Kinderbetreuung

Kitas mit Wartelisten

Begehrt: ein Platz für die Kleinen in einer jüdischen Kita Foto: imago

In diesen Tagen beginnt das neue Kita-Jahr – doch für mehr als 100 Kinder wird der Anfang ihrer Kindergartenzeit in einer jüdischen Einrichtung nach hinten verschoben. Obwohl es mehr als doppelt so viele Plätze gibt wie vor 15 Jahren, reicht das Angebot nicht.

»Entweder wird der Nachwuchs in einer nichtjüdischen Kita untergebracht, die Elternzeit verlängert oder eine Tagesmutter gesucht«, vermutet Annette Lentz vom Kindergarten Gan Israel, dessen Träger Chabad Lubawitsch ist. Chabad selbst hat erst jüngst eine Zweigstelle in der Münsterschen Straße für 24 Ein- bis Dreijährige eröffnet, schon jetzt aber gebe es eine Warteliste, so Lentz.

Im Hauptgebäude des Chabad-Kindergartens am Spandauer Damm toben und lernen derzeit 58 Kinder. »Die Nachfrage ist so groß, dass wir wieder nach Räumen suchen«, erklärt Lentz. Sie vermutet, dass das Interesse an jüdischen Kitas deshalb stetig wächst, weil mehr Familien als früher Wert auf Jüdischkeit legen und viele Israelis nach Berlin ziehen. Die Einrichtung am Spandauer Damm stehe Familien aller jüdischen Strömungen offen, betont Lenz. Großen Wert legt sie darauf, dass die Anzahl der Erzieher in einem guten Verhältnis zur Anzahl der Kinder steht: »Wir wollen auf jeden eingehen.«

Nachfrage Vor 15 Jahren gab es mit der Gemeinde-Kita in der Delbrückstraße nur einen einzigen jüdischen Kindergarten in Berlin. Momentan stehen bei dieser Einrichtung 90 Kinder auf der Warteliste. »Die Liste für die Mitglieder umfasst mehr als 60 Anmeldungen, die anderen 30 Interessenten sind keine Gemeindemitglieder«, sagt Leiterin Marina Parhomovski.

Für insgesamt 152 Kinder hat die Kita eine Betriebserlaubnis. 25 Pädagogen lernen und spielen mit den Kindern in altershomogenen Gruppen. Zwei Sprachförderlehrer sind ebenfalls im Einsatz. Zudem gibt es Musik- und Sportprojekte sowie Hebräischunterricht. Demnächst soll auch Yoga für die Kinder angeboten werden.

Leiterin Parhomovski wird im Moment oft gefragt, ob sie noch eine Zweigstelle aufmachen werde. Das könnte bald der Fall sein, denn die von einem Elternverein getragene Sonnenblumenkita, die bisher Räume in der Heinz-Galinski-Schule gemietet hatte, ist mit ihren 36 Kindern und acht Pädagogen ausgezogen. »Wir sind darüber nicht informiert worden und standen mit unseren Kindern vor der Tür«, sagt Serge Tscherniak, Vater einer Fünfjährigen.

Suche Einige Wochen kam die Kita noch in der Gehörlosenschule Waldschulallee unter. Doch die Pläne für das geplante neue Domizil in der Forckenbeckstraße scheint endgültig zu den Akten gelegt worden zu sein. Die Erzieher sind nun arbeitslos, die Kita-Gutscheine für die Familien müssen teilweise neu beantragt werden. Deshalb beginnt nun die Suche nach einer neuen Kita. Für Serge Tscherniak und seine Tochter ist es doppelt bitter: Die Israelis sind zwar jüdisch, aber keine Gemeindemitglieder. So kann die Tochter nicht die Gemeinde-Kita besuchen. Jetzt steht Tscherniaks Tochter bei Masorti und Chabad auf der Warteliste.

Auch beim Lauder Nitzan Kindergarten in der Brunnenstraße und bei Masorti in Charlottenburg werden die Listen immer länger. Bei Masorti sind 40 Namen notiert, dabei würde Kita-Leiterin Rachel Herweg gerne jeder Familie einen Platz anbieten, wie sie erklärt. Ihre Einrichtung hat das Angebot erst vor zwei Jahren auf 75 Plätze vergrößert. Derzeit gibt es fünf altersgemischte Gruppen, deren Schwerpunkt entweder Deutsch und Englisch oder Deutsch und Hebräisch ist. Herweg erklärt, dass sie Interesse hätte, eine Einrichtung in Neukölln oder Prenzlauer Berg aufzumachen. Im Anschluss an eine erste Suche nach Räumen musste sie aber feststellen, dass die Mieten zu hoch seien.

Der Lauder Nitzan Kindergarten hatte 2006 mit Plätzen für sechs Kinder angefangen. Nun besuchen 64 Kinder die Einrichtung in der Brunnenstraße. Viele jüdische Familien seien nach Prenzlauer Berg gezogen, weshalb die Nachfrage stetig wachse, erläutert Kita-Mitarbeiterin Olga Orlowski den großen Bedarf nach jüdischen Kitas. Die Einrichtung möchte darauf reagieren und überlegt derzeit, eine Zweigstelle für die jüngeren Kleinkinder zu eröffnen. Schwerpunkte sollen jüdische Erziehung und Tradition sein. »Da viele Kinder nicht mit Deutsch als Muttersprache groß wurden, steht die sprachliche Förderung immer mehr im Mittelpunkt.«

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