Buchbesprechung

Jüdische Spuren in Köln

Eine kolorierte Ansicht der großen Synagoge Roonstraße und ein Schwarz-Weiß-Porträt der kleinen Geschwister Fink aus den 30er-Jahren – das Cover des Buches Das jüdische Köln verrät bereits, was der Autorin am Herzen liegt: Sie möchte die Orte jüdischen Lebens in der Domstadt vorstellen und gleichzeitig die Geschichten ihrer jüdischen Bewohner erzählen.

Der soeben erschienene Stadtführer von Barbara Becker-Jákli, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kölner NS-Dokumentationszentrum, meistert die Herausforderung, 1.700 Jahre jüdische Geschichte in Köln fundiert und unterhaltsam vorzustellen. Und trotz seiner knapp 400 Seiten eignet er sich als Begleiter bei Spaziergängen. Der Band gliedert sich in sechs Rundgänge.

Touren Vier der Touren führen durch die Innenstadt, zwei durch die heutigen Stadtteile Ehrenfeld und Deutz. Die erste Tour etwa führt vom Rathaus, wo sich im Mittelalter das jüdische Viertel befand, bis zum Dom und erzählt von den Kölner Juden in Antike und Mittelalter.

Der Rundgang durch das rechtsrheinische Deutz dagegen beleuchtet einen weniger bekannten Teil der kölnisch-jüdischen Geschichte. Als die Reichsstadt Köln ihre jüdischen Bewohner 1424 vertrieb, siedelten einige von ihnen auf der anderen Rheinseite in dem kleinen Nachbarort Deutz. Eine jüdische Gemeinde ist dort seit etwa 1500 belegt. Der Rundgang führt zu Plätzen, wo einst Synagogen standen und zu Orten, wo Mitglieder der jüdischen Gemeinde lebten. Insgesamt hat sich wenig von der kleinen Deutzer Gemeinde erhalten. Ein Toravorhang aus dunkelrotem Samt oder ein grünseidener Toramantel zeugen vom bescheidenen Wohlstand der Gemeinde.

Wiederansiedlung Die Innenstadt-Tour »Von der Glockengasse bis zum Appellhofplatz« stellt die Zeit der Wiederansiedlung im Gefolge der Französischen Revolution in den Mittelpunkt und berichtet von wohlhabenden jüdischen Händlern und Geschäftsleuten. Eine weitere Tour erkundet das Viertel der kleinen Leute, der Handwerker und Händler. Die größte Herausforderung für die Autorin war: Dem Leser das Nicht-Sichtbare vor Augen zu führen, das, was durch die nationalsozialistische Verfolgung ausgelöscht oder im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Autorin gelingt es, diese Leerstellen zu füllen, ohne sie zu verdecken.

Auf Basis von Zeitzeugenberichten und -erinnerungen kann Becker-Jákli viele Geschichten von einzelnen Persönlichkeiten, von Familien, Gebäuden oder Geschäften erzählen. »Das Buch verdankt sich im Wesentlichen den vertriebenen jüdischen Kölnern«, resümiert die Autorin. Diesen hat sie auch Bilder zu verdanken.

Rund 800 Abbildungen, in jahrelanger Recherchearbeit zusammengetragen, illustrieren den Band: Familienfotos, kolorierte Postkarten, Zeitungsausschnitte, Reklamemarken, Ritualgegenstände und Fotos aus dem heutigen jüdischen Leben Kölns. Denn den Bogen zur Gegenwart zu schlagen, ist Becker-Jákli wichtig. So skizziert sie die Forschungsdebatte zur möglichen Existenz einer antiken Synagoge, berichtet von Museen und Archiven. Konsequent ist es da nur, dass der Leser im Anhang einen Überblick findet über »Jüdische Einrichtungen und Einrichtungen zu jüdischer Thematik«.

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