Porträt

Humorvoll und sozial

Bescheiden: Als Sponsor und Mäzen bleibt Ghini Zaidman gern im Hintergrund. Foto: Archiv

»Vergangenheit ist Geschichte, Zukunft ein Geheimnis und jeder Augenblick ist ein Geschenk.« Dieses Zitat der Liedermacherin und Sängerin Ina Deter hat Ghini Zaidman als Motto für die Benefizveranstaltung am 30. Juni dieses Jahres zugunsten von Hadassah und des Peres Center for Peace gewählt. Als Gastgeber setzt er sich damit einmal mehr für Israel ein.

»Er ist ein außergewöhnlicher Mensch«, charakterisiert Präsidentin Charlotte Knobloch den stets freundlichen Mann mit den liebevollen Augen. »Das Gebot der Nächstenliebe praktiziert er in ganz besonderer Weise.«

Helfer Das tut er selten öffentlich – etwa als Sponsor von Benefizveranstaltungen oder wenn er sich zu runden Geburtstagen keine persönlichen Geschenke, sondern Zuwendungen für seine Gemeinde wünscht, die er dann noch einmal beachtlich aufstockt. Und er freut sich über die positiven Entwicklungen in der Kultusgemeinde.

So gehörten die Einweihung der Synagoge und des Gemeindezentrums am Jakobsplatz zu den eindrucksvollen Augenblicken seines Lebens. In Erinnerung bleiben wird ihm dabei auch, wie die Gemeindemitglieder die Torarollen von der Synagoge in der Reichenbachstraße zu ihrem neuen Platz in die Ohel-Jakob-Synagoge feierlich durch die Straßen trugen.
Neben seiner Verbundenheit zur Religion prägt ihn auch sein Humor, den er sich trotz aller Schicksalsschläge und schwerer Krankheit immer bewahrt hat.

Bei Partisanen Geboren wurde Ghini Zaidman am 2. Mai 1924 im russischen Tiraspol in der Nähe von Odessa. Noch im selben Jahr entschlossen sich seine Eltern, wegen des Antisemitismus nach Lipkani im damaligen Bessarabien und heutigen Moldawien umzusiedeln. Hier besuchte er das Gymnasium, wollte Ingenieur im Erdölbereich werden. Doch es sollte anders kommen. Er wurde zunächst in ein Lager im Osten der Sowjetunion verschleppt, konnte entkommen und schloss sich den Partisanen an.

Schließlich erlebte er die Freiheit in Gauting bei München – in einem Lungensanatorium, wie viele seiner Leidensgenossen.
Positiv denken Dass ein Schoa-Überlebender sich einen Satz als Motto wählt, der damit beginnt, dass Vergangenheit Geschichte ist, verwundert. Doch für Ghini Zaidman sollte das Leben dank seiner positiven Lebenseinstellung noch so manche Überraschung parat halten. Die Zukunft war ihm auch damals ein Geheimnis – und auf die Geschenke des Augenblicks vertraut er noch heute.

Als er zu seinem Geburtstag die Gratulationen entgegennimmt, auch die guten Wünsche für seine Gesundheit, bedeckt er spontan mit der Hand sein Haupt und sagt: »So Gott helfe!« Sein Vertrauen zu Haschem ist dem Mann aus religiösem Elternhaus sehr wichtig. Die täglichen Gebete sind ihm eine Selbstverständlichkeit – und ebenso das Gebot der Zedaka, der Nächstenliebe und der Unterstützung all derer, denen er helfen kann. »Weise nie eine ausgestreckte Hand zurück!« – dieser Grundsatz, den ihm seine Eltern in der Erziehung vermittelten, gilt nach wie vor.

wunder »Jeder Augenblick ist ein Geschenk.« Das hat Zaidman schon in vielfältiger Weise erlebt. In den Lagern war er mehrmals dem Tode entronnen, einmal rettete ihn die Intervention eines privilegierten Mithäftlings, und das Todesurteil wurde auf eine schwere Auspeitschung reduziert.
In München wurde Ghini Zaidman ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sich mit seinem Freund Brodt in München eine Firma aufbaute, die bis zum heutigen Tag besteht und von seinen Kindern weitergeführt wird.

Seine Frau Brigita hat Zaidman in Israel kennen und lieben gelernt. Dorthin war sie mit ihren Eltern aus Rumänien eingewandert. Der junge Mann verliebte sich auf der Stelle in die hübsche junge Frau – und auch sie war von Anfang an von den strahlenden blauen Augen und der sympathischen Ausstrahlung des jungen Mannes fasziniert.

Bis er sie heiraten und mit nach München nehmen konnte, verging allerdings eine geraume Zeit. Schließlich wollte die Familie der Braut genau wissen, in welche Hände die junge Frau in Deutschland kam.

Vorbild Eine nunmehr 51-jährige glückliche Ehe mit drei Kindern und inzwischen neun Enkelkindern bestätigt den Bund. Noch heute begegnen sich die Blicke der beiden voller Liebe. Mit seinem Leben und seinem Wirken hat sich Ghini Zaidman in der Gemeinde eine besondere Stellung aufgebaut, die Vorbildfunktion hat. Seine Unterstützung wird immer wieder erbeten. Er freut sich besonders, wenn junge Menschen das Gespräch mit ihm suchen. Mit seinen Lebenserfahrungen kann er ihnen wertvolle Ratschläge geben.

Bei der Jom-Haazmaut-Feier in dieser Woche wurde ihm für sein Engagement und seine Zedaka die Ehre zuteil, eine der Kerzen für die zwölf Stämme Israels zu zünden. Seine Tochter Iris Salzberg tat dies in seiner Vertretung.

Ausstellung

Vom Wohlstandskind zur Kriegsreporterin

Die Monacensia lässt das bewegte Leben von Erika Mann Revue passieren

von Ellen Presser  16.01.2020

München

Weiße Rose, Schicksal, Auschwitz

Meldungen aus der IKG

 16.01.2020

Buch

Bilder als Denkmal

Der Fotograf Thies Ibold erinnert an den Kunsthistoriker Aby Moritz Warburg

von Heike Linde-Lembke  16.01.2020

Kino

Familientreffen in Nahost

Nach der Wende lernt Esther Zimmering ihre israelische Verwandtschaft kennen

von Jérôme Lombard  16.01.2020

Synagoge Pestalozzistraße

Der Tradition würdig

Beim Umbau des Estrongo-Nachama-Kidduschsaals stießen Handwerker auf 17 Torarollen. Nun werden sie restauriert

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  12.01.2020

München

Gedenken, Geschichte, Dialog

Meldungen aus der IKG

 09.01.2020

München

Faszination Film

Die Jüdischen Filmtage am Jakobsplatz stehen dieses Jahr unter dem Motto »Eine Reise um die Welt«

von Helmut Reister  09.01.2020

Kölsche Kippa Köpp

»Wenn et Trömmelche jeht«

Der jüdische Karnevalsverein feiert seine erste öffentliche Sitzung

von Leticia Witte  09.01.2020

München

Museum, Gedenken, Ferien

Meldungen aus der IKG

 03.01.2020