Konzert

Jung, begabt, musikalisch

Seite an Seite: Sieben Künstler beweisen beim Konzert unter dem Motto »Anatevka trifft Gershwin, Mahler und Freunde«, was in ihnen steckt. Foto: Marina Maisel

Die musikalische Welt jüdischer Kantoren beschränkt sich keineswegs nur auf liturgische Gesänge. Das herauszustellen, war Anliegen nicht nur verschiedener international renommierter Solisten, sondern auch von Karel Lorenc. Deshalb hat er das diesjährige Konzert der »IreneLorencFoundation« unter das Motto »Anatevka trifft Gershwin, Mahler und Freunde« gestellt.

Gemeinsam mit der IKG und Rabbiner Arie Folger fand das Kantorenkonzert zum zweiten Mal im Hubert-Burda-Saal des Gemeindezentrums statt. Mit der Stiftung will die Familie von Irene Lorenc sel. A. an eine Frau erinnern, für die das Judentum essenzieller Bestandteil ihres Lebens und ihres Wirkens war. Als einziges Kind von Holocaust-Überlebenden flüchtete sie mit ihrer Familie im Jahre 1979 aus der ehemaligen Tschechoslowakei vor den dortigen politisch und religiös motivierten Verfolgungen.

vorbild Ihr Ziel, jüdische Kultur zu erhalten und zu stärken, will ihre Familie mit der nach ihr benannten Stiftung fortführen. »Wir wollen junge jüdische Künstler und Musiker unterstützen«, betont der Mann der 2010 Verstorbenen. »Ihr einmaliges Engagement in allen Bereichen des Lebens wollen wir damit wachhalten und an ihre Vorbildfunktion erinnern, die sie nicht zuletzt durch ihre selbstbewusst jüdische Identität auch an unsere Kinder weitergegeben hat.«

Dass auch die weltliche Musik einen wichtigen Raum im Leben einnimmt, betonte Gemeinderabbiner Arie Folger in seinem Grußwort. Dass dabei der Weg von weltlich zu liturgisch gerade in der jüdischen Kultur gar nicht so weit ist, bestätigte am Ende das als Zugabe gesungene Adon Olam, das die Besucher mit ebenso großer Begeisterung aufnahmen wie die klassischen Werke der weltberühmten Komponisten. David Rees, der Leiter des Münchner Synagogenchors »Shma Kaulenu« erläuterte den Besuchern Leben und Bedeutung der Komponisten, aber auch der einzelnen Sänger.

Sein Resumée anschließend: »Der ›IreneLorencFoundation‹ ist es zum wiederholten Mal gelungen, begabte junge Künstler, darunter erstklassige junge Solisten, auf einer Bühne zu vereinen. Doch mehr als das: Zusammen mit der IKG hat sie dazu beigetragen, München zu einem Anziehungspunkt für jüdisches Talent zu machen. Ich freue mich besonders, auch im Synagogenchor mit vielen dieser Solisten zusammenarbeiten zu können.«

Knabensopran Die Münchner Gemeinde vertrat in diesem Reigen Moshe Fishel. Das Talent mit hervorragender Stimme stammt aus Haifa und absolvierte seine Kantorenausbildung bei Naftali Hershtik in Tel Aviv sowie bei Elli Jaffe in Ramat Gan. Seine Erfahrung als Kantor in zahlreichen Synagogen nicht nur in Israel ist immer wieder zu erleben.

Fishel ist heute Kantor der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Begleitet am Klavier von Yoed Sorek trug er das vielbejubelte Lied »Barcelona« vor. Der Sänger aus Jerusalem, der bereits als Kind als Knabensopran mit den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado aufgetreten war, studierte neben Gesang auch Klavier. Im Bereich der jüdischen Musik arbeitet er seit vielen Jahren in Israel, Europa und den USA.

Sorek lebt und arbeitet heute in München. Sorek stellte aber auch seine Gesangskunst unter Beweis, einmal mit dem allen vertrauten Lied von Tewje, dem Milchmann aus Anatevka, »Wenn ich einmal reich wär«. Er überzeugte aber auch mit Mahler-Kompositionen wie dem Lied »Wer hat dies Liedlein erdacht?« in der Bearbeitung von Jacob Kellermann.

Viele Besucher waren hingerissen auch von Amnon Seelig, der an der Jerusalem Academy of Music and Dance sowie der Musikhochschule Karlsruhe Gesang und Musiktheorie studiert hat. Heute lebt er vorwiegend in Berlin.

Mit zwei jemenitischen Liedern führte er die Zuhörer in eine Welt, die für viele von ihnen Neuland war. Instrumental überzeugte Lior Uleviche gleich dreimal an diesem Abend: Bei seinem Klezmer­Medley mit Trompeten-Solo begleitete ihn die Pianistin Luisa Pertovska und der Violonist Vladimir Gaba.

Heiteres bot er mit der Leonard-Bernstein-Melodie »I Can Cook Too«. Schließlich zeigte er seine Virtuosität an der Trompete mit »Prelude 3« von George Gershwin. Uleviche, der ebenfalls in München lebt, hat sein Können bereits im israelischen Fernsehen unter Beweis gestellt. Klassische Trompete hat der gebürtige Je-
rusalemer Musiker am Konservatorium in Amsterdam studiert.

Wettbewerb Mit dabei an diesem Abend war auch das Duo KeMi mit dem Gitarristen Jacob Kellermann und dem Violinisten Daniel Migdal, ein Kammermusikensemble aus Schweden. Migdal ist einer der vielseitigsten jungen Violinisten Schwedens.

Als Solist spielte er bereits mit einer Reihe von Synfonieorchestern und wird 2012/13 sein Debüt mit dem Royal Philharmonic Orchestra in Stockholm sowie dem Swedish Radio Symphony Orchestra geben.

Kellermann hat 2010 den Internationalen Wettbewerb für Kammermusik mit Gitarre in Aschaffenburg gewonnen. Die Münchner haben auch in diesem Jahr Gelegenheit, den begabten Musiker in ihrer Stadt zu erleben: Er wird in einer Produktion von Manuel de Fallas Oper La Vida Breve am Münchner Prinzregententheater mitwirken.

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020

Dortmund

Jüdische Grundschule geplant

Stadtverwaltung hat Projekt bereits gebilligt – schon kommendes Jahr könnte Einrichtung für 180 Kinder öffnen

von Michael Thaidigsmann  22.04.2020

Deutschland

Mit Schutzmaske zum Gebet

Um bald wieder Gottesdienste zu ermöglichen, hat der Zentralrat der Juden nun Empfehlungen zur Hygiene in Synagogen herausgegeben

von Michael Thaidigsmann  22.04.2020

Erfurt

Digitales Gedenken

Vor 20 Jahren verübten Neonazis einen Brandanschlag auf die Synagoge

 21.04.2020 Aktualisiert

Frankfurt

Pessach-Menü frei Haus

Das koschere Restaurant »Sohar’s« beliefert Gemeindemitglieder

von Eugen El  07.04.2020

Kompakt

Wiederwahl, Festjahr, Geschäftsführerin

Meldungen aus den Gemeinden

 02.04.2020