Frankfurt/Main

Mit der WIZO nach New York

Um ihre Befürchtungen zu zerstreuen, musste sich Diana Schnabel nur die Schlange bei der Einlasskontrolle anschauen. »Wir hatten Bedenken, dass die Leute vielleicht Angst haben, zu kommen. Aber das Gegenteil ist der Fall – es ist in diesem Jahr besonders voll. Wahrscheinlich sagen sich die Frankfurter: ›Jetzt erst recht!‹«, stellte die Präsidentin von WIZO Deutschland zufrieden fest.

Doch auch, wenn der 62. Basar der Zionistischen Frauenorganisation WIZO im Frankfurter Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum nicht von der Eskalation der Gewalt in Israel überschattet wurde, fielen die Eröffnungsreden ungewohnt politisch aus. So bekundeten Zentralratschef Dieter Graumann, Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und auch der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz, dessen Kirche nach vielen Jahren wieder die Schirmherrschaft für den Basar übernommen hatte, unisono ihre Solidarität mit Israel und betonten das Recht auf Selbstverteidigung.

sammeln Abgesehen vom angemessen ernsten Ton bei der Eröffnung, herrschte beim Basar die traditionell fröhliche Stimmung, wie es die Besucher erwarten. Es gab reichlich zu essen und zu trinken, Flohmärkte für Kleider, Kindersachen, Bücher und Haushaltswaren, einen Schmuckstand sowie CDs, Lebensmittel und Kosmetik aus Israel.

Um das alles ins Gemeindezentrum zu schaffen, waren die WIZO-Frauen rund zwei Wochen mit dem Aufbau und Einräumen beschäftigt. Und lange Monate davor hatte bereits das Sammeln der Verkaufsware begonnen. Wie Eichhörnchen füllten die ehrenamtlich Tätigen das ganze Jahr über ihre Vorräte. Mit Erfolg: So warteten in diesem Jahr wieder rund 2500 Tombolapreise, von der Handtasche bis zur New-York-Reise, auf Gewinner.

Ehrennadel Auf die Qualität der Tombola war Diana Schnabel besonders stolz und lobte alle Unterstützer des Basars. Um in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die WIZO vom Engagement und der Großzügigkeit der Spender lebt, wurden drei von ihnen auf der Veranstaltung mit einer Ehrennadel ausgezeichnet: Lior Ehrlich, Micky Rosen und Alex Urseanu.

WIZO bedeutet aber auch Kultur und Literatur: Dieter Graumann signierte am Bücherstand sein Buch Nachgeboren – vorbelastet? Die Zukunft des Judentums in Deutschland, Bärbel Schäfer schrieb Widmungen in Zen im Gurkenbeet, und bei Stefanie Zweig hatten die Besucher die Qual der Wahl: Es lagen nicht nur ihre autobiografischen Bestseller zum Verkauf aus, sondern auch das weniger bekannte Büchlein Katze fürs Leben.

Autogramme Für die Entscheidung, welches Buch man mit einem Autogramm mit nach Hause nehmen wollte, konnte man sich Zeit lassen: Weder wurde man beim Stöbern am Büchertisch gehetzt, noch kam bei den Autoren Ungeduld mit ihren Lesern auf.

Zum ersten Mal beim Basar vertreten war die »Young WIZO« mit Cocktailbar, Live-DJ und Verlosung eines iPhones. »Am Samstagabend sind die letzten Gäste gegen 23.30 Uhr gegangen, normalerweise ist hier schon gegen 22 Uhr Schluss«, resümierte Julia Pomer, eine der Organisatorinnen, zufrieden. Gemeinsam mit Alessia Meijer und Nathalie Graumann hat sie die Bar als ersten Auftritt der neu gegründeten Young WIZO initiiert. »Wir haben uns in den Tagen vor dem Basar getroffen und erst einmal getestet, wie man überhaupt Cocktails macht«, sagt Pomer. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden: »Es scheint zu schmecken, wir haben viel verkauft.«

HIP-HOP-Party Weitere Aktionen der Gruppe 26- bis 33-Jähriger, wie etwa ein WIZO-Café zu Chanukka, sollen folgen. »Das Café werden zwei andere organisieren, jede von uns soll einmal ein Event vorbereiten«, beschreibt Pomer die Pläne der neuen Gruppe. Geplant sei außerdem eine Hip-Hop-Party.

»Wir wollen ein jüngeres Publikum ansprechen und zeigen, dass bei der WIZO ein frischer Wind weht«, sagt Pomer. Die Young WIZO kommt einmal im Monat zusammen. Wer sich für ihre Arbeit interessiert, kann sich unter www.facebook. com/youngwizoffm informieren oder per E-Mail an youngwizoffm@yahoo.de anfragen, wann und wo das nächste Treffen stattfindet.

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