Duisburg

Marodes Meisterwerk

Ein Bauzaun versperrt derzeit den Haupteingang. Foto: Alexandra Roth

Die Jüdische Gemeinde Duisburg rollt ihren Gästen den Teppich aus. Nur ist es kein hübscher roter. Die Filzbahnen auf der vom Winter gezeichneten Wiese sollen dafür sorgen, dass man auf dem Weg zum Hintereingang des Gemeindezentrums nicht mit den Schuhen im Matsch versinkt. »Da muss man einfach durch«, sagt Geschäftsführer Alexander Drehmann, »auch wenn es nicht angenehm ist.«

Das Gebäude am Duisburger Innenhafen ist eine einzige Baustelle – schon lange, und jetzt eben auch im Wortsinn. Seit Jahren sind die Schäden am Gemeindezentrum ein wiederkehrendes Thema, auch vor Gerichten. Die Gemeinde verklagte den Architekten Zvi Hecker, hatte damit aber keinen Erfolg. Hecker entwarf Museen und Denkmäler auf der ganzen Welt, beispielsweise auch das Zentrum der Jüdischen Gemeinde in Mainz.

GErichtsverfahren Dass vor 21 Jahren im Rahmen eines Architekturwettbewerbs in Duisburg die Wahl auf Heckers Entwurf fiel und seine Pläne bis 1999 umgesetzt wurden, sorgte bald für Ärger. Schon Drehmanns Vorgänger Michael Rubinstein klagte in der Presse: »Wir sterben in diesem Gebäude in Schönheit.« Die Betonfassade hatte Risse, Wasser trat ein, zehn Jahre nach der Eröffnung mussten bereits Teile saniert werden. Auch Architekt Hecker meldete sich damals in den Medien zu Wort, verwies auf die Gerichtsentscheidungen zu seinen Gunsten und beklagte das mangelnde Verständnis der Gemeinde für seinen spektakulären Entwurf, ein Haus wie ein aufgeblättertes Buch zu gestalten.

Noch immer wird prozessiert, aktuell gegen den Anwalt, der in einem frühen Rechtsstreit die Gemeinde vertrat und eine Frist habe verstreichen lassen. »Im gleichen Zug muss man dann auch wieder die Fehler, die der Architekt beziehungsweise die Firma, die das Gebäude gebaut hat, gemacht haben, erläutern«, sagt Drehmann. »Es waren auch mehrere Architekten, Zvi Hecker hat den Entwurf gemacht. Aber ich möchte nicht ins Detail gehen, der Prozess dauert ja noch an, und ich möchte ungern etwas Falsches sagen.« Auch zu den entstehenden Kosten durch die Renovierung schweigt Drehmann lieber.

Umbaumaßnahmen
Aber er ist froh, dass die Arbeiten endlich begonnen haben. Vor den Sanierungen stehen zunächst dringende Umbaumaßnahmen an. Seit fünf Monaten werden sämtliche Fenster im Gebäude ausgetauscht. »Die Rahmen sind für das Gewicht der Scheiben gar nicht ausgelegt gewesen«, erklärt der Geschäftsführer. »Als wir einige alte Fenster ausgebaut haben, sind sie in sich zusammengebrochen.« Der Grund für den Austausch hänge mit der Sicherheit zusammen, aber auch dazu möchte er sich nicht äußern.

Gleichzeitig mit dem Austausch der Fenster begannen auch die Arbeiten am Haupteingang des Gemeindezentrums, um eine moderne Schleuse einzurichten. Nahtlos an den Umbau schließt sich dann die Sanierung an, es geht weiter mit der Fassade und dem Dach. »Es ist vieles falsch gemacht worden«, sagt Drehmann. »Es gibt Probleme mit dem Putz, das Dach ist undicht, es bricht zusammen. An einigen Stellen ist es tatsächlich gefährlich.«

Alltag Bereits seit Monaten ist es im Gemeindezentrum laut und staubig, doch der Alltag für Mitglieder und Besucher soll so wenig wie möglich gestört werden – eine Herausforderung für alle Mitarbeiter, von den Hausmeistern bis zu den Sicherheitsleuten. Die Veranstaltungen laufen wie geplant, der große Saal wird weiterhin genutzt.

In zwei Monaten sollen die Arbeiten an der Schleuse beendet sein, dann entfällt wenigstens der Umweg über die Wiese. Im Juni oder Juli sollen die Fenster sitzen und noch in diesem Jahr die Sanierung des Dachs und der Fassade abgeschlossen sein.

Sollte es doch ein Happy End für das Gebäude geben, aus dem die Gemeinde schon ausziehen wollte, um die Probleme hinter sich zu lassen? Drehmann meint dazu nur: »Das hier ist ein Kunstwerk. Es ist nicht unbedingt für den normalen Gebrauch geeignet. Man kann es benutzen, aber es ist bei Weitem nicht gut. Daran kann man aber nichts ändern.«

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