Dresden

Interreligiöser Gottesdienst

Oberbürgermeister Dirk Hilbert vor dem Gemeindehaus Foto: Wolfram Nagel

Es ist ein besonderer Schabbat-Gottesdienst, der an diesem Samstag in der Dresdner Synagoge stattfindet. Denn nachdem Rabbiner Alexander Nachama aus der Tora gelesen und gepredigt hat, zusammen mit dem evangelischen Theologen Holger Treutmann, machen sich Beter und Besucher auf zur Mahnwache an der Frauenkirche und zu der Kundgebung gegen Pegida auf dem Theaterplatz.

Die Synagoge als Ausgangsort für die Gegenveranstaltungen zum europaweiten Aktionstag des Pegida-Bündnisses am 6. Februar hätte passender nicht gewählt sein können.

selbstverständnis Denn während in Dresden und anderswo die Rechtspopulisten zum »europäischen Schulterschluss gegen islamische Einwanderung« aufrufen und Neonazis Parolen wie »Macht die Grenzen dicht« skandieren, legt Rabbiner Nachama den Wochenabschnitt Mischpatim aus – dessen Textstellen zum Umgang mit Fremden für ethisch-soziales Selbstverständnis stehen, im Judentum ebenso wie im Christentum und im Islam.

»Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken; ihr wisst ja, wie einem Fremdling zumute ist; denn Fremdlinge wart ihr im Lande Ägypten.« Auch Treutmann griff diese Verse aus der Parascha auf. »Alle wissen, was sich da ein paar Hundert Meter weiter zusammenbraut – ein Zündeln mit Worten«, sagt der evangelische Pfarrer, ein »Feuer, das auf radikalisierte Menschen« überspringe, »die jede Achtung vor Leib und Leben fremder Menschen verloren haben und tatsächlich das tun, was schreckliche Ereignisse wachruft – gerade hier in der Synagoge.«

ängste Bevor die Beter und ihre Gäste zur Mahnwache vor der Frauenkirche gehen, stattet Oberbürgermeister Dirk Hilbert der Synagoge einen Besuch ab. Er zeigt Verständnis für die Ängste der Bevölkerung, lehnt aber rechtspopulistische Demagogie und Hetze klar ab.

Auch in der jüdischen Gemeinde geht die Angst um, besonders unter den russischsprachigen Mitgliedern. Sie hat zugenommen, seitdem am Friedhof Fiedlerstraße eine Flüchtlingsunterkunft gebaut wird – genau mit Blick auf die alte Synagoge.

Doch an diesem Tag macht sich eine andere Furcht breit: Neonazis könnten sich auf dem Weg vom Königsufer zur Altstadt die neue Synagoge am Hasenberg als Ziel aussuchen.

Insgesamt verläuft der Tag jedoch ruhig – bis gegen 19.40 Uhr ein Live-Ticker berichtet, eine Gruppe von sechs augenscheinlichen Rechtsextremisten sei unterwegs. Man habe die Männer dabei beobachtet, wie sie ein Transparent abgeschnitten hätten. »Danach sah man sie an der Synagoge, wo einer von ihnen an die Fassade pinkelte«, heißt es im Live-Ticker. Ein Foto im Netz bestätigt später den Vorfall.

 

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