Party

Grillen, Singen, Seifenblasen

Erwartung: Wer gewinnt den Hauptpreis bei der Kölner Tombola? Foto: Eva Ermert

Stimmungsvoll und nachdenklich, lebhaft und schwungvoll – das Programm beim Sommerfest des Elternheims der Synagogen‐Gemeinde Köln bietet Musik für jeden Geschmack. Eigentlich sollte auch der Gemeindechor »Schalom« mitwirken, doch der musste sein Gastspiel absagen, zu viele Chormitglieder sind noch im Urlaub. Das Duo Illya Bortnik (Gesang) und Dina Goncharova am Klavier, das auch zu anderen Anlässen bereits gemeinsam aufgetreten war, leistete den Ersatz mit Bravour.

»Ose Schalom« erklingt. Das religiöse Lied verbreitet eine ruhige Stimmung. Dann trägt Illya Bortnik ein Stück aus einer Operette des ungarischen Komponisten Imre Kálmán vor und legt bei »Braunes Mädel von der Puszta«, eine temperamentvolle Tanzeinlage ein. Die Zuschauer klatschen begeistert und singen beim Abschlusslied »Hava nagila«, dem bekannten hebräischen Volkslied, angetan mit.

Bunt Rund 100 Besucher verteilen sich an den langen Tischen, etliche Rollstühle stehen in einer langen Reihe. Die Tischdecken in strahlendem Gelb, sattem Rot und leuchtendem Grün und die bunten Girlanden lassen die dunklen Regenwolken draußen fast vergessen. Aufgrund des Regens kann das Sommerfest in diesem Jahr nicht in dem schönen Gartenbereich stattfinden.

Nach einem sonnigen Vortag habe man die Veranstaltung kurzerhand nach drinnen verlegen müssen, erklärt Dalia Rado, die Leiterin des Elternheimes. »Heute Morgen um acht Uhr musste ich entscheiden, wo wir aufbauen, damit das Fest pünktlich am Mittag starten kann, und da regnete es leider in Strömen.« Das Sommerfest des Elternheims hat bereits Tradition, jedes Jahr im August treffen sich Bewohner, Angehörige und Gemeindemitglieder zu einem geselligen Beisammensein.

Rund 70 Menschen leben in dem Pflegeheim, das in das Wohlfahrtszentrum der Gemeinde integriert ist. Auch die Lauder‐Morijah‐Grundschule und die Kindertagesstätte sind hier untergebracht. »Durch diese räumliche Nähe ergibt sich ein generationenübergreifender Austausch«, betont Rabbiner Jaron Engelmayer, der mit seiner Frau und seinen Kindern gekommen ist. Besonders an den Feiertagen treffen sich hier Enkel, Kinder, Eltern und Großeltern.

Tombola Freude an der Tombola hatten dann auch alle Generationen. Claudia Trapp hatte sie mit vorbereitet und die gespendeten Preise sorgfältig zusammengestellt. »Es ist ein großes Glück, dass wir so viele Firmen haben, die uns Preise zur Verfügung stellen«, sagt sie und verkauft eifrig Lose. Im Vorfeld hatte die Sekretärin im Elternheim zahlreiche Briefe verschickt und Kölner Firmen und Geschäfte um Unterstützung gebeten. »136 Preise sind zusammengekommen, hochwertige und sinnvolle, wie ich meine«, sagt sie nicht ohne Stolz.

Noch bevor die Lose für einen Euro vergriffen sind, schauen schon einmal einige Partygäste durch die Glasfront auf die in einem Nebenraum aufgebauten Preise. »Ist das meine Nummer?« »Könnte das mein Preis sein?« »Was ist wohl in dieser Verpackung?« Rätseln, suchen, zuordnen. Losnummer 1 heißt nicht unbedingt Hauptgewinn, ein wenig Spannung soll bleiben. Schließlich wird gegen 16 Uhr die Tür geöffnet und schon sind die Tombolapreise Kosmetika und Campingstühle, Bücher und Bilderrahmen, Thermoskannen und Handtücher verteilt. Wenn ein Gewinn mal nicht passt, das Buch schon bekannt ist, wird verschenkt oder getauscht.

