Hamburg

Klein-Jerusalem an der Waterkant

Unter B wie Barmitzwa oder Budge findet sich ein Foto von Gesche M. Cordes. Foto: Gesche M. Cordes

Welche Namen und Geschichten sich hinter den schönen blau-weißen Straßenschildern Hamburgs verbergen, darüber können Bewohner und Touristen beim Schlendern durch die Hansestadt nachsinnen. Michael Studemund-Halévy hilft diesen Flaneuren dabei nun mit seinem jüngst erschienenen Buch Im jüdischen Hamburg. Ein Stadtführer von A bis Z ein Stück weiter.

eis Er nimmt die Leser mit auf eine über 400 Jahre alte Zeit- und Entdeckungsreise durch das einstige blühende jüdische Leben der Stadt und führt ihnen schmerzlich den Untergang vor Augen, erklärt Verstecktes, nicht mehr sichtbare Orte. Sanft und zurückhaltend verdeutlicht er, dass es in Hamburg zwar eine jüdische Schule, koscheres Eis und eine jüdische Szene gibt, die er »wunderbar findet«, aber nicht so enthusiastisch, wie Zeitungen und Rundfunk zu berichten wissen.

Mit seinem Buch will der Autor alle ansprechen, die sich »für die Geschichte Hamburgs und seiner Juden interessieren, aber besonders die neuen Mitglieder der Gemeinde, die aus der früheren Sowjetunion stammen.« Michael Studemund- Halévy, Linguist und Romanist, Mitarbeiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, hat einen Stadtführer geschrieben, »mit dem in der Hand man durch Hamburg spazieren gehen kann«, wie er sagt.

porträts Es ist ein Buch mit Einträgen zu Ereignissen, Personen, Straßenamen und Institutionen, wie ein Lexikon. Ausführlich beschrieben wird unter anderem die Neugründung der jüdischen Gemeinde in Hamburg und das Leben nach der Schoa. Die Texte ermöglichen dem Leser schnelle Informationen und einen sofortigen Einstieg in das Thema. Stimmungsvolle historische, noch nie zuvor veröffentlichte Dokumente und Fotos, aktuelle Bilder von Gesche M. Cordes und Jürgen Faust, sowie gezeichnete Porträts des Künstlers Otto Quirin ergänzen den Stadtführer eindrucksvoll und ziehen den Leser und Spaziergänger durch die Informationen und reiche Bebilderung in seinen Bann.

Auch die Rundgänge im »Klein-Jerusalem« am Grindel – einem Stadtviertel in dem vor der Schoa das jüdische Leben pulsierte – und in dem sich heute in der ehemaligen Talmud-Tora-Schule das jüdische Gemeindezentrum mit Schule und Kindergarten befinden, sind empfehlenswert. Zu Fuß geht es auch über die jüdischen Friedhöfe. Dem Friedhof Königstraße, der in der Diskussion um die Einstufung als Wertkulturerbe steht, widmet der Autor besondere Aufmerksamkeit. Denn der im 17. Jahrhundert angelegte Friedhof steht seit 1960 unter Denkmalschutz. Er gilt als eines der bedeutendsten Grabfelder der Welt und und wurde im 19. Jahrhundert geschlossen.

Der Stadtführer ist ein kleines Juwel: Glänzend und ungewöhnlich gestaltet, weist das Buch auch solchen Lesern unkompliziert den Weg durch das jüdische Hamburg, die nicht so viel über das jüdische Hamburg wissen.

Michael Studemund-Halévy: Im jüdischen Hamburg. Ein Stadtführer von A bis Z, Dölling und Galitz Verlag, 240 Seiten, 380 Abbildungen, 19,90 Euro

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