Darmstadt

Kaufrausch mit Sinn

Wenn die Women International Zionist Organization (WIZO) alljährlich im Zentrum der Jüdischen Gemeinde Darmstadt ihren Basar veranstaltet, geht es nicht nur ums Verkaufen und Schnäppchenjagen. Stattdessen bot die Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft von Simone Graumann, Vizepräsidentin der WIZO Deutschland, und Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) stand, im jüdischen Gemeindezentrum neben den vielen Verkaufsständen auch ein attraktives Rahmenprogramm.

Der Chor der Darmstädter Gemeinde trat auf, es gab eine muntere Modenschau, und unter der Leitung der bekannten Klarinettistin Irith Gabriely konzertierte die Musikschule Bad Nauheim. Interessierte konnten zudem an einer Synagogenführung teilnehmen. Und das Gemeindezentrum wurde erneut zum gemütlichen Treffpunkt – auch für Gäste, die aus anderen Städten eigens nach Darmstadt gekommen waren.

Kaufrausch Das von Simone Graumann und Moritz Neumann, Vorstand der Jüdischen Gemeinde Darmstadt, ausgegebene Motto für den Basar lautete »Shop ‹til you drop« – oder wie Graumann die Basar-Gäste aufforderte: »Verfallen Sie einem Kaufrausch! Essen und trinken Sie, so viel Sie können!« Schließlich diene der Konsum dem guten Zweck. Der Basar fand zugunsten des »Zentrums für gefährdete Mädchen in Eilat« statt.

Im Jahr 2009 gegründet, werden dort rund 110 Mädchen und junge Frauen im Alter von 13 bis 25 Jahren betreut. Und zwar neben jüdischen auch muslimische und christliche Frauen. Die Schützlinge des Zentrums sind unter anderem ungewollt Schwangere und Selbstmordgefährdete und sogar Opfer von Misshandlungen. Ziel des Zentrums ist, die Mädchen von der Straße zu holen und ihnen einen Unterschlupf zu bieten, der ihnen Tag und Nacht offen steht.

Selbstbewusstsein Für Aviva Steinitz, Vorsitzende der WIZO-Gruppe Darmstadt, gleichen »diese Mädchen einem Adler, der bei Hühnern aufwächst und deshalb glaubt, er könne nicht fliegen«. Aber sie sei fest davon überzeugt, dass alle diese Mädchen ihre persönlichen Stärken finden und entfalten können. »Aber dafür müssen wir sie von der Straße retten und ihnen beim Start in ihre Zukunft helfen!«, wirbt Steinitz enthusiastisch für das von der WIZO Darmstadt geförderte Projekt.

Mit welchem Einsatz und mit welcher Energie die Darmstädter WIZO-Damen »ihr« Projekt unterstützen, lobten alle Redner. Graumann zitierte ihren Mann, den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der die WIZO-Damen einen »Feuersturm aus Leidenschaft und Temperament« genannt und damit – wie die WIZO-Vizepräsidentin augenzwinkernd meinte – »ausnahmsweise mal recht« habe.

Auch Partsch und Neumann lobten die Arbeit der Damen, die für die Ausrichtung des Basars – aber auch für die WIZO-Arbeit generell – viel von ihrer Freizeit opferten. Allerdings sei die Solidarität mit Israel dieser Tage auch nötiger denn je. Und Graumann betonte, wie wichtig es sei, dass die WIZO »ihre« Einrichtungen kontinuierlich fördere: »Das Zentrum verlässt sich auf unsere Hilfe. Und es muss sich darauf verlassen. Denn wir sind in Israel dort, wo der Staat nicht ist.«

Erfolg Am vergangenen Sonntag kam – auch wenn der Erlös noch nicht endgültig beziffert ist – wieder eine bedeutende Summe für das Zentrum in Eilat zusammen. Schließlich war das Geldausgeben ein Leichtes: Viele Helferinnen hatten lange am Herd und Backofen gestanden, um ihre Köstlichkeiten verkaufen zu können.

Eine Tombola führte die Glücksspielfreunde in Versuchung, und es gab Bücher, Judaica, Schmuck sowie nach israelischem Patent gefertigte Holzteppiche zu kaufen. Und das alles in einer entspannten Atmosphäre, der auch Moritz Neumann so zugetan war, dass er den Basar-Tag gegen eine Zentralratssitzung eintauschte. Ganz im Vertrauen darauf, dass »Herr Graumann Verständnis dafür aufbringt, wenn man die Arbeit der WIZO höher ansiedelt als politische Debatten«. Zumal diese auch beim Basar geführt wurden. Schließlich sind die WIZO-Damen keine Kaffeekränzchen-Tanten.

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