Frankfurt/Main

»Jeder soll nach seiner Fasson jüdisch sein«

Bei der Festveranstaltung: Elisa Klapheck, Oberbürgermeister Peter Feldmann, Susanna Keval, Tania Klaczko (v.l.) Foto: Rafael Herlich

Der Egalitäre Minjan der Jüdischen Gemeinde Frankfurt hat am Sonntagabend sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Bei den Festreden im Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum stand dabei das »Frankfurter Modell« im Vordergrund. Vielfach wurde die Bedeutung der Einheitsgemeinde der Stadt für das jüdische Leben in Deutschland von den Festrednern hervorgehoben – und Ignatz Bubis gewürdigt, der Gemeindevorsitzender war, als der Egalitäre Minjan 1994 gegründet wurde.

Oft habe das Wort »Einheitsgemeinde« in der Vergangenheit als »Feigenblatt« gedient, obwohl doch eine partikulare Richtung vertreten und die je andere nur toleriert wurde, sagte Henry Brandt, Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, in seiner Rede. Deshalb sei das Frankfurter Modell »ein großer Schritt vorwärts« gewesen.

Erstaunen Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) berichtete in seiner Rede von Diskussionen im Gemeinderat, als der Egalitäre Minjan gegründet wurde. Bubis habe damals durchaus für Erstaunen gesorgt, als er gesagt habe, »es könnte doch eine, zwei, drei Strömungen in der Gemeinde geben. Jeder soll nach seiner Fasson jüdisch sein«.

Barbara Traub, Mitglied des Präsidiums des Zentralrats der Juden, hob hervor, dass die Gründung des Egalitären Minjans viel mit der Auseinandersetzung um die Rolle der Frauen in der religiösen Praxis zu tun gehabt habe. Das Frankfurter Modell habe später auch die Gründer der liberalen Gruppe in Stuttgart inspiriert.

In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Intoleranz »müssen wir als jüdische Gemeinden Toleranz leben«, sagte Marc Grünbaum, Mitglied des Vorstands der Frankfurter Gemeinde. Die Gemeinde sei stolz auf das 20-jährige Jubiläum.

bereicherung Susanna Keval, die an der Gründung beteiligt war, fügte an, dass es gelungen sei, das religiöse Leben in Deutschland zu bereichern und auszudifferenzieren. Auch sie hob die Bedeutung der Diskussion um die Rolle der Frau hervor.

Elisa Klapheck, Rabbinerin des Egalitären Minjans, äußerte sich durchaus stolz über das Frankfurter Modell. Sie wünschte all jenen, »die sich für die Zukunft eines pluralistischen Judentums engagieren, dass sie mit einem langen Atem gesegnet sind«.

Einen ausführlichen Bericht über die Jubiläumsveranstaltung lesen Sie in unserer Ausgabe am Donnerstag.

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