»Who will write our History?«

Gemeinsames Erinnern

Besucher unterstützten die #WeRemember-Kampagne des World Jewish Congress Foto: Rafael Herlich

Die WIZO Frankfurt nahm am Sonntagabend an einer weltweiten Aktion zum Holocaust-Gedenktag teil: Im Rahmen ihrer Veranstaltungs-Reihe »WIZO Get’s In Touch« lud sie zum Doku-Drama Who Will Write Our History ins Philanthropin im Nordend.

Der Film der US-Regisseurin Roberta Grossman über das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto wurde simultan in 55 Länder übertragen. Abschluss des Abends war die globale Facebook-Diskussion mit Regisseurin Roberta Grossman und Produzentin Nancy Spielberg.

»Wir sind stolz, Teil dieses globalen Ereignisses zu sein.«Nicole Faktor

Event Nicole Faktor vom WIZO-Frankfurt-Vorstand hatte das bewegende Event mit ihrer Vorstandskollegin Cathy Miller, der I.E. Lichtigfeld-Schule, der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und dem Netzwerk »Frauen mit Format« organisiert. Faktor, die Grossman vor zwei Jahren in Los Angeles kennengelernt hatte, sagte: »Wir sind stolz, Teil dieses globalen Ereignisses zu sein. Jüdische und nichtjüdische Menschen sind heute hier zum gemeinsamen Gedenken an den Holocaust zusammengekommen. Das ist das Ziel von ›WIZO Get’s In Touch‹: Berührungsängste nehmen und Brücken bauen, um Fremdenhass und Antisemitismus entgegenzuwirken.«

Zigtausende Menschen hatten sich weltweit in Museen, Kinos und Theatern versammelt: Im United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C., im Museum of Tolerance in Los Angeles, in über 300 Orten vom US-Bundesstaat Alaska bis Australien und im Frankfurter Philanthropin. Aus dem Hauptsitz der UNESCO in Paris begrüßten Generaldirektorin Audrey Azoulay und Éric de Rothschild, Präsident des Mémorial de la Shoah, via Facebook die Zuschauer rund um den Globus.

Verantwortung In Frankfurt traten Nicole Faktor und Cathy Miller vor die 300 Gäste. »Es reicht nicht, uns nur zu erinnern. Wir müssen handeln. In einer Welt, in der die Aufrufe zu Gewalt und Hass immer lauter werden, müssen auch wir lauter werden. Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen von uns«, sagte Cathy Miller.

Emanuel Ringelblum baute mit 60 Mitstreitern das Geheimarchiv »Oneg Schabbat« im Warschauer Ghetto auf.

Während Who Will Write Our History lief, war es still im Saal – so eindringlich, bedrückend und bewegend sind die Bilder. Der Film, in dem sich dokumentarische und realistisch nachgespielte Szenen abwechseln, basiert auf dem Buch von Samuel Kassow. Er erzählt die Geschichte des Historikers Emanuel Ringelblum, der mit 60 Mitstreitern das Geheimarchiv »Oneg Schabbat« im Warschauer Ghetto aufbaute.

Tagebücher Um die Geschichtsschreibung nicht nur den Tätern zu überlassen, schrieben die Journalisten und Gelehrten heimlich die Gräueltaten des Holocaust und den Alltag im Ghetto auf. In Metallkästen und Milchkannen versteckten sie Tagebücher, Fotos, Filme, Zeitschriften und Alltagsgegenstände. Ein historisch einmaliger Schatz, der 1946 zum Teil in den Trümmern des völlig zerstörten Ghettos gefunden und 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Who Will Write Our History ließ die Frankfurter und Frankfurterinnen sprachlos zurück. So wie Dagmar Hesse-Kreindler von »Frauen mit Format« ging es vielen. »Man ist so fertig, dass man überhaupt nichts sagen kann.« Nach dem Gruppenbild für die #WeRemember-Aktion des World Jewish Congress gingen 300 Menschen tief berührt und nachdenklich nach Hause.

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026