Tausch Larissa Motta hatte einen Massagegutschein gewonnen, den sie selbst gespendet hatte. Die Physiotherapeutin kommt regelmäßig in das Elternheim und versorgt Patienten physiotherapeutisch. Die Enttäuschung verwandelt sich schnell in Freude, da sie den Gewinn kurzerhand gegen einen anderen Gutschein tauschen kann und vor allem, weil sie dann auch noch das Toplos zieht und einen Flachbildschirm gewinnt. Strahlend nimmt sie den neuen Fernseher entgegen.

Das eingenommene Geld der Tombola soll für den Sozialen Dienst des Elternheims verwendet werden. »Wir nutzen diese Einnahmen, um Ausflüge zu finanzieren oder Anschaffungen für die Beschäftigungsangebote«, so die Einrichtungsleiterin Dalia Rado.

In Dresden ist das Sommerfest noch in der Probephase. Und trotzdem warten am Sonntag schon ein Dutzend Menschen gut 30 Minuten vor Einlass, dass sich die Türen des jüdischen Gemeindehauses öffnen. Alle möchten zur Party. Schon Tage vorher haben sie sich telefonisch angemeldet, nun bekommen sie gegen vier oder sechs Euro ihre Karten ausgehändigt.

Bisher wurde das Fest mit Unterstützung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWSt) nur für den Seniorenclub der Gemeinde ausgerichtet. Im fünften Jahr nun soll die ganze Dresdner Gemeinde angesprochen werden. »Die ZWSt gestaltet ihre Feste unterschiedlich. Zuletzt haben wir Ehrenamtliche aus Chemnitz und Leipzig versammelt. Nun proben wir diese Runde in Dresden«, erklärt Karin Buron, Leiterin der sächsischen ZWSt‐Zweigstelle.

Schmuck Da die Zusammenarbeit der jüdischen Wohlfahrtsorganisation und der Gemeinde beim Sommerfest noch in den Kinderschuhen steckt, haben die Dresdner auf ein größeres Rahmenprogramm verzichtet. Das Terrassenzimmer der Gemeinde ist dezent mit Girlanden und Luftballons geschmückt, die Hintergrundmusik kommt von einer CD, der Gemeindechor hat einen kleinen Auftritt. Das Buffet lockt mit Salaten und Früchten. Helfer tragen Melonenscheiben, Gegrilltes und Sekt durch die Reihen. »Es ist eine schöne Atmosphäre«, freut sich Besucher Leonid Broman. Der 72‐Jährige, der vor drei Jahren aus Irkutsk nach Deutschland kam, würde sich nur ein paar mehr junge Leute in der Runde wünschen.

Mit ihren sechs Jahren ist Mina‐Elise Leupold eine der Jüngsten auf dem Fest. Eigentlich wohnt sie in Bielefeld, gerade aber besucht sie mit ihrer Mutter Sara ihre Großeltern, die langjährige Mitglieder der Dresdner Gemeinde sind. »Ich fühle mich ganz entspannt«, meint Sara Leupold. Ein bisschen bedauere sie nur, dass sie ihre russischsprachigen Tischnachbarn nicht verstehen kann. Noch klammert sich ihre Tochter an ihren Eisbären aus Plüsch. »Kinderschminken fehlt«, meint sie enttäuscht. Aber wenig später pustet Mina‐Elise schon mit anderen Kindern fröhlich Seifenblasen in die Luft.

Aufwand Zu den 17 ehrenamtlichen Helfern gehört auch Nora Goldenbogen. Die Vorsitzende der Gemeinde hat sich mit ihrem Mann um das Grillfleisch gekümmert, das extra von einem koscheren Fleischer aus Prag geordert wurde. »Für dieses erste Mal gilt: Gemeindeintern gibt jeder, was er kann«, erklärt Karin Buron.

Das Konzept ist aufgegangen: Zu den geplanten 60 Gästen sind beinahe noch einmal so viele Kurzentschlossene hinzugekommen, und einige werden erst nach 21 Uhr des Feierns müde. Prinzipiell würde Gemeindevorsitzende Nora Goldenbogen das Sommerfest in Zusammenarbeit mit der ZWSt im nächsten Jahr gern ausbauen. Auch Karin Buron überlegt, ob vielleicht Musiker und Theaterschaffende engagiert werden sollten. Dennoch weiß sie: »Je mehr Gäste kommen, umso mehr Helfer brauchen wir und Kosten entstehen natürlich auch.«

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