Solidarität

Heraus für Israel!

Blau-weiße Fahnen vor blau-weißem Himmel. Foto: Rafael Herlich

»Echte Fründe ston zesamme«, steht auf dem Pappschild geschrieben – eine Grundweisheit des Kölner Karnevals. Dass echte Freunde tatsächlich zusammenstehen, wollen an diesem Sonntag rund 1.000 Demonstranten auf dem Roncalliplatz vor dem Kölner Dom beweisen. »Israel, du bist nicht allein«, unter diesem Motto hat die Synagogen‐Gemeinde Köln zur Demo aufgerufen. Mit Bussen sind Teilnehmer aus Aachen, Frankfurt, Dortmund oder Nürnberg gekommen. Gerade hören sie Johannes Gerster zu, dem Präsidenten der Deutsch‐Israelischen Gesellschaft (DIG). Es gelte, sich mit »Herz und Verstand« der Diffamierungskampagne zu erwehren, die Israel seit seinem Vorgehen gegen die Gaza‐Flottille erlebe, ruft Gerster unter Applaus der Menge zu.

Noch mehr Beifall brandet auf, als Zentralrats‐Vizepräsident Dieter Graumann in seiner Rede auf den schwedischen Schriftsteller Henning Mankell zu sprechen kommt, einen der prominentesten Teilnehmer der Gaza‐Flotte. Wer Kriminalromane schreibe, sei noch kein Experte für den Nahostkonflikt, ruft Graumann. Das kann die Demo‐Teilnehmerin Frau Janssen nur unterstreichen. Die 66‐jährige Schwedin lebt seit vielen Jahren in Deutschland, aufgewachsen aber ist sie in Ystad, jener südschwedischen Kleinstadt, in der Mankells Wallander‐Romane spielen. Mit seiner Teilnahme an der Propaganda‐Flotte habe sich Mankell »geoutet«, glaubt Janssen. Ihr Mann stimmt zu. »Wir stehen an der Seite Israels, ohne Wenn und Aber«, ergänzt der gebürtige Däne. Die Janssens sind Mormonen, beide engagieren sich in der DIG.

aktiv Nicht anwesend sind Vertreter der Stadt Köln, weder Oberbürgermeister Roters noch einer der vier Stellvertreter hätten Zeit gefunden, stellt Micky Fuhrmann mit Bedauern fest. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Synagogen‐Gemeinde Köln hat die Demo initiiert. Der Entschluss, aktiv zu werden, fiel schon am Abend des 31. Mai, als sie mit ihrer Familie vor dem Fernseher saß und die ersten Berichte über die israelische Aktion gegen die Gaza‐Flottille sah. »Da war mir klar, was da in den nächsten Tagen in den Medien losbrechen würde«, erzählt die Politikwissenschaftlerin, die auch Vorsitzende des türkisch‐jüdischen Freundschaftsvereines »Ülkümen‐Sarfati« ist. Wie alle Redner unterstreicht auch Fuhrmann ihr Bedauern über die Toten der Auseinandersetzung vor der Küste Gazas.

Adrianna von Baillou ist eigens von Frankfurt nach Köln gekommen. »Völlig enttäuscht von Deutschland, der Haltung der Medien und der Partei der Linken« sei die Volkswirtin. Ulrich Renschler pflichtet ihr bei: »Im Moment sieht’s hässlich aus«, sagt der 47‐Jährige mit Blick auf die allgemeine Stimmungslage. Da sei etwas von den Rändern im politischen Mainstream angekommen, befürchtet er.

Domvorplatz Wie eine Kontrastfolie zum Demonstrationszugs wirkt da die »Klagemauer« des Kölner Aktivisten Walter Herrmann, keine 150 Meter vom Kundgebungsort entfernt. Ursprünglich eine Dauerdemonstration gegen den Golfkrieg 1991, betreibt Herrmanns Foto‐Installation seit einigen Jahren krude antiisraelische Propaganda. Seit Anfang Juni steht seine »Klagemauer‐Palästina« wieder vor dem Dom und klagt »israelische Massaker in Gaza« an. In Sichtweite führt der Weg an der »Klagemauer« vorbei – ein neuralgischer Punkt für Organisatoren und Polizei. Doch der Zug zieht weiter und lässt sich genauso wenig von der Gegendemonstration auf dem Domvorplatz beeindrucken. Rund 60 Kehlen skandieren dort »Kindermörder Israel«, palästinensische Flaggen werden geschwenkt.

Bald darauf klingt die Veranstaltung am Zielort, dem Rudolfplatz, mit der Hatikwa ungestört aus. »Super«, wird Abraham Lehrer vom Vorstand der Synagogen‐Gemeinde den Tag bilanzieren. Tausend Teilnehmer nach nur eineinhalb Wochen Vorbereitungszeit. Darunter keine Heißsporne, die den Security‐Dienst in Verlegenheit gebracht hätten, zeigt sich Lehrer erleichtert.

Querfront In Berlin fanden sich bei Nieselregen am Samstag zuvor etwa 200 Demonstranten auf dem Rosa‐Luxemburg‐Platz ein, um »Gegen das Bündnis der Kriegstreiber von Linkspartei und Hamas« zu demonstrieren. Die Kundgebung in Sichtweite des Karl‐Liebknecht‐Hauses, der Linken‐Zentrale, wurde hauptsächlich von »antideutschen« Gruppen getragen. In ihren Beiträgen stellten die Redner die Kollaboration von Linkspartei und Hamas in die Tradition der Querfront zwischen KPD und NSdAP in den 30er‐Jahren.

Am Sonntag versammelten sich bei deutlich besserem Wetter etwa 400 Menschen auf dem Breitscheidplatz, um gegen die einseitige Bewertung der israelischen Operation gegen die Gaza‐Flottille in Medien und Politik zu protestieren. Unterstützt wurde die Kundgebung vom »Koordinierungsrat deutscher Nicht‐Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus«, dem »Forum Atid‐Zukunft« und dem »Mideast Freedom Forum Berlin«.

Schiff Unter den Rednern waren auch TV‐Moderatorin Melody Sucharewicz und der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer. Avi Efroni, einer der Initiatoren, sagte: »Ich bin sehr zufrieden mit den Rednern, mit dem Publikum. Aber natürlich habe ich gehofft, dass mehr Leute kommen.«

Hundert Meter entfernt kam es zu einer Gegenkundgebung. Anwesend waren etwa 15 Personen, unter anderem von »Mütter gegen den Krieg« und der »Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost«. Man wolle zeigen, dass nicht alle Juden »blind diese verfahrene, verbrecherische israelische Politik« unterstützten, erklärte Ruth Fruchtmann von der »Jüdischen Stimme«. Man wolle demnächst, so Fruchtmann, ein »jüdisches Schiff« entsenden, um die Gaza‐Blockade zu durchbrechen.

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