Musik

Im Zeichen der Tradition

Sorgten für gute Stimmung: der Chasanim-Chor mit Avi Barak (r.) Foto: Daniel Schvarcz

Spätestens mit dem dritten Chasanut‐Konzert im Gemeindezentrum hat sich das jährliche Musikevent als einer der beliebtesten Termine während der Hohen Feiertage etabliert. Der Andrang war dieses Mal so groß, dass noch kurz vor Beginn des Konzerts weitere Stühle aufgestellt werden mussten.

Rund 400 Besucher waren an diesem Abend in den Hubert‐Burda‐Saal gekommen, um das Konzert mit Avi und Shai Barak, Moshe Fishel, Jehoshua Kampinski, Selig Neuländer, Aaron Rogosnitzki, Shlomo Weingarten, Yechiel Brukner sowie dem Synagogenchor »Schma Kaulenu« unter Leitung von David Rees und Luisa Persovska am Klavier zu genießen.

identität Wie in der Vergangenheit stand das Konzert erneut unter der Schirmherrschaft von Präsidentin Charlotte Knobloch. Doch nicht nur in dieser Funktion wurde sie von Rabbiner Yechiel Brukner begrüßt, der durch den Abend führte. Knobloch war zugleich auch Ehrengast – und Bindeglied zu einer jüdischen Tradition, die sie bereits als Kind mit ihrer Großmutter erlebt hatte und die sie nach der Schoa gemeinsam mit ihrem Mann ihren Kindern weitergegeben hat. »Tradition und Melodien müssen gehalten und gepflegt werden«, sagte Brukner. »Sie sind Leitmotiv der religiösen Identität, wie sie Charlotte Knobloch immer gelebt hat.«

Ebendiese religiöse Identität ist Charlotte Knobloch nach wie vor außerordentlich wichtig. Gemeinsam mit Jechiel Biber von der Possart‐Synagoge sei sie deshalb auch »die treibende Kraft« für die Chasanut‐Konzerte, wie Brukner feststellte: »Sie beide haben den Wagen gezogen.«

Eingestimmt wurde das erwartungsfrohe Publikum mit dem Segensspruch Schehechejanu vom IKG‐Chor »Schma Kaulenu« und Kantor Moshe Fishel. Mit ihrem beeindruckenden Vortrag haben sie ohne Zweifel den ein oder anderen Zuhörer dazu anregen können, Fishels Gesang auch beim G’ttesdienst in der Synagoge Ohel Jakob zu lauschen. Die herausragenden Stimmen der Münchner Chasanim konnten sich durchaus neben den aus Israel angereisten Sängern hören lassen.

Höhepunkte Ganz entscheidend geprägt wurde das Chasanut‐Konzert auch von Avi Barak. Er dirigierte die israelischen Chasanim, spielte Gitarre und animierte zwischendurch das Publikum zum Mitsingen. Und auch sein Sohn Shai begeisterte die Besucher. Er ist vielen Gemeindemitgliedern bestens bekannt, tritt er doch regelmäßig bei Familienfeiern auf und verleiht ihnen musikalische Höhepunkte. Das erwarten im Herbst auch wieder einige Münchner, die in Israel unter die Chuppa treten werden.

Die Vielfalt des Konzerts zeigte sich durch die musikalische Bandbreite. Von Klezmer, gespielt von Guy Nahmias, über Jazz bis hin zu liturgischen Gesängen war für jeden Besucher etwas dabei. Ein weiteres Beispiel für die Vielfalt jüdischer Musik wurde auch durch die Lieder von Rabbiner Shlomo Carlebach sel. A. deutlich, die den Abend bereicherten. Aus dem Musical Anatevka begeisterten die bekannten Klänge.

Für Rabbiner Brukner, der für diesen Abend extra aus Israel angereist war, stellte das Konzert zugleich seinen Abschied von München dar. Er bedankte sich bei allen Gemeindemitgliedern für fünf schöne und gute Jahre. Besonders freute er sich, dass die Tradition des jährlichen Chasanut‐Konzerts in der Synagoge Possartstraße nun einen festen Platz am Jakobsplatz gefunden hat.

Gemeinsam Im Anschluss hob er hervor, dass neben der IKG und allen drei Münchner Synagogen – Ohel Jakob, Sha’arei Zion und die Synagoge Possartstraße – diesmal auch Torah MiTzion, für die Rabbiner Brukner seinerzeit nach München gekommen war, den Abend gemeinsam veranstalteten. Zum Gelingen hatten zudem auch Sponsoren wie die Pincus Foundation und einige Münchner Familien beigetragen.

Während die Gesänge und die begleitende Klavier‐ und Gitarrenmusik den Hubert‐Burda‐Saal erfüllte, sorgte das multimediale Konzept dafür, dass auch das Auge verwöhnt wurde. Aviad Piekrash projizierte bemerkenswerte Bilder auf die Bühne – zum Beispiel Fotos vom Jom Haazmaut sowie die wehende israelische Flagge, die am Ende der Veranstaltung zusammen mit der Hatikwa den Bezug zum jüdischen Staat deutlich machten.

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