Frankfurt am Main

Ministerpräsident kommt zum Fest

100 Jahre alt: die Westend-Synagoge in Frankfurt am Main Foto: Archiv

Nach dem Gregorianischen Kalender ist der Festtag eigentlich schon vorbei. Am 28. September 1910 wurde die große Frankfurter Westend‐Synagoge feierlich eröffnet. Doch erst am 24. Oktober erwartet Gemeindevorsitzender Salomon Korn Ministerpräsident Volker Bouffier, die ehemalige Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Petra Roth, und Rabbiner Jonathan Wittenberg, Enkel des ehemaligen an der Westend‐Synagoge amtierenden Rabbiners Georg Salzberger als Festgäste zum 100‐jährigen Bestehen des Gotteshauses.

Rettung Dass das Jubiläum überhaupt gefeiert werden kann, verdankt der Bau vor allem dem Mut und der Entschiedenheit einzelner Frankfurter. Zunächst hatte sich der christliche Hausmeister den SA‐Männern entgegengestellt, als diese sich am 10. November 1938 sich Eingang verschaffen wollten. Doch sein Widerstand nutzte nichts. Sie legten Feuer im Innenraum. Die herbeigeeilte Feuerwehr löschte jedoch, anders als bei den übrigen Frankfurter Synagogen, den Brand, anstatt sich darauf zu beschränken, ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Gebäude zu verhindern. Dadurch blieb die Synagoge als einzige in Frankfurt erhalten, Dach und der Innenraum waren jedoch schwer beschädigt und die Synagoge unbenutzbar geworden.

Tradition Die Westend‐Synagoge sah schon bei ihrem Bau anders als die bereits bestehenden orthodoxen Synagogen Frankfurts vor, dass Frauen nicht nur auf der Empore, sondern auch im Innenraum Platz nehmen konnten. Das Gotteshaus des Architekten Franz Roeckle hatte 1.600 Plätze. Baulich umgeben ist das Gebäude von einer einstöckigen Vorhalle, die im rechten Winkel zur Synagoge entlang der Freiherr‐vom‐Stein‐Straße an die Synagoge anschließt. Im Gebäudeflügel an der Ecke zur Friedrichstraße befanden sich Neben‐ und Verwaltungsräume, eine kleine Wochentagssynagoge, Versammlungssäle sowie Wohnungen für Hausmeister und Rabbiner.

Heute trifft sich immer noch der egalitäre Minjan zu Schiurim und Gottesdiensten in dem imposanten Gebäude und setzt damit die liberale Tradition des Hauses fort. Obwohl die Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg schon 1950 wieder in Betrieb genommen wurde, wurde sie erst Ende der 80er‐Jahre umfassend renoviert. ja

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