Jewrovision

Gemeinsam stark

Jugendliche aus Freiburg, Emmendingen, Heidelberg und Baden-Baden (2018) Foto: Gregor Zielke

Viele Wege führen zu den Proben für die Jewrovision. »Zwölf Punkte allein für die Streckenbewältigung«, sagt Viktoria Dohmen, Jugendbeauftragte bei der Jüdischen Gemeinde Emmendingen. In puncto Anfahrtswege könne sie kein anderes Jugendzentrum überbieten, meint Dohmen.

Zwei bis drei Stunden Bahnfahrt nehmen die Kinder und Jugendlichen in Kauf, um Tanz und Gesang zu trainieren und die Gemeinschaft zu genießen. Außerdem liegen die Gemeinderäume auch nicht in unmittelbarer Nähe zu Bahnhöfen, weshalb noch mehr Zeit eingeplant werden muss. Hin- und Rückweg können durchaus sechs Stunden Fahrt ausmachen. Für die Probe geht schon einmal der ganze Sonntag drauf – was die Kinder aber nicht beeindruckt, denn sie haben Spaß.

Zwei bis drei Stunden Anreise nehmen die Kinder und Jugendlichen in Kauf.

Auch in diesem Jahr haben sich wieder die Jugendzentren Freiburg, Baden-Baden, Heidelberg und Emmendingen zusammengetan und werden unter dem Namen »Fantastic 4 JUJUBA« ihren Act gemeinsam performen. Neu ist, dass nun auch ein Zwölfjähriger aus Lörrach mitmacht. Geprobt wird überwiegend in Freiburg. Aber es gab auch ein Camp in Mannheim, wo die Kinder intensiv an ihrer Performance feilen konnten.

Video »Wir haben das Video beim Zentralrat eingereicht, nun gibt es kein Zurück mehr«, sagt Viktoria Dohmen und lacht. Ein Abbruch stand natürlich auch nie zur Diskussion, denn die Kids freuen sich schon sehr auf den 2. Februar. Das Niveau steige Jahr für Jahr, stellt Dohmen fest. Man müsse da mithalten, weshalb bereits vor fast sechs Monaten die Probenarbeit begann. Neben Musikalität sind auch Eigenschaften wie Disziplin, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen wichtig.

Dabei sein sei für sie alles. »Unsere Kinder hoffen auf nichts, sie streben keinen vorderen Platz an«, nimmt Viktoria Dohmen etwas den Erfolgsdruck. Für sie als Jugendbeauftragte sei es wichtig, dass die Jungen und Mädchen etwas von der Jewrovision mitnehmen, auch von dem vorgegebenen Thema. »Ich staune immer wieder, wie kreativ sie sind.«

Startreihenfolge Etwa zweieinhalb Stunden Fahrt planen auch die drei Mädchen aus Rottweil ein, die sich dem Jugendzentrum Mannheim angeschlossen haben, um zu den Proben zu gelangen. Auf der Rückfahrt am Sonntag erledigen sie Hausaufgaben und sprechen über die Jewrovision und die Startplatzierung, die am Vormittag ausgelost und live übertragen wurde.

»Wir starten an sechster Position, was sehr gut ist«, sagt Nastya Synelnykova. Denn das sei noch vor der Pause, und außerdem können sie so noch die anderen Gruppen anfeuern. »Vor allem die kleineren Jugendzentren wollen wir unterstützen.« Für die 18-Jährige wird es die letzte Jewrovision sein, denn sie wird zu alt. Sie hat 2013 das erste Mal teilgenommen, als die Jugendzentren sich auch erstmals zusammengeschlossen hatten.

Ruhrgebiet Im Ruhrgebiet liegen die Orte dichter beieinander. Gerade einmal 20 Minuten braucht der Zug von Bochum nach Dortmund. Das Jugendzentrum Atid aus Bochum konnte bisher keinen eigenen Auftritt organisieren. Aber weil die Jugendlichen häufig im Bus gemeinsam mit den Dortmundern zu den jeweiligen Austragungsorten fuhren, kam die Idee auf, es einmal gemeinsam zu versuchen.

»Es sind sozusagen alles Neulinge«, sagt Melissa Vatner, 15 Jahre alt, Madricha im Dortmunder Jugendzentrum Emuna. Die Proben beginnen mit einem Aufwärmtraining, dabei sollen sich die Akteure erst einmal besser kennenlernen. Auf der Bühne werden 17 Sänger und Tänzer ihr Bestes geben – einige von ihnen haben noch keinerlei Vorkenntnisse. »Aber man sieht jetzt schon, was für große Fortschritte alle in den vergangenen Wochen gemacht haben.«

Sie üben nicht nur bei den offiziellen Proben, sondern auch zu Hause – und selbst beim Einkaufen. »Ein Junge hat mir erzählt, dass er in einem Laden den Song hörte und er sofort tanzen musste.« Sie sei glücklich zu sehen, wie es den Kindern gefällt. »Sie geben ihr Bestes, haben Spaß – welcher Platz herausspringt, spielt keine Rolle.« Und Jugendzentrumsleiter Anton Tsirin lobt die Kids: Sie sind sehr selbstständig und organisieren sich super.

Wettstreit Während Katie Katz nicht weit vom Düsseldorfer Jugendzentrum Kadima entfernt wohnt, das sie derzeit leitet, muss ihr Mann Aaron Katz mindestens eine Stunde Fahrzeit einplanen. Denn er engagiert sich beim Kölner Jugendzentrum Jachad. Im Juli haben die beiden geheiratet – wenig später waren die ersten Termine zur Jewrovision. Für sie in Düsseldorf, für ihn in Köln.

»Etwas schwierig war die Situation schon«, sagt die 28-Jährige. Erst als die Texte fertig waren, konnten sie sich darüber austauschen. »Aber nun unterstützen wir uns gegenseitig.« 28 Kinder werden für Düsseldorf auf der Bühne stehen. Hier war die Nachfrage so groß, dass es im Herbst Castings gab. »Jeder von uns will natürlich in Frankfurt gewinnen. Aber ich gönne der Truppe meines Mannes den ersten Platz«, sagt Katie Katz.

special ACT Die weiteste Anreise dürfte Netta Barzilai haben. Denn die Gewinnerin des Eurovision Song Contest vom vergangenen Jahr kommt aus Israel und wird den Special Act performen. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt übernimmt einen großen Teil der Kosten.

Ein Junge hörte seinen Auftrittssong und tanzte beim Einkaufen.

Nur wenige Kilometer Weg haben hingegen die Kinder und Musiker für den Eröffnungsact, den die Jugendlichen gemeinsam mit den Frankfurter Sinfonikern unter Dirigent Igor Budinstein gestalten. Mehr als 40 Kids werden dann auf der Bühne stehen. Ihr Ziel: als Gastgeber eine gute Show abliefern. »Wir sind immer noch glücklich über unseren Sieg«, sagt Zvi Bebera. 16 Jahre lang haben sie alles gegeben – doch nie hatte es zu einem Sieg gereicht. Der erste Platz gelang erst im vergangenen Jahr. Der Weg zur Bühne ist zwar der kürzeste, gilt aber als der schwierigste.

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