ZWST

»Mehr als 70 Prozent Herz«

Das Präsidium des Zentralrats dankt Beni Bloch (2.v.r.) für seinen jahrzehnte langen Einsatz bei der ZWST: Abraham Lehrer, Josef Schuster, Mark Dainow (v.l.)

Großer Bahnhof für Beni Bloch in Bad Sobernheim. Von 1987 bis Juni dieses Jahres, 31 Jahre also, leitete der heute 75-jährige Frankfurter die Geschicke der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Am Dienstagnachmittag wurde er nun in einer Feierstunde im Max-Willner-Heim von rund 200 Weggefährten, Gönnern und Freunden verabschiedet.

Und er ging mit einem großzügigen Geschenk: einer restaurierten Torarolle aus Jerusalem, die nun dauerhaft in »Sobi«, wie das Domizil der ZWST liebevoll genannt wird, verbleibt. Bislang lieh man sich stets bei Bedarf eine Tora von anderen Gemeinden aus. Finanziert wurde die Anschaffung des Pergaments von mehr als 50 Spendern, allen voran der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sowie dem Zentralrat der Juden in Deutschland.

Zwei Stunden lang prasselte ein warmer Redner-Regen an Dank, Anerkennung und guten Wünschen für die Zukunft auf Beni Bloch herab, zu Anfang und Beginn umrahmt vom Chor der Jüdischen Gemeinde Mainz unter der Leitung von Victor Klimashevsky. Die Eröffnung der Rednerliste übernahm Abraham Lehrer, Präsident der ZWST, und gab Einblick in Blochs Werdegang.

Werdegang
Der in Jerusalem geborene Benjamin Bloch kam als 14-Jähriger mit seinen Eltern nach Deutschland. Er absolvierte ein Studium der Pädagogik und schloss es mit einem Magister ab. Schon in jungen Jahren übernahm er Verantwortung und wurde Jugendzentrumsleiter der Gemeinde Frankfurt. 1974 bot ihm die ZWST die Stelle des Jugendreferenten an. Nach 13 Jahren kam dann die Beförderung zum Direktor als Nachfolger von Alfred Weichselbaum.

Blochs weitere berufliche wie private Weggefährten waren Persönlichkeiten wie Heinz Galinski, Günther Singer, Max Willner, Maria Brauner, Ignatz Bubis, Michael Warman und Paul Spiegel. »Unser Beni hat es aber stets geschafft, seine Vorstellungen beizubehalten«, pries Lehrer seinen Kollegen und verwies auf Blochs Geschick, die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion so zu managen, dass sich keiner alleingelassen fühlte, »selbst in den abgelegensten Ecken unseres Landes«.

Professionalisierung Als weiteres Beispiel für die Weitsicht des heutigen Neurentners nannte Lehrer die Einführung des berufsbegleitenden Studiengangs »Jüdische Sozialarbeit« in Erfurt, die praktische Erfahrung mit einem theoretischen Unterbau versah: »Das Stichwort war Professionalisierung der Mitarbeiter unserer Mitgliedsverbände.«

Die Idee der Jewrovision nach dem Vorbild der Eurovision wurde von Beni Bloch und der ZWST akzeptiert und umgesetzt. Seit 2008 veranstaltet die ZWST internationale Fachtagungen zum Thema Schoa, die auf jüdischer wie nichtjüdischer Seite überaus anerkannt sind. Das segensreiche Wirken Beni Blochs blieb auch außerhalb jüdischer Kreise nicht unentdeckt. So wurde ihm 2005 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Präsident Lehrer ging aber auch auf den Menschen Beni Bloch ein, mit dem er 18 Jahre zusammenarbeitete. »Beni ist offen und ehrlich und bisweilen ein Bulldozer, im privaten wie beruflichen Teil seines Wirkens. Wenn ihn etwas stört oder gar ärgert, schenkt er reinen Wein ein und geigt dem Gegenüber die Meinung.«

Sowohl mit Lob als auch mit Tadel sei Bloch nie kleinlich gewesen. »Sie haben hier einen Menschen, auf den Sie sich verlassen können. Nicht hundertprozentig, sondern tausendprozentig«, pries Abraham Lehrer. Diesen hohen Anspruch an sich selbst habe Bloch auch an seine Mitarbeiter gestellt. Denn »die ZWST war nicht nur Arbeit für ihn, nicht irgendein Job, sondern sein Baby«.

