Veranstaltung

Gedenken an Babi Jar

Der Männerchor Druschba der IKG umrahmte die Gedenkstunde. Foto: Marina Maisel

Babi Jar steht für eines der größten Massaker des Holocaust. Im Gedenken an die Opfer fand im Hubert‐Burda‐Saal des Jüdischen Gemeindezentrums eine Gedenkstunde statt. Veranstaltet wurde sie von der Israelitischen Kultusgemeinde und dem NS‐Dokumentationszentrum München. »Gemeinsam gedenken wir heute der Opfer des Massakers«, leitete IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch den Abend ein. »Wir erinnern an die 33.771 jüdischen Frauen, Männer und Kinder, die am 29. und 30. September 1941 in einer Schlucht vor den Toren Kiews zusammengetrieben und erschossen wurden.«

Andenken Ihr Anliegen, die Opfer aus der Dunkelheit des Vergessens zu entreißen, ihnen Namen und Gesicht wiederzugeben, sei der Aufmerksamkeit vieler einzelner Gemeindemitglieder zu verdanken, hob sie hervor. Diesen dankte sie, »dass Sie uns die Geschichte Ihrer Familienangehörigen oder Freunde erzählt und uns geholfen haben, deren Andenken in Ehre und Würde zu bewahren«.

Dies geschah am Ende der Veranstaltung in besonders beeindruckender Weise. Die Beleuchtung im Hubert‐Burda‐Saal erlosch, die einzige Lichtquelle war die an die Bühnenwand projizierte Aufnahme der Einladungskarte zur Feierstunde mit der Menora in der Gedenkstätte. Davor waren nur die Silhouetten zweier Männer zu sehen. Umso eindrucksvoller erreichte dann die Stimme von Armand Presser die Anwesenden, als er die Namen der Opfer vorlas, musikalisch begleitet von Vladimir Gaba.

Forschung Was am 29. und 30. September vor 70 Jahren in Babi Jar geschehen war, hatten zuvor Charlotte Knobloch und Michael Kaufmann vom NS‐Dokumentationszentrums beleuchtet. Auf die Details eingegangen war dann Anatolij Podolskyj vom Zentrum für Holocaustforschung in Kiew in seinem Vortrag, den er unter den Titel »Holocaustgedenken in der Ukraine: Herausforderungen der heutigen Zeit« gestellt hatte.

Babi Jar und Auschwitz, so zitierte er den ukrainischen Schriftsteller und Dissidenten Iwan Dsjuba, seien Symbole des Holocaust. Mit der Souveränität der Ukraine vor 20 Jahren, fuhr der Wissenschaftler fort, sei die Möglichkeit gekommen, offen über die Tragödie von Babi Jar zu sprechen, zu schreiben, zu forschen, Dokumente zu veröffentlichen, Filme zu machen, Kunstwerke zu schaffen und an jenem Ort Denkmale aufzustellen.

»Doch«, so Podolskyj, »zu meinem großen Bedauern ist mein Land noch immer ein posttotalitärer Raum, und deshalb ist die Geschichte von Babi Jar noch immer nicht als Bestandteil der eigenen nationalen Geschichte im kollektiven Gedächtnis der Ukrainer verankert.« Zu den Herausforderungen an die Gegenwart gehöre deshalb »die Verortung des jüdischen Erbes, der ukrainisch‐jüdischen Beziehungen, der jüdischen Kultur insgesamt in einer modernen Konzeption der ukrainischen Geschichte und Geschichtsschreibung«.

Partnerstadt Dazu beitragen will auch die Stadt München. Das betonte Stadtrat Siegfried Benker in seinem Grußwort in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Ude. Es sei kaum zu glauben, dass es 70 Jahre nach den Verbrechen der Nationalsozialisten in der Zeit der Städtepartnerschaft – und diese gibt es zwischen München und Kiew immerhin seit Mitte der 80er‐Jahre – kein Projekt der Stadt München mit Kiew zur Erinnerung an dieses Verbrechen gegeben hat. Dies sei ihm in Gesprächen mit Vertretern der befassten Abteilungen im Rathaus und im Kulturreferat bestätigt worden.

Benker meinte: »Sicher gibt es keine direkte Verbindung von München zu dem Verbrechen von Babi Jar, aber es gibt eine indirekte: Die Ideologie, die zum Massenmord von Babi Jar führte, wurde hier in München entwickelt, hier wurden die Nazis groß und nicht bekämpft, als man sie vielleicht noch hätte bekämpfen können. Was in Babi Jar umgesetzt wurde, begann hier in München.«

Projekte So habe er mit dem Oberbürgermeister zwei Projekte besprochen, die er bei der Veranstaltung ankündigte: Im Dokumentationszentrum unter Leitung von Irmtrud Wojak, das 2014 eröffnet werden soll, ist für 2016 zum 75. Jahrestag ein gemeinsames Projekt geplant. Was die Partnerschaft mit Kiew betrifft, soll die Stadt München eine Gedenktafel oder ein Kunstwerk – über diese Umsetzung muss gesprochen werden – am Ort des Verbrechens anbringen. Dies, so Benker, »sind Schritte, die der Stadt München möglich sind, um Babi Jar dem Vergessen zu entreißen«.

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