Festival

Leben ist Kino, Kino ist Leben

Michael Brandner, Alice Brauner und Marcus O. Rosenmüller bei den Filmtagen (v.l.) Foto: Marina Maisel

Mit der Aufführung der restaurierten Fassung des Stummfilmklassikers Der Student von Prag gehen am kommenden Sonntag im Hubert-Burda-Saal die Jüdischen Filmtage zu Ende. Das 1913 von Hanns Heinz Ewers gedrehte Werk ist die älteste Version des zahlreich verfilmten Themas – und somit eine weitere Besonderheit im Programm des Festivals.

Zum nun schon vierten Mal haben die Filmtage in diesem Jahr stattgefunden. Für diese Leistung hatte Präsidentin Charlotte Knobloch Ellen Presser, Initiatorin des Festivals und Leiterin des IKG-Kulturzentrums, ihren Dank ausgesprochen. Knobloch würdigte auch alle Unterstützer und Kooperationspartner, die mit ihrem Engagement die Jüdischen Filmtage München möglich machen.

Idee Bereits vor 20 Jahren hatte Nicola Galliner das Jüdische Filmfestival in Berlin und Potsdam ins Leben gerufen. Die Idee, etwas Ähnliches in München zu etablieren, trug Knobloch schon länger mit sich herum. Mit der Eröffnung des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatz gab es die Möglichkeit für eine Einheit von Standort, Veranstalter und Programm. Mit Ellen Presser und ihrer Leidenschaft für Film und Fotografie fand sie die passende und engagierte Fachfrau für die Umsetzung ihres Wunsches.

Wie die Realisierung dann verlief, erzählt Ellen Presser, die sich in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder dem Thema Film gewidmet hatte – von einer Ausstellung über den Filmausstatter Ken Adam im Deutschen Museum über den Dokumentarfilm Sobibor samt Befragung des Regisseurs Claude Lanzmann durch den NDR-Autor Eric Friedler oder Previews von den Comedian Harmonists bis hin zum Film Der Zug des Lebens vom preisgekrönten Regisseur Radu Mihaileanu in verschiedenen Münchner Kinos.

Umso mehr freut sich Presser nun, dass »die Vielfalt und Widersprüchlichkeit, der Reichtum jüdischer Kultur am eigenen Ort präsentiert werden« kann. »Und immer gibt es eine Besonderheit dazu«, so Presser. »2012 war es die Einladung des großen israelischen Komikers Yakoov Bodo, der in dem Film Gei Oni, einer Geschichte aus der frühen Zuwanderungsepoche nach Eretz Israel, mitwirkte. Bodo erinnerte mit seinem humoristischen Solo an legendäre Zeiten jüdischer Entertainer, die in den Nachkriegsjahren weltweit durch die Diaspora-Gemeinden reisten und ein wenig Frohsinn in die Herzen der Holocaust-Überlebenden brachten.«

Gedenken Zu den diesjährigen Filmtagen begrüßte sie gleich am Eröffnungstag bei der Vorführung von Wunderkinder die Filmproduzentin Alice Brauner. Alice und ihr Vater Artur haben diesen Film dem Gedenken an 1,5 Millionen ermordete jüdische Kinder in Europa gewidmet. »Sie legen mit Ihren Produktionen den Finger in Wunden, die andere am liebsten als geheilt abhaken würden«, hatte Charlotte Knobloch am Eröffnungsabend Brauner gedankt. »Sie lenken die Aufmerksamkeit des Publikums dorthin, wo viel gerne wegsehen. Damit beweisen Sie Verantwortung gegenüber den Lehren aus der Geschichte.«

Unter den Gästen des Festivals waren auch die Schauspieler Michael Brandner, Juliane Köhler, Christian Kohl und Mario Adorf. Dieser, erstmals zu Dreharbeiten in Israel, erinnerte sich mit respektvoller Bewunderung an die zurückgekehrten Emigranten Fritz Kortner, Leonard Steckel und Therese Giehse.

»Die Filmauswahl zu den Jüdischen Filmtagen«, erklärt Ellen Presser, »ergibt stets eine stimmige Mischung aus Altem und Neuem, aus Dokumentar- und Spielfilmen in zahlreichen Sprachen.« Die Themen seien in Israel und Russland, den USA und Deutschland angesiedelt und »spiegeln charakteristische Momente jüdischen Lebens und die stete Erfahrung von Emigration und Neuanfang wider.«

Kooperation Zum Gelingen des Festivalfinales am Sonntag mit Der Student von Prag hat die gute Nachbarschaft mit dem Münchner Filmmuseum beigetragen. Dieses hat den Film auf Initiative von Museumsleiter Stefan Drößler im Rahmen eines umfassenden Kooperationsprojekts mit ZDF und arte aufwendig restauriert.

Das Leitthema 2013 lautete »Identitäten« – eine Thematik, die »ebenso wie ›Heimat‹ gerade für jüdische Menschen sehr oft und über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Frage geworden ist«, so Charlotte Knobloch.

Für das nächste Jahr hat Ellen Presser bereits viele Pläne. Sie ist im Gespräch mit einer namhaften Fotografin, die in mehr als zwei Jahrzehnten viele Schauspieler und Regisseure abgelichtet hat. Eine Ausstellung im Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums soll zudem jüdische Schauspielgrößen näherbringen.

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