Heinz-Galinski-Schule

Himbeersaft und Regengüsse

Alef, Bet, Gimmel: So einfach lernt sich das hebräische Alphabet. Foto: Tessa Müller

Kräftig prasselten die großen Regentropfen am vergangenen Sonntagnachmittag auf den Hof der Heinz‐Galinski‐Schule. Aber weder Dauerregen noch kühle Temperaturen hielten Schüler, Lehrer und Eltern davon ab, ihr Sommerfest zu veranstalten.

Unter dem Jahresmotto »Derech Eretz Kadma la Tora« – sinngemäß: Gutes Benehmen geht der Tora voraus – trafen sich auch ehemalige Schüler und Förderer zur mittlerweile traditionellen Feier. Schuldirektorin Noga Hartmann eröffnete das Event mit den Worten: »Wir wollen das friedliche Miteinander pflegen, und zwar nach innen wie nach außen.«

Für gute Laune sorgten die Mädchen und Jungen der sechs Klassenstufen gleich selbst. So spielte das Schulorchester, assistiert von Igor Ginzburg, eine Mischung aus Klassik, Traditionals und Folk. In der Aula führten Schüler das Theaterstück der israelischen Autorin Haya Shenhav Miz Petel – Himbeersaft auf. Hebräischlehrerin Keren Ortar Ben‐Nun war glücklich, wie souverän »ihre« Erst‐, Zweit‐ und Viertklässler an diesem Tag auf der Bühne standen.

Traumhaus Etwa zeitgleich drängten sich auch im »Traumhaus« von Nata Moisseva die Besucher. Aus einer vormals verfallenen Hütte im Außengelände ist mit dem »Traumhaus« vor Jahren eine Kreativwerkstatt entstanden, gefördert von Berliner Unternehmern. »Täglich kommt ein Dutzend Kinder in der Pause hierher. Und alle verwandeln sich binnen weniger Minuten in kleine und große Künstler«, freut sich Nata Moisseva.

Auch zum Sommerfest sitzen Mädchen und Jungen selbstvergessen bei Pinsel, Farbe und Papier. Poster mit biblischen Früchten, Schabbat‐Bilder, farbenfrohe Mosaike und bemalte Tücher laden zum Verweilen und zum Ansehen ein. Ein Sommerfest in der Galinski‐Schule wäre allerdings keine vollständige Feier ohne die Spiel‐, Bastel‐ und Schlemmerstrecke im Untergeschoss des Gebäudes. Zwischen Schach, Büchsenwerfen, Tischfußball, Kochen, Backen, Handarbeiten und Buchstaben‐Training laufen Mädchen und Jungen hin und her, schlendern Eltern und andere Besucher durch die Flure. Ein Sprach‐Mischmasch aus Russisch, Hebräisch und Deutsch begleitet das Treiben.

280 Mädchen und Jungen lernen derzeit in der Grundschule an der Waldschulallee, und im Herbst werden mindestens drei neue erste Klassen hinzukommen. Eine Entwicklung, von der sich auch der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe beeindruckt zeigt. »Das Engagement der Mitarbeiter hier ist überdurchschnittlich«, sagte Joffe, »und das der Mütter und Väter offensichtlich auch.« 2012 hatte sich ein neuer Schul‐Förderverein gebildet, dem Esther Jimenez y Dobrin vorsteht. Darin wirken viele ehrenamtliche Helfer mit, die sich dem Haus stark verbunden fühlen.

Modern Giorgi Papashvili, dessen Sohn David die vierte Klasse besucht, erinnert sich: »Unsere erste Bekanntschaft mit der Galinski‐Schule war bei einem der Sommerfeste. Von Anfang an haben uns die modernen Standards hier gefallen, natürlich auch die vergleichsweise kleine Schülerzahl pro Klasse und der regelmäßige Hebräischunterricht.«

Papashvili ist mittlerweile Elternvertreter und lobt den »unkomplizierten, offenen Umgang« zwischen Lehrern und Familien. Das findet auch Angelika Naomi‐Minner, deren Sohn sich bereits auf die zweite Klasse freut und die beim Sommerfest einen Stand mit Obstspießen betreut: »Ich habe selbst schon als Pädagogin gearbeitet und weiß die freundlich‐tolerante Atmosphäre besonders zu schätzen.«

Noga Hartmann ist stolz auf ihre Kollegen und Schüler. Gemeinsam suchen sie nach Wegen, die Identität der jüdischen Mädchen und Jungen zu stärken und die Schule noch umfassender mit der nichtjüdischen Umgebung zu verzahnen. Das Motto »Derech Eretz Kadma la Tora« hat für sie einen universellen Charakter. Auch beim Programm für die Sommerferien. So besuchen die Kinder Museen oder gehen mit der »Weißen Flotte« auf Entdeckungstour.

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