Interview

»Jüdisches Leben entwickeln«

Josef Schuster Foto: Gregor Zielke

Herr Schuster, am Montag fand zum ersten Mal nach der Schoa in Würzburg eine Rabbinerordination statt. Was bedeutet das für die Stadt und die jüdische Gemeinde?
Für uns wurde damit ein Traum wahr, den vor 25 Jahren niemand zu träumen gewagt hat. Auch noch, als wir 2006 das neue Gemeindezentrum eingeweiht haben, dachten wir an vieles, was hier einmal stattfinden könnte, aber bestimmt nicht an eine Rabbinerordination. Nun wurde sie Realität. Das ist nicht nur für mich, sondern für die gesamte Gemeinde ein ganz besonderer Moment gewesen.

Hat die Rabbinerordination über Würzburg und die Gemeinde hinaus auch überregionale Bedeutung?
Selbstverständlich, denn hier zeigt sich die Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland. Unser Gemeindezentrum nennt sich »Shalom Europa«, es macht sichtbar, dass jüdisches Leben wieder ein fester Bestandteil der Region und der Stadt ist. Es wirkt mit seinen Gästen aus ganz Deutschland und Europa aber auch weit darüber hinaus. Und das wurde mit der Ordinationsfeier an diesem Montag nochmals deutlich.

Die Rabbiner nehmen nun ihre Tätigkeiten in den jüdischen Gemeinden von Bonn und Chemnitz auf. Wie bewerten Sie es, dass die beiden schon feste Anstellungen hatten, noch bevor Sie offiziell ihre Smicha erhielten?
Das ist der Idealfall. Und andere Gemeinden warten schon sehnsüchtig darauf, dass weitere Rabbiner ordiniert werden. Das zeigt, welcher Bedarf an rabbinischen Persönlichkeiten in Deutschland weiterhin besteht. Synagogen sind der Mittelpunkt einer Gemeinde. Und die Synagogen sollten nicht nur mit Gläubigen, sondern eben auch mit geistigen Führungspersönlichkeiten besetzt sein.

Sie haben die Ordination nicht nur als Gemeindevorsitzender, Landesverbandspräsident oder Zentralratsvizepräsident erlebt, sondern nun auch als Kandidat für das höchste Amt des Zentralrats. Was hat Sie dazu bewogen, die Kandidatur für die Präsidentschaft zu erklären?
Als Vizepräsident habe ich in den vergangenen Jahren in der Zusammenarbeit mit dem bisherigen Präsidenten Dieter Graumann erleben können, welch positive Entwicklung der Zentralrat genommen hat. Der Zentralrat ist personell erweitert worden, er ist heute ein jüdisches Kompetenzzentrum. Dieter Graumann hat immer auf die Zukunftsperspektive der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland Wert gelegt, und seine und meine Einstellung sind nicht nur in dieser Frage sehr ähnlich. Mir ist persönlich daran gelegen, dass seine sehr erfolgreiche Arbeit in diesem Sinne weitergeführt wird. Und da wir in den Gedanken und Meinungen, die wir zur jüdischen Arbeit in Deutschland haben, fast immer übereinstimmen, habe ich mich nun dazu entschlossen, für das Amt zu kandidieren. Ich möchte mitwirken, diese sehr positive Entwicklung des jüdischen Gemeindelebens in Deutschland weiterzuführen.

Mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

Boris Schulman

Dieses Jahr ist Jom Haschoa anders

Zum Tag des Gedenkens an die Schoah reflektiert unser Autor die Bedeutung des Heimatbegriffs in Bezug auf Deutschland und Israel

von Boris Schulman  07.05.2024

Oldenburg

Brandanschlag auf Synagoge: Erste Hinweise auf Tatverdächtigen

Für Hinweise, die zur Tataufklärung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt

 06.05.2024

Berlin

Zeichen der Solidarität

Jüdische Gemeinde zu Berlin ist Gastgeber für eine Gruppe israelischer Kinder

 15.04.2024

Berlin

Koscher Foodfestival bei Chabad

»Gerade jetzt ist es wichtig, das kulturelle Miteinander zu stärken«, betont Rabbiner Yehuda Teichtal

 07.04.2024

Hannover

Tränen des Glücks

Auf der Damentoilette gibt es eine Schminkorgie, während Backstage auch mal die Gefühle durchgehen. Aber »je näher der Abend, desto geringer die Aufregung«

von Sophie Albers Ben Chamo  31.03.2024

Hannover

»Alle sollen uns hören und sehen!«

Tag zwei der Jewrovision beweist, dass immer noch mehr Energie möglich ist. Nach Workshops und Super-Hawdala geht es zur Kirmes und auf die Zielgerade zur Generalprobe am Sonntagvormittag

von Sophie Albers Ben Chamo  30.03.2024

Jewrovision

Perfekter Auftritt

Der Countdown zur 21. Jewrovision läuft. Rund 1300 Teilnehmer und Gäste aus den deutschen Gemeinden purzeln in Hannover aus den Bussen und bereiten sich auf das große Finale am Sonntag vor: Time to Shine!

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2024

Hannover

Tipps von Jewrovision-Juror Mike Singer

Der 24-jährige Rapper und Sänger wurde selbst in einer Castingshow für Kinder bekannt

 26.03.2024

Berlin

Purim für Geflüchtete

Rabbiner Teichtal: »Jetzt ist es wichtiger denn je, den Geflüchteten die Freude am Feiertag zu bringen«

 21.03.2024