis Das Programm der Abteilung und das Niveau der Gäste sind wie eh und je exzellent. Bei der Geburtstagsfeier hat dies der Besuch von Dieter Hildebrandt verdeutlicht, der auch diesmal mit einer Kabarett-Einlage begeisterte. Und auch neue Gesichter sind hinzugekommen: der SZ-Kolumnist Axel Hacke etwa und der Allroundkünstler David Shiner aus New York.

All das ist ein Beweis dafür, dass Ellen Presser mit ihrem Konzept von Anfang an die richtigen Weichen für die Heranführung des Münchner Publikums an jüdisches Leben gestellt hatte. Darüber hinaus hat sie freilich stets auch für Gemeindemitglieder Veranstaltungen angeboten, die einen ganz besonderen Stellenwert haben – Jiddisch-Abende sind da nur ein Beispiel.

»Es spricht für sich, dass die Wissenschaftler, Künstler und Intellektuellen, die mit Ellen Presser zusammenarbeiten, zumeist auch ihre Freunde sind. Das ist Ausdruck ihrer unnachahmlichen Liebenswürdigkeit«, beschrieb Präsidentin Charlotte Knobloch bei der Feier das Erfolgsrezept des Kulturzentrums. »Ellen verzaubert die Menschen nicht nur mit künstlerischer Fantasie, sondern auch mit Herzenswärme und ihrer zutiefst menschlichen und aufrichtigen Haltung.«

Anfänge Der frühere IKG-Präsident Hans Lamm sel. A. hatte die 1954 geborene Tochter polnischer DPs am 1. Juli 1983 als Leiterin der IKG-Kulturabteilung berufen. Ellen Pressers Credo damals gilt auch jetzt noch: »Wenn man heute als jüdischer Mensch über die Runden kommen will, muss man eine feste Identität haben und gleichzeitig offen sein für alles.«

Diese Offenheit lässt sie gut zusammenarbeiten mit ganz unterschiedlichen Institutionen. Langjährige Kooperationen bestehen zum Beispiel mit folgenden Einrichtungen: »Gegen Vergessen – Für Demokratie«, Münchner Volkshochschule, Amerikahaus, WIZO, Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Kultur, Stadtmuseum, Filmmuseum, Jüdisches Filmfestival Berlin & Potsdam und zahlreiche Verlage. Entsprechend kamen zur Geburtstagsfeier auch viele Gäste aus dem öffentlichen Leben, Vertreter aus Politik und Wissenschaft sowie dem Kultur- und Stadtgeschehen. Die Glückwünsche der Stadt überbrachte Kulturreferent Hans-Georg Küppers.

Natürlich hat sich in den drei Jahrzehnten auch einiges geändert. Seit dem Umzug an den Jakobsplatz fehlt der Innenhof, in dem alljährlich der beliebte »Koschere Biergarten« stattgefunden hatte. Dafür sind neue Möglichkeiten dazugekommen, die es in den früheren beengten Räumlichkeiten nicht gegeben hat: Dazu zählt zum Beispiel die Beteiligung am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur, der in diesem Jahr wieder am 29. September stattfinden wird. Ein weiteres Plus ist die zentrale Lage im Herzen der Stadt, die die Wege verkürzt und so bereits vorhandene Kooperationen stärkt und neue ermöglicht.

Teamwork Klar, dass solch ein umfangreiches und anspruchsvolles Programm, wie es das Kulturzentrum der IKG den Münchnern bietet, nur in Zusammenarbeit vieler Mitarbeiter funktionieren kann. Deshalb galt bei der Geburtstagsfeier der Dank der Präsidentin auch den Mitarbeitern von Leiterin Ellen Presser.

Alle zusammen haben dazu beigetragen, dass das Fest ein voller Erfolg wurde – mit Reden und Auftritten auf der Bühne ebenso wie mit dem anschließenden Beisammensein im Foyer. Da durfte natürlich auch die Geburtstagstorte nicht fehlen, die Ellen Presser zu später Stunde anschnitt. Passend zum Anlass stand die Torte ganz im Zeichen von Kunst und Kultur – war sie doch mit einem Motiv des Künstlers Franz Marc dekoriert.

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