Berlin

Großer Andrang der Allerkleinsten

Das Alef zuerst: jüdisches Lernen im Kindergarten Foto: Uwe Steinert

Die Nachfrage für Plätze in jüdischen Krippen und Kindergärten steigt immer mehr. Mehr als 300 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis sechs Jahren werden in den Einrichtungen erzogen, gebildet und betreut. Für das kommende Kitajahr, das im August beginnt, sind nur noch wenige freie Plätze vorhanden.

bewertung Und auch die Qualität der Betreuung nimmt zu. Als eine der ersten Kitas in Berlin hat der Gemeindekindergarten Delbrückstraße das »Deutsche-Kindergarten-Gütesiegel« bekommen. Mitarbeiter des Instituts »Quality for education and childcare« (QUECC) haben die Kita dafür getestet. Alle Räume, jede Erzieherin, die Programme und dafür eingesetzte Materialien wurden genau unter die Lupe genommen. Aber das Wichtigste war in ihren Augen, wie der Zugang der Erzieher zu den Kindern ist. Und das scheint ausgezeichnet zu sein, denn der Kindergarten wurde mit besten Noten zertifiziert. »Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis«, sagt die Leiterin Vera Caro. Das vorläufige Ziel sei erreicht. »Nun haben wir einen Fünf-Sterne-Kindergarten«, freut sich auch Jochen Palenker, Finanzdezernent der jüdischen Gemeinde. Vorher sei der Kindergarten schon gut gewesen, aber »man kann immer noch besser werden«.

Daena Schlecht von der Alice-Salomon-Fachhochschule hat das wissenschaftliche Qualitätsprogramm betreut. »Wir haben davon viel gelernt. Zum Beispiel, dass die Erzieher sich ihrer Verantwortung noch bewusster sein können, und dass über das Standardprogramm hinaus mehr Struktur im Tagesablauf wichtig ist«, so Vera Caro.

Ein Ergebnis der Evalution war auch, dass die Gruppenräume vergrößert wurden. Diese Erkenntnis konnte bei der Sanierung vor eineinhalb Jahren gleich umgesetzt werden. Kurz vor dem Umbau war noch die Krippe eingeweiht worden. Im Juni wird die Kita wieder einmal größer, denn es gibt eine weitere Gruppe und die Zahl der Jungen und Mädchen steigt von 140 auf 150. »Wir könnten noch mehr Platz gebrauchen – denn wir haben eine lange Warteliste«, betont die Kitaleiterin.

Antrag »Die Nachfrage ist groß«, weiß auch Olga Orlowski, Leiterin des Lauder-Nitzan-Kindergartens in Prenzlauer Berg. 37 Kinder besuchen derzeit die Einrichtung. Und nicht alle Familien, die ihr Kind dort unterbringen wollen, können einen Platz bekommen. Damit die Kita noch wachsen kann, hat Orlowski beim Senat einen Antrag auf Betriebserlaubnis für 50 Kinder gestellt. »Viele Menschen arbeiten bei der Lauder-Foundation und haben Kinder, es gibt die vielen Geschwisterkinder, und wir haben viele andere jüdische Nachbarn, die gerne zu uns kommen wollen.«

Angebot »Die Krippenplätze waren sofort weg – davon könnte unsere Kita noch mehr anbieten«, sagt Annette Lenz von Gan Israel von Chabad Lubawitsch. Derzeit verfügt die Kita nur über zwölf Plätze für die Kleinen, und die Räumlichkeiten ließen keine Erweiterung zu. 58 Plätze bietet der Kindergarten an und im Moment gibt es noch sechs freie, wovon es sich bei dreien um Vorschulplätze handelt. »Wenn wir in zwei Jahren an die Münstersche Straße ziehen werden, möchten wir noch mehr Krippenplätze anbieten können«, sagt Lenz.

Bei Masorti sind derzeit noch drei Plätze für Kinder ab drei Jahren frei – und zwar nur, weil die Familien weggezogen sind. 75 Jungen und Mädchen besuchen die Kita. »Unsere Warteliste ist lang«, sagt Leiterin Rachel Herweg.

Die Kita Sonnenblumen in der Heinz-Galinski-Schule wird derzeit von 27 Kindern besucht. Ab August werden es 34 Drei- bis Sechsjährige sein. »Wir könnten noch mehr aufnehmen, weil der Bedarf so gestiegen ist«, meint Sandra Anusiewicz-Baer, Bildungsreferentin der Gemeinde. Laut Betriebserlaubnis wäre die Betreuung von 55 Kindern möglich – aber es fehle an Erziehern. Gut ausgebildete Pädagogen seien schwer zu bekommen. Die Gemeinde bemühe sich aber weiter, um die beste Betreuung anbieten zu können.

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