Düsseldorf

»Ich tanz’ auf dich zu«

Mit sparsamen Mitteln: Die Kinder setzten Selbstbewusstsein und Scheu in Körpersprache und Tanz um. Foto: Madlen Posselt

Begeisterter Applaus und beharrliche »Zugabe, Zugabe«-Rufe lassen den 17 Mädchen und Jungen der Klasse 3a der Düsseldorfer Yitzhak-Rabin-Schule keine Chance. Unter dem Jubel ihrer Mitschüler kommen sie erneut auf die Bühne der Johannes-Rau-Halle und zeigen zum Michael-Jackson-Hit »Black Or White« ihre Tanzdarbietung, während das Publikum – Schulkameraden, Lehrerkollegium und Eltern – rhythmisch mitklatscht.

Befreit vom Druck der Premiere lassen die Kinder die Geschichte einer zaghaft beginnenden Freundschaft nochmals Revue passieren, stellen Lachen und Weinen, Triumph und Niederlage sowie Selbstbewusstein und Gehemmtsein tänzerisch dar. Ihr Auftritt ist Teil der Abschlusspräsentation des Tanzprojekts »Hey! Ja? – Ich tanz’ auf Dich zu. Und Du?«, das die Tanzpädagogin Dörte Müller-Schulz ein Jahr lang mit der 3a einstudiert hat.

Grundlage für die Choreografie war das Bilderbuch Hey! Ja? von Chris Raschka, das im knappen Rap-Stil, mit kaum 40 Worten, den Beginn einer Freundschaft zwischen zwei sehr gegensätzlichen Jungentypen skizziert und dabei dennoch große Gefühlsintensität entwickelt.

Klassenlehrerin Madlen Posselt hatte das Buch zuvor im Deutschunterricht vorgestellt. Das Projekt fand im Rahmen der Initiative »Jugend, Kultur und Schule« statt, durch die die Stadt Düsseldorf mithilfe von Landesgeldern Kulturprojekte aus den Bereichen Bildende Kunst, Theater, Musik, Tanz, Literatur und Medien fördert.

unterschiede Vier Mädchen und vier Jungen, jeweils in schwarzer Hose und weißem T-Shirt, »flattern« förmlich zu Amy McDonalds Poison Prince über die Bühne und stellen dar, wie ein Buch aufgeblättert wird und das Schwarze auf dem Weiß letztlich die Fantasie des Lesers animiert. »He!« – »Hä?«, »Ich!« – »Du« – die erste Kontaktaufnahme zwischen Jake und Mario – so haben die Kinder die beiden Protagonisten getauft – läuft zwar verbal sehr reduziert, doch sind bereits große Unterschiede erkennbar. Jake ist der selbstbewusste, coole Typ, und Mario hingegen schüchtern, fast ängstlich.

Die Kinder mit den roten T-Shirts mimen durch Körpersprache und Bewegungen den selbstbewussten Jake. Sie springen behände über Stühle und steigen hinauf, um optisch größer zu erscheinen. »Die Kinder kennen die typische Körpersprache, das Imponiergehabe, das Sich- Aufplustern aus ihrer eigenen Lebenswelt sehr gut. Daher war es kein Problem, gemeinsam die entsprechenden tänzerischen Ausdrucksformen zu finden«, sagt Dörte Müller-Schulz.

»Was läuft?« – »Nicht viel«, »Wieso?« – »Kein Spaß!«, »Oh« – »Kein Freund«, der nächste Dialog betreibt Ursachenforschung der seelischen Schieflage Marios. Mario, dargestellt von neun Kindern in gelben T-Shirts, ist der Schüchterne. Jetzt dienen die Stühle eher dazu, sich zu verstecken. Und wenn die jungen Tänzer auf ihnen sitzen, dann verkehrt herum, verschüchtert mit dem Rücken zum Publikum.

gemeinsamkeiten Dörte Müller-Schulz kauert vor der Bühne und mittels sparsamer Gestik und einigen Tamburinschlägen gibt sie den tanzenden Kindern dezente Regieanweisungen. »Na?« – »Ja?«, »Hey! – »Ja?«, der gewohnt an Worten sparsame Schluss-Dialog und ein befreiendes »Yeah« machen deutlich, dass sich die beiden unterschiedlichen Typen dennoch gefunden haben und eine Freundschaft beginnen kann.

Auch wenn die Ideen manchmal sehr subtil wirken mögen, haben alle Kinder die Geschichte verstanden. »Mir hat das sehr gut gefallen. Klar, es ging um das Thema Freundschaft«, erklärt beispielsweise Felix aus der Klasse 4a, und sein Klassenkamerad Michael pflichtet ihm bei. Aber auch bei den tanzenden Kindern der 3a hat das Projekt Wirkung gezeigt, wenngleich die Tanzpädagogin zugeben muss, dass es mitunter schwierig war, die Aufmerksamkeit einiger Jungen über die Zeit aufrechtzuerhalten.

Veränderungen »Ich wollte aber immer schon mal auf einer Bühne tanzen«, entgegnet darauf Jan, ein offenbar leidenschaftlicher Tänzer. »Der Schlangentanz und die Figuren, die andere nachmachen mussten, haben mir am meisten Spaß gemacht«, erklärt noch ganz im Tanzfieber seine Klassenkameradin Nicole. Neben dem Spaßfaktor für die Kinder kann Madlen Posselt weitere Veränderungen bei den Kindern beim Tanzprojekt feststellen.

»Das Stück hat ja viel mit der Lebenswirklichkeit der Kinder zu tun.« Das spiegele sich für sie auch im Verhalten der Schüler auf dem Pausenhof wieder. Hier zeige sich, dass die unterschiedlichsten Kinder offener für Fragen von Gegensätzen und Freundschaft geworden sind. »Außerdem war es toll, dass wirklich alle in der Klasse mitgemacht haben, das schweißt natürlich auch zusammen«, sagt die Klassenlehrerin.

Mobil

Handys im Klassenzimmer?

Wie jüdische Schulen mit der Nutzung der Telefone während der Unterrichtszeit umgehen

von Christine Schmitt  19.09.2019

Leipzig

Meilenstein für jüdisches Leben

Mit einem Konzert feierte die Israelitische Religionsgemeinde zehn Jahre Berliner Rabbinerseminar

von Isabel Seelmann  19.09.2019

Berlin

»Daran möchte ich mitwirken«

Kantor Isidoro Abramowicz über liturgische Tradition, Gebete und Ideen für die Synagoge Pestalozzistraße

von Gerhard Haase-Hindenberg  18.09.2019

Porträt der Woche

»Kunst ist meine Leidenschaft«

Arkadia Vershvovskaya studiert Jüdische Studien in Potsdam und malt in ihrer Freizeit

von Jérôme Lombard  15.09.2019

München

Landtagswahlen, Kultur, Mitzwe Makers

Meldungen aus der IKG

 05.09.2019

Zweiter Weltkrieg

Erinnerung wachhalten

IKG-Präsidentin Knobloch fordert, die Schrecken der Vergangenheit nicht zu vergessen

von Helmut Reister  05.09.2019