Fussball

Messi, Ronaldo, Neuer & Co.

Gemeinsame Sache durch Fußball: Kinder, Jugendliche und Eltern feiern. Foto: Roland Kaufhold

Liebe Chaverim! Bei diesem Turnier handelt es sich um ein Spiel! Wir sind stets freundlich zueinander.» Das Team des Kölner Jugendzentrums Jachad hatte zum Fußballturnier eingeladen. Und 100 Kinder und Jugendliche kamen aus ganz Nordrhein-Westfalen zur SoccerWorld nach Köln.

Um 14 Uhr wird schließlich das siebte jüdische NRW-Jugendfußballturnier eröffnet. Judith Steinhauer, seit vielen Jahren bei Jachad als Madricha engagiert und heute dessen Leiterin, ist begeistert über den Zuspruch: «Es sind diesmal fünf jüdische Jugendzentren mit jeweils zwei Teams vertreten: Dortmund, Düsseldorf, Krefeld, Wuppertal und Köln!» Die weiteste Anreise haben die Dortmunder.

Dass drei Stunden später auch die deutsche Nationalmannschaft ihr Spiel bei der Fußballweltmeisterschaft bestreiten sollte, daran habe man «gar nicht gedacht», bemerkt der 25-jährige Aaron amüsiert. «Aber viele streamen einfach auf der Rückfahrt.»
Vor zwei Monaten hatten Kamilla, Judith und Aaron die Einladungen verschickt. «Der letzte Monat war dann schon etwas intensiver», erzählt der fußballbegeisterte Aaron von den Vorbereitungen.

Tipps Begonnen hatte der Tag bereits um 11 Uhr mit 80 Jugendlichen und einigen Eltern, die sich zu einem gemeinsamen Frühstück im Gemeindehaus in der Roonstraße eingefunden hatten. Dabei tauschten die Spieler schon einmal fußballerische Tipps aus, gaben Prognosen über den Sieger ab und erneuerten Freundschaften aus früheren Begegnungen. Gut zwei Stunden später startet der Bus zum Spielort.

Die weniger fußballbegeisterten oder sehr viel jüngeren Familienangehörigen können sich in der Zwischenzeit im direkt gegenüber liegenden Indoor-Spielplatz «Silly Billy» austoben. Hier gibt es riesige Hüpfburgen, die sie emporklettern können, um sich nachher herunterrollen zu lassen, außerdem zahlreiche Autoscooter und Rolleys. Auf sechs nebeneinander liegenden Trampolinen probieren die Kleinen und auch die Älteren kleine Kunststücke aus. Oder sie erklimmen eine vier Etagen hohe Kletterburg und sausen auf den Rutschen hinab in das Bällchenbad.

Das jüdische Jugend-Fußballturnier hat bereits eine kleine Tradition. 2012 fand es erstmals in Köln statt, und die Rahmenbedingungen sind bis heute gleich geblieben: Es treten keine festen Fußballmannschaften an, auch wenn einige der Kölner Teilnehmer beim jüdischen Sportverein Makkabi spielen. Die Mannschaften werden von den Jugendzentren gebildet, jedes von ihnen kann bis zu zwei Teams entsenden. In der Gruppe der Älteren – 13 bis 16 Jahre – sind alle fünf jüdischen Jugendzentren vertreten, die gegeneinander antreten.

Vier Fußballfelder mit 32 mal 16 Metern sind hierfür reserviert, jedes Spiel dauert zehn Minuten, außerdem sollte in jedem Team mindestens ein Mädchen mitspielen. Alle coachen sich selbst, und es klappt hervorragend. Einige Teams tragen eine farbige Weste, viele Emanu- und Jachad-T-Shirts sind zu sehen, aber auch Ronaldo, Neuer und Messi laufen auf.

Motivation Die 27-jährige Kamilla übernimmt souverän gleich mehrere Rollen: als Schiedsrichterin, als Trösterin für «Verletzte», aber vor allem als Stimmungsmacherin. Immer wieder heult die Jachad-Flüstertüte, immer wieder spornt sie die Teams an. Auch Maria Gordin, die als Mutter aus Krefeld mit angereist ist, feuert mit Inbrunst auf Russisch und auf Deutsch die vier Teams der Jüngeren – sechs bis zwölf Jahre – an. «Motivation ist das Beste, was es gibt», ruft sie engagiert.

«Durchziehen mit dem Ball. Das ist doch kein Lederball», treibt der Düsseldorfer Madrich das Team der Älteren an. Für die erschöpften Spieler gibt es anschließend leckere Lunchpakete, Obst und Getränke.

Zur Siegerehrung versammeln sich alle 100 Jugendlichen auf einem Feld. Den dritten Platz erreicht Dortmund, der zweite Platz geht an das große Kölner Jachad-Team. Viel umjubelter Sieger ist dieses Mal das Kadima-Team aus Düsseldorf.

«Warum ist es uns wichtig, dass ihr aus vielen NRW-Städten zusammenkommt?», fragt Aaron zum Schluss. «Das Wichtigste ist das Miteinander und unsere jüdische Zukunft in Deutschland. Wir haben die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen: Wir sind jüdisch, wir sind jüdische Bürger. Wir feiern. Und der nächste Messi ist bestimmt unter uns!» Die Spieler bejubeln seine Abschiedsworte.

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020

Dortmund

Jüdische Grundschule geplant

Stadtverwaltung hat Projekt bereits gebilligt – schon kommendes Jahr könnte Einrichtung für 180 Kinder öffnen

von Michael Thaidigsmann  22.04.2020