Münster

Gastfreundlich und barrierefrei

Planschmiede in Münster: Sharon Fehr (l.), und Architekt Nathan Schächter Foto: Jörg Heithoffl

Nach Sukkot kommen die Handwerker. Das Zentrum der Jüdischen Gemeinde Münster wird ausgebaut. »Die Finanzierung steht. Es kann losgehen«, freut sich Sharon Fehr, ihr erster Vorsitzender. Mehr als eine Million Euro will man investieren. Nach sechs bis acht Monaten Bauzeit soll es dann mehr Raum für Kultur, Soziales – kurz für das jüdische Leben der mehr als 750 Mitglieder zählenden Gemeinde geben. Und der 50 Jahre alte Gebäudekomplex wird dann erstmals komplett behinderten- und seniorengerecht sein.

Der im März 1961 eröffnete und vom Kölner Architekten Helmut Goldschmidt geplante und realisierte Gebäudekomplex in der Klosterstraße an Münsters Promenade war damals auf etwa 130 Gemeindemitglieder ausgelegt. Doch heute ist die jüdische Gemeinde Münsters etwa sechsmal so groß. »Wir platzen hier aus allen Nähten«, berichtet Fehr. Es gebe Gemeindemitglieder, die den Veranstaltungen fernbleiben, weil sie das Gedränge störe.

behindertengerecht Zudem will man sich in Münster auf den demografischen Wandel einstellen. »Die alternde Gesellschaft macht auch vor der jüdischen Gemeinde nicht halt. Ein senioren- und behindertengerechtes Gemeindezentrum bekommt eine wachsende Bedeutung«, erläutert Fehr.

Dem Gebäudekomplex im typischen Stil der 60er-Jahre fehlen barrierefreie Zugänge und Aufzüge. Einen Teil der Bausumme investiert die Gemeinde daher in einen Innenaufzug sowie eine Rollstuhlauffahrt im Eingangsbereich. Im Souterrain entsteht eine komplett behindertengerechte WC-Anlage, die dann dank Aufzug auch für Gehbehinderte problemlos erreichbar sein wird.

Darüber hinaus soll ein Flügel der Anlage aufgestockt werden. Bis zu 300 Gäste wird der neue Mehrzweckraum fassen. Die Beleuchtung wurde für Sehbehinderte optimiert genau wie die Ton- und Projektionsanlage. »Hier können wir künftig auch für diese Zielgruppe Film- oder Dia-Abende anbieten«, berichtet der Vorsitzende. Im Souterrain entsteht ein Küchentrakt.

Bewirtung »Für ein selbstbestimmtes Gemeindeleben ist die Küche von zentraler Bedeutung«, meint Fehr. »Im Übrigen ist es Teil jüdischer Gastfreundschaft, Gäste angemessen bewirten zu können«, sagt er. Die zweigeteilte Küche genügt nicht nur den Speisegesetzen, sondern ist ebenfalls für Rollstuhlfahrer nutzbar, sodass dort auch Kochkurse stattfinden können.

Die Ausbaupläne gibt es schon länger. Doch die Gemeinde musste erst die finanziellen Mittel akquirieren. Vor wenigen Wochen hatte Fehr die Förderzusagen zusammen: Neben Geldern des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe und dem Jüdischen Gemeindefonds gibt es Mittel der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und einen Zuschuss aus der Lotterie »Ein Platz an der Sonne«.

Der größte Einzelbetrag – etwa 361.000 Euro – stammt aus den Gewinnausschüttungen der Sparkasse Münsterland Ost. 955.000 Euro sammelte Fehr ein. Die fehlende Summe von knapp 127.000 Euro will die Gemeinde finanzieren. »Weitere Kosten werden uns für Sanierungsarbeiten in der Synagoge entstehen«, schätzt Fehr.

Abschlussfest Während der Bauphase im Herbst und Winter läuft das Gemeindeleben weiter. »Gottesdienste, Sprach- und Religionsunterricht, Sprechstunden der Sozialarbeit und Jugendclub finden auch in der Bauzeit statt«, versichert Fehr. Auch die Bibliothek der Gemeinde sei weiter nutzbar. Wenn die Bauarbeiten im Frühling abgeschlossen sind, will die Gemeinde ein großes Fest feiern.

Sharon Fehr dazu: »Eigentlich hätten wir vor drei Monaten feiern müssen. Da sind Synagoge und das Gemeindezentrum 50 Jahre alt geworden. Doch wir wollten erst den Umbau hinter uns bringen. Das Fest werden wir nachholen, wenn alles fertig ist. Denn dann haben wir endlich viel Platz für Gäste.« Zum großen Fest will die Gemeinde auch ein Jubilumsbuch herausgeben. »Wir wollen die Geschichte der Gemeinde von 1950 bis heute dokumentieren«, kündigt Fehr an.

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