Musik

Leben, Gesundheit, Glück

»Mehr als ein musikalisches Ereignis«: Das Konzert der sechs Kantoren Foto: Marina Maisel

»Avinu Malkeinu choneinu va’aneinu –- Unser Vater, unser König, aus Gnade erhöre uns.« Diese allen vertrauten Worte und Melodien erklangen zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur im Hubert‐Burda -Saal. Feierlicher Anlass war das erste gemeinsame Chasanut‐Konzert.

»Unsere Chasanim haben sich hier eingefunden – inmitten der Phase der Teschuwa, der Rückkehr«, sagte Präsidentin Charlotte Knobloch in ihrer Begrüßungsrede. »In Erwartung des feierlichsten Tages des Jahres erinnern wir uns reuevoll an die Vergehen des vergangenen Jahres – und sind zugleich voller Vertrauen, dass der Ewige uns unsere Sünden vergeben und uns ein weiteres Jahr voller Leben, Gesundheit und Glück schenken wird.«

Stimme Sie freute sich, dass es gelungen war, alle Kantoren aus den verschiedenen Münchner Synagogen – der Hauptsynagoge Ohel Jakob, der Synagoge Possartstraße und der Synagoge Sharei Zion – zu einem gemeinsamen Konzert zu vereinen: Jehoshua Kampinski, Selig Neuländer, Aharon Rogosnizki und Schlomo Weingarten, Ezra Meyer und den neuen Gemeindekantor Moshe Fishel. Ihn begrüßte Charlotte Knobloch noch einmal besonders herzlich und dankte zugleich dem Vaad der Ohel‐Jakob‐Synagoge, der »Moshe Fishel für unsere Gemeinde gefunden, seine herausragende Stimme gehört und sich dafür eingesetzt hat, dass wir von nun an in München so hervorragend kantoral besetzt sind«.

Ein besonderer Dank der Präsidentin galt Jechiel Biber, dem Gabbai der Possartsynagoge, »für dieses kantorale Highlight«. Darüber hinaus dankte sie ihm für seine gute und verlässliche Zusammenarbeit über all die Jahre: »Wir können uns jederzeit auf Ihre Ratschläge und Ihren Beistand verlassen, mit dem Sie unsere Gemeinde begleiten, mitführen und mitgestalten.«

Ein wenig der synagogalen Atomsphäre war schon rein äußerlich durch die getrennte Sitzordnung sichtbar. Als dann die ersten Klänge eines der bekanntesten Gesänge zu Jom Kippur erklangen, war schnell klar, das der Abend mehr war als ein Konzert.

Vielfalt Viel dazu trug Raw Jechyel Brukner von Tora MiTzion bei, der in seiner Moderation den auch zahlenmäßig weit über die Erwartung der Veranstalter hinausgehenden Gästen die Besonderheit dieses Abends nahe brachte: Hier wurde die Vielfalt der Münchner Gemeinde in der Vielfalt der liturgischen Stile deutlich und zugleich auf der Bühne vereint. Raw Brukner unterstrich, dass mit diesem Abend eine lange Tradition aus der Possartstraße einen neuen Ansatz gefunden hat. In dem großen Miteinander im Gemeindezentrum am Jakobsplatz erlebte mancher eine ihm neue und doch vertraute Welt.

Jiddischkeit war dann nach der Pause auf eine ganz besondere Art zu erleben: Die zum Großteil nicht bühnenvertrauten Sänger ließen sich hier auf ein gemeinsames Spiel ein, das am Familienschabbestisch auch ein Stückchen der jüdischen Neschume, der Seele, offenbarte. Die Männer sangen eine Melodie, ohne Worte, das Publikum klatschte zunächst vorsichtig, bald aber ganz selbstverständlich mit. Die Melodie – der Nigun – erfüllte den Raum. Manch einer erkannte in den einzelnen Nigunim auch den einen oder anderen Komponisten der Melodien, wie zum Beispiel Rabbi Schlomo Carlebach, Israel Schorr, Jakov Yellen oder Sewulun Kwartin.

Dabei wurde auch greifbar, was Charlotte Knobloch eingangs gesagt hatte – dass die Chasanim den Allmächtigen darum bitten, »dass ihr Weg, den sie für uns alle beschreiten, gelingen möge, und dass Haschem ihre Stimme als Gebet des ganzen Volkes Israel in Barmherzigkeit erhören möge. Gerade in diesen Tagen bedeutet das mehr als ein musikalisches Ereignis«, so die Präsidentin. »Wie im G’ttesdienst singen die Chasanim uns aus dem Herzen, sie singen von Hoffnung und Freude und unserem festen Glauben und Vertrauen in Haschem.«

Ein besonderer Dank der Veranstalter galt auch der engagierten Musikpädagogin und Pianistin der IKG, Luisa Pertsovska, die die Kantoren am Klavier begleitete. Die einhellige Resonanz aller war der Wunsch nach einer Fortsetzung solcher Chasanut‐Abende. Der neue Gemeinderabbiner Arie Folger fasste zusammen, was die Kantoren an diesem Abend erreicht hatten – mit Gebet und Gesang die Herzen berühren.

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