Köln

Grenzgänger

Tafel am Geburtshaus von Jacques Offenbach Foto: Ulrike Gräfin von Hoensbröch

Mit bis dato ungewohnter Leichtigkeit in der Musik feierte Jacques Offenbach in Paris große Erfolge. Die Melodien des »Cancan« aus Orpheus in der Unterwelt (1858) oder die »Barcarole« aus Hoffmanns Erzählungen sind zeitlos.

Doch keine 15 Jahre später war die Welt eine andere: Im Zuge des deutsch‐französischen Krieges 1870/71 geriet der Komponist zwischen die Fronten. In Deutschland galt er als Vaterlandsverräter, in Frankreich wurde er als »Deutsch‐Jude« angefeindet und konnte nach der Rückkehr nach Paris nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen.

Dialog Im kommenden Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal. In seiner Geburtsstadt Köln, wo sich 2015 die Offenbach‐Gesellschaft gegründet hat, nehmen die Vorbereitungen Gestalt an. Unter anderem wird auch die jüdische Herkunft Offenbachs in Beiträgen gewürdigt und diskutiert, etwa bei den Jüdischen Kulturtagen oder im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit der Kölnischen Gesellschaft für Christlich‐Jüdische Zusammenarbeit über den Dialog der Religionen.
»Das künstlerische Konzept ist überzeugend«, stellt Ruth Schulhof‐Walter, Mitarbeiterin der Synagogen‐Gemeinde, fest. »Wir freuen uns, dass wir uns bei diesen für Köln und darüber hinaus so bedeutenden Kulturtagen bei mehreren Veranstaltungen einbringen können«, sagt Schulhof‐Walter.

Auch für die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bietet das Jubiläumsjahr eine hervorragende Chance, »nicht nur Offenbachs Kreativität und Erbe erlebbar zu machen, sondern auch seine Wanderungen zwischen den Ländern und Religionen zu thematisieren«.

Kantor Jakob Offenbach, der sich erst in Paris in Jacques umbenannte, wurde am 20. Juni 1819 als siebtes von zehn Kindern einer jüdischen Familie in Köln geboren. Sein Vater Isaak war Kantor in der Synagoge an der Glockengasse; mit ihm zog er später musizierend durch die Kölner Gasthäuser, um das Einkommen der Großfamilie aufzubessern.

Später gelang es dem Vater, seinem begabten Sohn die Ausbildung am Pariser Konservatorium zu ermöglichen. Der »Mozart der Champs‐Élysées«, wie Giacomo Rossini Offenbach einmal nannte, konvertierte aus Liebe zu seiner Frau zum Katholizismus. 1880 starb der deutsch‐französische, jüdisch‐katholische Grenzgänger in Paris.

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