Düsseldorf

Mann für die Kultur

Bescheidener Preisträger: Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (M.) mit Ruth Rubinstein (r.) und Frank M. Müller. Foto: Thomas Busskamp

Mit einem Festakt in der Synagoge hat die Jüdische Gemeinde Düsseldorf die Verleihung der Josef‐Neuberger‐Medaille dieses Jahr an den ehemaligen Düsseldorfer Beigeordneten und NRW‐Kulturstaatssekretär Hans‐Heinrich Grosse‐Brockhoff gefeiert. Mit der Medaille würdigte die Gemeinde Grosse‐Brockhoffs Verdienste um die jüdische Gemeinschaft.

Als Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde freute sich Oded Horowitz, im Publikum zahlreiche Vertreter aus Landes‐ und Kommunalpolitik, von Kirchen, Justiz, Behörden und Institutionen, die früheren Preisträger Burkhard Hirsch (ehemaliger NRW‐Innenminister und Vizepräsident des Deutschen Bundestages), Fritz Pleitgen (bis März 2007 Intendant des Westdeutschen Rundfunks) und Professor Gert Kaiser (von 1983 bis 2003 Rektor der Heinrich‐Heine‐Universität) begrüßen zu können.

Lob Einen verdienten Menschen zu loben, sei eine dankbare und schöne Aufgabe, weil keine Kritik vorkommen müsse, sagte Gert Kaiser in seiner Laudatio, zumal die Verdienste von Grosse‐Brockhoff für die Ehrung von drei Menschen ausreichen würden. Kaiser unterstrich das Engagement des ehemaligen Schuldezernenten, den er gleichermaßen als Tatmenschen wie philosphischen Kopf bezeichnete, für den Aufbau der Yitzhak‐Rabin‐Grundschule, die sich längst zu einem Schul‐ und Erziehungszentrum fortentwickelt hat. Als Kulturstaatssekretär hatte sich Grosse‐Brockhoff später besonders für die Jüdischen Kulturtage eingesetzt.

Die Preisverleihung selbst wurde von Ruth Rubinstein und Frank M. Müller vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde vorgenommen. Der Geehrte, der in Düsseldorf maßgeblich auch für seine Initiativen im Rahmen des sogenannten private public partnership bekannt ist, mit dem er Unternehmen als Kulturpartner beispielsweise für das Museum Kunstpalast oder die Stiftung Schloss und Park Benrath gewann, bedankte sich für die Auszeichnung »mit ein wenig Stolz, aber zugleich auch mit Scham«.

ruhe Oded Horowitz nutzte sein Grußwort als Gelegenheit zu einem komprimierten Jahresrückblick auf das Gemeindeleben, das sich nach einer konfliktreichen Gemeinderatswahl wieder auf einem sehr guten Weg befinde. Stolz wies er auf zahlreiche erfolgreiche Veranstaltungen wie den Jüdischen Ärztekongress, das Jüdische Filmfest, das fortan den Namen Paul Spiegels tragen soll, sowie die Jüdischen Kulturtage, an denen sich 52 Städte und Kommunen beteiligten, hin. Überall könne man ein gewachsenes Interesse an jüdischem Kulturleben feststellen, so sein Fazit.

Außerdem wolle sich die Gemeinde für einen jüdischen Zweig an einem Gymnasium in der Landeshauptstadt starkmachen. Entsprechende Gespräche würden mit der rot‐grünen Landesregierung weitergeführt, sagte Horowitz. Mit einem eigenen gymnasialen Zweig solle die erfolgreiche Arbeit der Yitzhak‐Rabin‐Schule auf Dauer fortgesetzt werden.

Bescheiden Als jemand, der zu Orden und Ehrungen kein Verhältnis habe, sah Grosse‐Brockhoff sich bescheiden in der Rolle des Stellvertreters, der zudem – fast wollte man sagen zufällig – immer dabei war, wenn es um »richtige Entscheidungen« ging. Menschen wie Esra Cohn, Herbert Rubinstein und nicht zuletzt Paul Spiegel hätten viel mehr bewegt, so Grosse‐Brockhoff. Sie hätten die Medaille eigentlich verdient, allerdings werde sie nur an Nichtjuden verliehen.

Die Medaille, die seit 1991 vergeben wird, geht auf Josef Neuberger (1902–1977) zurück. Neuberger war Rechtsanwalt und engagiertes Mitglied der Jüdischen Gemeinde und hatte von 1966 bis 1972 unter der von Heinz Kühn geführten SPD‐Landesregierung das Amt des Justizministers inne. Zu den bisherigen Preisträgern zählten unter anderem der ehemalige NRW‐Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Später kontakt In seiner Funktion als Kulturdezernent der Stadt erinnerte sich Grosse‐Brockhoff an die Grundschule, die der heute 62‐Jährige einst selbst besucht hatte, und bot sie der Jüdischen Gemeinde an. Später richtete diese dort die Yitzhak‐Rabin‐Grundschule ein. Der Geehrte be‐ dauerte es, erst spät konkret mit dem jüdischen Leben in Kontakt gekommen zu sein, zumal er das Althebräische, das er auf dem Gymnasium in Neuss gelernt hatte, als »heimliche Liebe« bezeichnete.

Mit Freude mag Herbert Kappes, früherer Lehrer von Grosse‐Brockhoff und ebenfalls Gast der Feierstunde, hören, wie sein ehemaliger Schüler von der Schönheit der Texte Franz Rosenzweigs und Martin Bubers schwärmte. Mit den besten Wünschen für das Jahr 5772 verabschiedete sich Hans‐Heinrich Grosse‐Brockhoff, um schließlich Anna Yarovaya (Piano) und Eduard Beyer (Violine) Platz zu machen, die bereits als musikalischen Auftakt Nigun, aus der Suite Baal Shem (Drei Bilder des chassidischen Chors) von Ernst Bloch, exzellent interpretiert hatten. Zum Abschluss der Feierstunde am Donnerstagabend erklang eine der drei Alt‐Wiener Tanzweisen Liebesfreud von Fritz Kreisler.

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