Hamburg

Hundert Jahre am Grindelhof

Seit 2007 wird hier wieder unterrichtet. Foto: Gesche M. Cordes

Viereinhalb Jahre ist es her, dass die Talmud-Tora-Schule in Hamburg wieder eröffnet werden konnte. Die Außenfassade der altehrwürdigen jüdischen Schule im Hamburger Grindelviertel glänzte sandgestrahlt fast wie das Hamburger Rathaus. Die Sanierung der etwa 3.000 Quadratmeter Fläche hatte viel Geld verschlungen.

Vor 100 Jahren war die Schule an ihren heutigen Standort gezogen. Das feiert die Gemeinde am 11. Dezember mit einem Festakt. Roy Naor, Vorstand der Jüdischen Gemeinde, wird die Gäste ab 11 Uhr im Grindelhof 30 begrüßen.

Gäste Grußworte werden der Senator für Schule und Berufsbildung, Ties Rabe, und der Leiter des Bezirksamtes Eimsbüttel, Torsten Sevecke, sprechen. Auch der Schulleiter der Joseph-Carlebach-Schule, Gerd Gerhard, wird zu Wort kommen, bevor der Vorsitzende des Elternrates, Alexander Topaz, die Festgäste zum Schulfest und Tag der offenen Tür einlädt.

Die Talmud-Tora-Schule hat viel erlebt. 1944 mussten sich in der Schulaula die Hamburger Juden zur Deportation einfinden. Mit ihrem Namen würdigt die Schule Joseph Carlebach, der von 1921 bis 1925 als Rektor der Schule mit reformpädagogischen Ansätzen wirkte und später als Oberrabbiner von Hamburg mit seiner Frau, drei Töchtern und seiner Gemeinde in die Deportation und den Tod ging.

Aufforderung Märtyrer ganz anderer Art hatte die Schule schon im Ersten Weltkrieg, als sich mehr als 100 Schüler und auch etliche Lehrer an die Front meldeten und Gelder für Kriegsanleihen gezeichnet wurden, getreu dem Sinnspruch des damaligen Direktors der Schule, Joseph Goldschmidt: »Werdet tüchtige Juden, tüchtige Deutsche, tüchtige Hamburger. Das walte Gott!«

Das Haus überstand die Zeiten und wurde nicht abgerissen, stattdessen fungierte das Gebäude lange Zeit mit Verwaltungsräumen und dem Büro des Rabbiners weniger als Schule denn als Sitz der Gemeinde. Im Innenbereich ist der Glanz des Jugendstils etwas verloren gegangen. Die abgehängten Decken verbergen noch den Stuck alter Tage. Doch Kultur und Bildung prägen das Haus heute wie einst vor 100 Jahren. Mit dem Einzug der Gemeinde und der Schule zum Schuljahr 2007 wurde nach 65 Jahren ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Mobil

Handys im Klassenzimmer?

Wie jüdische Schulen mit der Nutzung der Telefone während der Unterrichtszeit umgehen

von Christine Schmitt  19.09.2019

Leipzig

Meilenstein für jüdisches Leben

Mit einem Konzert feierte die Israelitische Religionsgemeinde zehn Jahre Berliner Rabbinerseminar

von Isabel Seelmann  19.09.2019

Berlin

»Daran möchte ich mitwirken«

Kantor Isidoro Abramowicz über liturgische Tradition, Gebete und Ideen für die Synagoge Pestalozzistraße

von Gerhard Haase-Hindenberg  18.09.2019

Porträt der Woche

»Kunst ist meine Leidenschaft«

Arkadia Vershvovskaya studiert Jüdische Studien in Potsdam und malt in ihrer Freizeit

von Jérôme Lombard  15.09.2019

München

Landtagswahlen, Kultur, Mitzwe Makers

Meldungen aus der IKG

 05.09.2019

Zweiter Weltkrieg

Erinnerung wachhalten

IKG-Präsidentin Knobloch fordert, die Schrecken der Vergangenheit nicht zu vergessen

von Helmut Reister  05.09.2019