Restaurant

Koscher mit Finesse

In Berlin boomt die israelische Res­taurantszene. Die Zahl der Lokale in der Hauptstadt mit Hummus, gegrilltem Blumenkohl und Schakschuka auf der Speisekarte ist kaum noch zu überblicken. Fast wöchentlich kommt ein hipper Laden neu hinzu. »Aber wenn es um koscheres Essen geht, sieht die Situation schon etwas anders aus«, erklärt Ariel Ehrenberg. »Dann hatte man sogar für eine große Stadt wie Berlin bis dato wenig Optionen und kaum eine vernünftige Auswahl«, so der 38-Jährige.

Genau dieser Mangel brachte ihn auf einen ungewöhnlichen Plan. »Warum also nicht selbst ein Restaurant aufmachen und qualitativ hochwertige koschere Gerichte zu bezahlbaren Preisen anbieten?« So entstand die Idee für den in der Nähe des Prager Platzes in Berlin-Wilmersdorf an der Motzstraße gelegenen »Bobbe Speisesalon«.

LINSENSUPPE Denn die Gastronomie ist dem gebürtigen Jerusalemer keinesfalls in den Schoß gefallen. »Nach dem BWL-Studium war ich lange als Consultant tätig«, erzählt er. Anschließend ging er in die Catering-Branche, heute ist Ehrenberg Res­taurantbetreiber – ein gewagter Schritt. »Selbst wenn man viel Erfahrung mit sich bringt, ist Berlin kein einfaches Pflaster«, so seine Einschätzung.

Ende August 2018 war es dann so weit. Der »Bobbe Speisesalon« wurde eröffnet. Und musste bereits die ersten Hürden nehmen. »Denn weil wir nun einmal ein koscheres Restaurant sind, hatten wir schon im September gleich mehrere Wochen wegen der Hohen Feiertage geschlossen.« Trotzdem blieben die Gäste in der Zeit danach nicht aus – im Gegenteil. »Mit jedem Monat besuchten uns mehr und mehr Menschen«, sagt Ehrenberg. Offensichtlich funktioniert das Konzept.

OMA »Bobbe« ist das jiddische Wort für Oma – und das spiegelt sich auch in der Speisekarte wider. »Anfangs hatte ich eher an traditionelle Gerichte wie Eintöpfe, Kugel oder Tscholent gedacht«, sagt Ehrenberg. »Doch dann haben wir uns entschlossen, dass wir immer wieder etwas Neues anbieten und spontan bleiben wollen.« Alles sollte »im Fluss sein« und sich ständig weiterentwickeln.

Selbstverständlich gibt es auch Hummus in vier Varianten sowie Schakschuka im Angebot. Darüber hinaus lassen sich Klassiker der jüdischen Küche wie Eiersalat, Rote Bete und Linsensuppe finden. Oder aber etwas Ausgefalleneres wie Krautsalat mit einem jemenitischen Getreidemix.

Alles ist hausgemacht,
auch die Pommes und
die Zitronen-Aioli zum
knusprigen Schnitzel.

In der Küche und im Servicebereich arbeiten Israelis und Deutsche zusammen, was immer wieder zu neuen Kombinationen von Zutaten und Gerichten führt. Alles ist frisch und hausgemacht, sogar die Pommes und die Zitronen-Aioli, die zum knusprigen Schnitzel gereicht werden. »Und natürlich glatt koscher«, betont Ehrenberg.

Zertifiziert wurde das Restaurant von Rabbiner Yitshak Ehrenberg, Ariels Vater. »Die Inspiration dazu ging in vielerlei Hinsicht auch von ihm aus«, berichtet der Sohn. »Mein Vater hat mich sehr ermutigt, das Projekt ›Bobbe Speisesalon‹ umzusetzen.«

Überhaupt spielt die Familie eine große Rolle in dem Konzept. »Schließlich kümmert sich meine Frau um das gesamte Weinangebot.« Ehrenberg junior spricht von einem »neuen Standard« beim Thema Kaschrut, den er gerne mit seinem Res­taurant etablieren möchte.

Darunter versteht er die Kombination von traditionellen Speisen, der Einhaltung der Speisegesetze sowie einem Höchstmaß an Frische der verwendeten Produkte. »Aber vor allem soll alles mit einem gewissen Twist sein.« Denn koschere Küche stehe sehr zu Unrecht in dem Ruf, ohne größere Finesse daherzukommen. »Genau das will ich ändern.«

KUNDSCHAFT Außerdem ist koscheres Essen für ihn mehr als nur ein Alleinstellungsmerkmal, das den »Bobbe Speisesalon« von anderen Lokalen unterscheidet. »Für uns ist Kaschrut so etwas wie eine große Klammer. Sie bringt nichtjüdische Gäste, die einfach neugierig auf das Essen sind, mit Juden zusammen.«

Entsprechend gemischt erweist sich auch die Kundschaft. Die Nähe zur Synagoge in der Joachimsthaler Straße ist dabei von Vorteil. Auch schauen viele israe­lische Touristen vorbei, die traditionelle jüdische Gerichte suchen, oder solche, die ausschließlich koscher essen.

So wie der 25-jährige Dorel aus Yavne mit seinen drei Freunden, die in Berlin zu Besuch sind. »Auf der Suche nach einem Restaurant sind wir dank Google fündig geworden – und extra durch halb Berlin gefahren.«

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