Duisburg

»Für die Kinder da sein«

Leonid Chraga Foto: Alexandra Roth

Am Mittwoch gingen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien zu Ende. Für Leonid Chraga hatten sie aber gar nicht erst begonnen. Seit dem 1. Mai ist der 31-Jährige in der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen als Jugendleiter und Referent des Vorstandes tätig. Eine Pause gönnte er sich auch in den Ferien nicht, denn das Jugendzentrum sollte durchgehend geöffnet sein. Chragas Anspruch: Immer für die Jugendlichen erreichbar sein.

»Auch wenn die Zahl im Sommer nicht besonders hoch ist, wollen wir für die Kinder da sein, die vielleicht nicht in Urlaub fahren konnten«, erklärt Chraga. Er hat eine volle Stelle in Duisburg, kann sich also stärker engagieren als ein Jugendleiter in Teilzeit oder Ehrenamt.

Herausforderung Eine große Neuerung steht mit dem Beginn des neuen Schuljahres an. Die Gemeinde wird einmal wöchentlich ihr Programm auch in Mülheim anbieten. »Es ist eine große Herausforderung, dass die Gemeinde so auseinandergezogen ist«, erklärt Chraga. Die Jugendarbeit nach Mülheim – und später auch nach Oberhausen – zu bringen, soll dabei helfen, für eine stärkere Bindung zwischen den Mitgliedern und der Gemeinde zu sorgen.

Auch in Duisburg, wo das Jugendzentrum seinen Sitz hat, sollen neue Angebote entstehen. So wird zum Beispiel die Sonntagsschule wieder zum Leben erweckt. »Wenn die Kinder kommen, um hier zu malen, finden sie vielleicht auch Gefallen an anderen Dingen, an jüdischen Themen.«

Die Mädchen und Jungen, die sonntags in die Gemeinde kommen, möchte er dazu motivieren, sich selbst einzubringen und das Programm zu bereichern. Chraga ist zuversichtlich: »Die Generationen nach mir sind voll integriert. Aber viele haben ein jüdisches Bewusstsein. Und bei den meisten besteht auch die Bereitschaft, dieses Bewusstsein weiterzugeben.«

Facebook Helfen soll dabei das, was so viele andere kritisch sehen: die Nutzung sozialer Netzwerke im Internet. Leonid Chraga sieht zum Beispiel Facebook nicht als Konkurrent, sondern als Chance: »Es hat auch einen großen Nutzen, dass die Kinder und Jugendlichen dort vernetzt sind – wir können mit ihnen kommunizieren.« Und es sei in diesem Alter schlicht »cooler«, die Teilnahme an einer Veranstaltung des Jugendzentrums dort mitzuteilen, als dafür telefonieren zu müssen. Außerdem sei Feedback immer möglich, »die Kinder können sich immer an mich wenden. Rund um die Uhr erreichbar zu sein, das ist eine Herausforderung. Aber sie wissen, dass ich nachts auch noch etwas schlafen möchte.«

Die erste große Veranstaltung unter Federführung von Leonid Chraga findet am Sonntag statt. Dann steht das Sommerfest des Jugendzentrums an. In die Vorbereitungen hat der Jugendleiter auch die kleinen Besucher eingebunden, die ein Musiktheaterstück erarbeitet, Tänze einstudiert und Requisiten gebaut haben. Doch sogar »Bullriding« steht auf dem Programm. »Es muss einfach auch Aktion da sein.«

Chraga kann schon lange beobachten, was Kinder und Jugendliche anlockt. »Ich bin praktisch in der Bochumer Gemeinde aufgewachsen und habe das Jugendzentrum dort mit aufgebaut«, erklärt er. Nach dem Studium weiter in diesem Bereich zu arbeiten, sei für ihn folgerichtig gewesen. »Es geht mir um die Nachhaltigkeit«, sagt Chraga. »Wenn man in die Kinder investiert, bekommt man immer ein schönes Feedback.«

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026