Sukkot

Gäste willkommen

Kennt die Sukka in der Rykestraße noch aus Kindertagen: Gabbai Hermann Simon Foto: Marco Limberg

»Ich kenne diese Sukka, seitdem ich denken kann«, sagt Hermann Simon. Der Gründungsdirektor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum ist seit vielen Jahren Gabbai in der Synagoge Rykestraße. Und genau hier steht sie: die wohl älteste Sukka Berlins. »Sie dürfte knapp 100 Jahre alt sein«, erklärt Simon. An Sukkot sitzen die Beter dort nach dem Gottesdienst zusammen, essen, trinken, singen und unterhalten sich.

»Sie dürfte knapp 100 Jahre alt sein«, erklärt Hermann Simon.

Die Synagoge Rykestraße befindet sich auf dem Hof des zur Straße hin schmalen Grundstücks in einer typischen innerstädtischen Berliner Hinterhaus-Wohnanlage – ein Umstand, der während der Pogromnacht 1938 ihre vollständige Zerstörung verhinderte: Nachbargrundstücke sollten durch ein Feuer nicht gefährdet werden. Jedoch wurde das Innere des Gotteshauses geschändet, während die Brandstifter der Sukka hingegen keine weitere Beachtung schenkten: Die Laubhütte blieb verschont.

»Die Nazizeit und den Krieg hat sie unbeschadet überstanden«, heißt es beim Architekturbüro Freitag-Hartmann-Sinz, das mit der Sanierung der Sukka beauftragt wurde. Und auch in späteren Jahren beschäftigte sich kaum jemand mit der Laubhütte – sie blieb weitestgehend unbeachtet. Als 2011 die Sanierungs- und Umbauarbeiten begannen, gab es niemanden mehr, der Auskunft über sie geben konnte.

KLAPPDACH Während die meisten Laubhütten nur für Sukkot aufgebaut werden, ist diese Sukka eine Ausnahme: Zwar war sie als »demontierbares, mit Häkchen und Riegeln ausgestattetes Holzhaus gedacht, abgebaut wurde sie jedoch nie«, sagen die Architekten. Allein der Zahn der Zeit habe an dem kleinen Bau genagt, was eine Sanierung erforderlich machte.

Die alte Konstruktion wurde so weit wie möglich erhalten, lediglich das geschlossene Klappdach ersetzten die Architekten durch eine gläserne Version – diese ermöglicht es nun, auch bei mitteleuropäisch-herbstlichem Wetter dem freien Himmel näher zu sein. Und die Hütte wurde vergrößert, sodass mehr Beter Platz darin finden.

Die Sukka der Synagoge in der Joachimsthaler Straße in Berlin-Charlottenburg wurde hingegen erst dieser Tage aufgebaut. Sie ist 180 Quadratmeter groß und bietet bis zu 170 Menschen Platz. Und da die Betergemeinschaft immer weiter wächst, wird zusätzlich noch ein Zelt aufgestellt, in dem etwa 30 Leute Platz finden.

Rabbiner Yitshak Ehrenberg sagt, dass die Laubhütte sowohl »sehr, sehr groß« als auch »sehr, sehr schön« sei. Sie wird mit grünem Laub bedeckt. Jeden Tag werden Mahlzeiten in der Sukka eingenommen, bereits zum Frühstück treffen sich dort die Beter. Und in diesem Jahr wird es auch eine Heizung in der Laubhütte geben.

HEIZUNG Warum sitzen Juden zu Sukkot eigentlich in einer Laubhütte unter freiem Himmel? Welche Rolle spielen die Gäste? Und warum wird die Sukka so bunt geschmückt? Diesen Fragen gehen die Kinder der Synagoge Fraenkelufer am 13. Oktober auf den Grund. Außerdem soll Schmuck gebastelt werden, um die Laubhütte damit zu verschönern. Danach gibt es für die Kinder Essen in der Sukka. Am 16. Oktober lädt die Kreuzberger Synagoge zu einem »Abend mit Musik, Freunden, Trinken und Lernen« in die Sukka des Gotteshauses ein – samt Jam-Session, die vom Zentralrat der Juden gefördert wird.

