Nachruf

Grande Dame der Gemeinde

Inge Marcus sel. A. (1922–2017) Foto: Stephan Pramme

Inge Marcus war zweifellos eine Grande Dame – herzlich, großzügig, offen. Am Freitag ist die Gemeindeälteste und frühere Repräsentantin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin im Alter von 95 Jahren gestorben. Rabbiner Andreas Nachama, dessen verstorbene Eltern Estrongo und Lilli Nachama mit Inge Marcus befreundet waren, beklagt »einen großen Verlust für die Jüdische Gemeinde zu Berlin«. Inge Marcus hätte laut Nachama eine gute Juristin abgegeben, denn sie hatte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. »Wenn etwas unfair zuging, dann legte sie ihr Veto ein«, erinnert sich der frühere Gemeindevorsitzende. Das habe er in seiner Amtszeit immer wieder erlebt.

Inge Marcus war ein ausgesprochener Familienmensch. Überall in ihrem Wohnzimmer standen Fotos ihrer vier Kinder Mario, Marguerite, Marcel und Madeleine sowie von den Enkeln und Urenkeln. Auch ihr vor 15 Jahren verstorbener Ehemann Gerhard, den sie stark vermisste, war so immer bei ihr. »Ich hatte viel Glück im Leben«, sagte Inge Marcus einmal der Jüdischen Allgemeinen. Trotz der Erlebnisse während der Schoa bewahrte sie sich ihren Optimismus.

emigration Inge Marcus wurde 1922 geboren. Bis 1933 verlebte sie eine behütete Kindheit in Berlin‐Steglitz. Da sie 1938 bereits als zu alt für einen Kindertransport nach England galt, schickten ihre Eltern sie zu einer befreundeten Familie nach Großbritannien, wo Inge Marcus überlebte. Ihre Eltern Richard und Mieze Baumann sah sie jedoch nie wieder. Sie wurden deportiert und kamen in Konzentrationslagern ums Leben.

Nach dem Krieg zog es Inge Marcus nach Paris, wo sie sich mit ihrer Jugendliebe Gerhard treffen wollte. Sie hatte in England eine Ausbildung zur Säuglingsschwester absolviert und fand in Paris neben dem Mann ihres Lebens auch einen Job als Übersetzerin. 1951 zog das Paar mit seinen Kindern nach Berlin – auch mit dem Wunsch, die Jüdische Gemeinde mitaufzubauen. Inge Marcus engagierte sich im Jüdischen Frauenverein und wurde dort Vorstandsmitglied, kurz darauf zog sie unter Heinz Galinski in die Repräsentantenversammlung ein.

Auch nach ihrem Rückzug aus der aktiven Gemeindepolitik verfolgte sie deren Geschicke als gewählte Gemeindeälteste weiter. Am Dienstag wurde sie auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße beigesetzt.

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