Geschenk Dann wurde die Tora feierlich in den Versammlungsraum getragen. Da es sich um eine restaurierte Tora handelt, musste sie nicht zu Ende geschrieben werden. Benjamin Bloch las einen Vers über den biblischen Benjamin vor.

Ein weiteres Grußwort sprach der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. An Bloch gerichtet, sagte er: »Es war und ist dir so wichtig, das Selbstbewusstsein junger Juden zu stärken und vor allem die Verbundenheit junger Menschen zu Israel zu bilden und zu vertiefen.«

Außerdem habe Bloch seit Anfang der 90er-Jahre den Spagat hinbekommen, die osteuropäischen Juden zu integrieren, ohne die »alteingesessenen« Mitglieder der Gemeinden zu vergessen. Dann zitierte Schuster eine Laudatio von Paul Spiegel über den ZWST-Direktor Bloch. »Der Mensch besteht zu mehr als 70 Prozent aus Wasser. Beni besteht zu mehr als 70 Prozent aus Herz!« Er lobte Blochs Geste, sich zum 75. Geburtstag einzig Spenden zur Anschaffung der Sefer Tora fürs Max-Willner-Heim zu wünschen. Diese Tora werde »für immer mit deinem Namen und deinem Wirken für uns alle verbunden sein«, dankte Josef Schuster.

In die Rednerliste reihten sich des Weiteren ein: Wolfgang Stadler vom Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt, Andrei Mares, Gemeinderatsvorsitzender aus Frankfurt, und auch Rabbiner Yechiel Wasserman von der World Zionist Organization (WZO). Mares erwähnte Blochs »scheinbare körperliche Abwesenheit in Sitzungen« als Markenzeichen, doch geistig sei er immer punktgenau beim aktuellen Thema. Auch Blochs ehrenamtliches Wirken brachte Mares zur Sprache – etwa im Verband der Heimatvertriebenen oder in ihrer jüdischen Heimatgemeinde Frankfurt.

Machanot Das letzte Wort des Festakts stand aber jenem Mann des Tages, jenem »Bulldozer«, jenem »Mister ZWST«, Beni Bloch, zu. Er erinnerte sich an die Anfänge seines Wirkens vor 44 Jahren, als es im Sommer nur 14 Machanot-Teilnehmer gegeben habe – heute seien es mehr als 1000. Damals gab es kaum Kontakte nach Israel. Auch diese musste man erst mit Fleiß und Beharrlichkeit aufbauen, Vertrauen schaffen und Ängste abbauen.

Einer der wichtigsten Kooperationspartner seiner Laufbahn sei das Bundesfamilienministerium gewesen, erinnerte Bloch und erntete damit den spontanen Applaus der 200 versammelten Gäste. Und er dankte den anderen Wohlfahrtsverbänden für das gute Miteinander.

Doch das Ende seiner Rede wirkte dann wie eine düstere Prophezeiung. Das Ende des Liberalismus sei in Sicht. Die letzten 70 Jahre seit Ende des Krieges seien »Luxus« gewesen. »Jetzt kehrt man zur Realität zurück.« Das jeweilige Mehrheitsvolk übernehme das Sagen auf Kosten von Minderheiten. Die bürgerliche Mitte zerfalle, ebenso die Grenzen des Sagbaren. Ausfallerscheinungen von Politikern würden von Parteifreunden heruntergespielt statt getadelt. Blochs Weckruf lautete denn auch: »Die schweigende Mehrheit soll aufstehen und bekennen: So nicht!«

Eine freudige Überraschung hob sich Bloch jedoch fürs Finale auf: Er könne sich gut vorstellen, Deutschlandpräsident von »Magen David Adom«, dem israelischen »Roten Kreuz«, zu werden. Unermüdlich, auch mit 75 Jahren und angeschlagener Gesundheit: So ist Benjamin »Beni« Bloch.

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