Die Gemeindemitglieder schmücken die Sukka mit Bambusmatten, Früchten und Bildern.

Charlottenburg Aus den 90er-Jahren stammt die Laubhütte des Seniorenzentrums in Berlin-Charlottenburg. Sie besteht aus einzelnen Platten und wird während des Jahres in einem Abstellraum aufbewahrt. Sie wurde schon vor Rosch Haschana aufgebaut, der Elektriker kam, um die Neonröhre anzubringen; später wurde eine Heizung eingebaut. 70 bis 80 Personen – Bewohner des Seniorenzentrums, deren Gäste und Freunde – können in dieser Sukka Platz nehmen. Vorhänge und Bilder lassen sie wohnlich wirken. Bei einer Sukkot-Party am 17. Oktober lässt die Igor-Ginzburg-Band Klezmermusik erklingen.

Nach den Gottesdiensten werden die Beter von Sukkat Schalom die Laubhütte aufsuchen. »Früher am Hüttenweg hatten wir ja eine eigene, aber hier haben wir einfach keinen Platz«, sagt Liam Rickertsen, Vorsitzender der Synagogengemeinde. Denn vor ein paar Jahren konnte die Beterschaft an die Dernburgstraße ziehen. Die Sukka sei relativ groß und biete Platz für etwa 50 Beter, kann aber nun nicht aufgestellt werden. »Da sind wir glücklich, dass wir in die des Seniorenzentrums dürfen.«

BAUKASTEN Mit etwa 80 Betern rechnet Rabbiner Reuven Yaakobov zu Sukkot in der Synagoge Tiferet Israel. Zumindest finden so viele Beter Platz in der Laubhütte, die nun auf dem Innenhof der Passauer Straße steht. Mehrere Treppen müssen die Beter nach dem Gottesdienst hinuntersteigen. Es soll auch eine Grillparty und ein großes Angebot für die Kinder geben. Morgens und abends treffen sich die Beter zum Essen in der Sukka. »Ich hoffe auf schönes Wetter«, sagt Rabbiner Yaakobov.

Nach dem Baukastenprinzip wird die Sukka der Synagoge der Berliner Pestalozzistraße jedes Jahr aus den gleichen Bestandteilen neu zusammengesetzt. Mit dem Bau der Hütte, in der bis zu 100 Menschen Platz finden, wird jährlich eine Firma beauftragt. Die Gemeindemitglieder schmücken die 60 Quadratmeter große Sukka dann mit Bambusmatten, Früchten und Bildern. Und auch die Kinder werden mit von der Partie sein.

Außerdem freuen sich die Beter schon jetzt auf den nächsten Feiertag: Simchat Tora. Shirley Nachama und Noga Bruckstein bieten dann ein Programm für Schulkinder an, bei dem sie vieles über die jüdischen Bräuche und Traditionen lernen – und selbst Tüten für die Süßigkeiten basteln können.

MOBIL Eine nagelneue Sukka haben die Beter des Jüdischen Bildungszentrums von Chabad Lubawitsch in der Münsterschen Straße in Wilmersdorf aufgebaut, sagt Rabbiner Shmuel Segal. Ferner gebe es eine beim Studentenwohnheim am Alexanderplatz für etwa 80 Interessierte, ferner eine mobile Laubhütte. »Die ist unterwegs zu Menschen, die nicht in der Lage sind, eine feste aufzusuchen«, so der Rabbiner. Beispielsweise fahre sie zu den Kliniken. Der Platz reiche etwa für acht Beter. Am 17. Oktober wird in der Münsterschen Straße eine »Sukkot-Party« gefeiert – mit Musik und koscherer Pizza.

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