Pforzheim

In Erinnerung an Eran

Ein Scheck für Keren Hayesod: (v.l.) Udi Lehavi, Doron Almog, Dorothea Treut-Amar von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, Didi Almog, Orna Suliman und Gemeindevorsitzender Rami Suliman Foto: Vadim Mikhailov

Es sollte nicht nur eine Feier sein, es sollte auch Sinn ergeben«, sagte Rami Suliman. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pforzheim warb gemeinsam mit der Hilfsorganisation Keren Hayesod um Spenden zugunsten des Aleh‐Kinderdorfs Negev in Ofakim. Aleh hilft seit 1982 Kindern mit schweren psychischen und kognitiven Erkrankungen, in Israel medizinisch versorgt zu werden.

»Ich war vor vier Jahren das erste Mal bei Aleh‐Negev, um mir dieses wunderbare Projekt anzusehen, und es hat mich zutiefst inspiriert. Ich dachte, ich muss unbedingt etwas dafür tun«, sagte Suliman. So kam es dazu, dass er auf Udi Lehavi von Keren Hayesod Süddeutschland zuging. Dabei entstand die Idee der Benefiz‐Gala, bei der man auch das 70. Jubiläum des Staates Israel nochmals begehen wolte und die am vergangenen Wochenende in Pforzheim stattfand.

Herzensangelegenheit Für Lehavi war der Abend eine Herzensangelegenheit. »Jeder von uns kann etwas machen. Es gibt noch viel zu tun. Ich bin hier die Stimme der Kinder, ihr Botschafter, und möchte ihnen so etwas zurückgeben«, sagte der Keren‐Hayesod‐Repräsentant.

Unter den Festgästen war
auch die mehrfache Goldmedaillen‐Gewinnerin im Bobsport und Rodeln,
Susi Erdmann

Der Mitbegründer des Rehabilitationsdorfes, der ehemalige Generalmajor Doron Almog, reiste aus Israel an, um sein Projekt zu präsentieren, das er nach seinem verstorbenen Sohn Eran benannt hat. Zu den mehr als 220 geladenen Gästen gehörten bekannte Persönlichkeiten wie der ehemalige Spieler des FC Bayern München, Franz Roth, die mehrfache Goldmedaillen‐Gewinnerin im Bobsport und Rodeln, Susi Erdmann, und Politiker wie der CDU‐Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum oder der baden‐württembergische Ex‐FDP‐Fraktionschef Hans‐Ulrich Rülke. Dass rund die Hälfte der Spender Nichtjuden waren, beweist die starke Bindung zwischen Israel und Deutschland.

AUSSTELLUNG Zu Beginn bestaunten die Gäste die Ausstellung 1948 des Vereins für Demokratie und Information. Mehrere Aufsteller zeigten im Foyer des Pforzheimer Congress‐Centrums die Chroniken des jüdischen Staates.

Mit einer kurzen Dankesrede an die Gäste stimmten Gastgeber und Organisator Rami Suliman und Udi Lehavi die Gäste auf das Chanukkafest ein. Beide entzündeten je ein Licht der Chanukkia. Ihnen folgte Landesrabbiner Moshe Flomenmann, der Pforzheimer Oberbürgermeister Peter Boch, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Mark Dainow, und der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum.

Israels Botschafter in Berlin, Jeremy Is­sacharoff, meldete sich per Videobotschaft zu Wort. »Doron Almog ist als Soldat ein Held gewesen, und er ist es jetzt, wenn man sieht, was er aufgebaut hat«, sagte Issacharoff. Alle Redner des Abends sprachen ihren Respekt gegenüber Doron Almog aus und bekräftigten die deutsch‐israelischen Beziehungen.

RECHTSRUCK Mark Dainow warnte vor einem Rechtsruck in Deutschland. »Der Antisemitismus wächst, und das dürfen wir nicht zulassen«, sagte er und fügte hinzu: »Wir werden uns nicht unterkriegen lassen und unser Judentum weiterhin selbstbewusst leben.«

Dann kam der Mann auf die Bühne, auf den alle gewartet hatten: Doron Almog entzündete das vorletzte Chanukkalicht und wandte sich mit einem klaren Statement an die Gäste: »Eine Gesellschaft misst sich nicht daran, wie stark sie ist, sondern daran, was sie für die Schwächsten tut.«

Almogs Geschichte ist bewegend. Vor einigen Jahren verblutete sein Bruder Eran infolge einer Verletzung, die er in einer Kampfhandlung erlitten hatte. Es stellte sich heraus, dass er hätte überleben können, wenn er ärztlich versorgt worden wäre. Almog, der an vielen militärischen Operationen teilgenommen hat, konnte nicht verstehen, weshalb sein Bruder zurückgelassen wurde. Deshalb schwor er sich, niemanden mehr zurückzulassen, egal wie schwach er ist. Dieser Umstand prägt das Leben des Generalmajors bis heute.

Durch seinen behinderten Sohn
hat Almog gelernt zu geben,
ohne etwas zurückzubekommen.

Als sein schwerbehinderter Sohn zur Welt kam, nannte er ihn nach seinem Bruder Eran. »Er war mein größter Lehrer. Durch ihn habe ich gelernt, zu geben, ohne etwas zurückzubekommen«, sagte Almog. Sein Sohn war Anlass, im Jahr 2003 das Aleh‐Zentrum Negev in Ofakim für schwerbehinderte Kinder zu errichten. Auch weil die medizinische Versorgung im Land sehr schwierig ist und einzelne Einrichtungen oft nicht den Standards von Aleh‐Einrichtungen entsprechen. Almogs Sohn starb nach einem Jahr in dem Kinderdorf. Heute betreut die Organisation mehr als 650 Kinder und junge Erwachsene in Bnei Brak, Jerusalem, Gedera und Ofakim.

BAYERN‐MÜNCHEN‐TRIKOT Die Gäste der Spendengala trugen an diesem Abend in Pforzheim ihren Teil dazu bei, diese Kinder zu unterstützen. Etwa mit dem Erlös aus einer Tombola oder der Versteigerung eines Bayern‐München‐Trikots, das Franz Roth samt Spielerunterschriften mitgebracht hatte. Allein das Shirt brachte 1000 Euro ein. Insgesamt kamen an diesem Abend 46.555 Euro für Aleh Negev‐Nahalat Eran zusammen. »Das hat meine Vorstellungen weit übertroffen. Das ist sehr viel Geld, was mich mit Freude erfüllt«, sagte Suliman und bedankte sich besonders bei seiner Frau Orna und Dorothea Treut‐Amar von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim für deren Unterstützung.

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