Kaiserslautern

Fünf Bücher für die Schul

Der erste Schneesturm des Jahres tobte draußen auf den Straßen von Kaiserslautern, als drinnen, in der Synagoge, die neue Torarolle ihren Ehrenplatz im Schrein fand. Am vergangenen Sonntagmittag kamen knapp 150 Menschen ins jüdische Gotteshaus der pfälzischen 100.000-Einwohner-Stadt, um diesem historischen Ereignis beizuwohnen. Eigentlich hätte man die Feierstunde gerne auf dem Synagogenplatz begonnen, aber das vorwinterliche Wetter ließ nur einen »kleinen Weg« zu. Die Ehre, die neue Sefer Tora in die Synagoge zu tragen, oblag Kantor Moshe Tsrouya.

Bald darauf vollendete Rabbiner Yitzhak Hoenig das Pergament mit den letzten zwölf Buchstaben des Fünften Buches Mose per Hand.

Zweite Tora Tatsächlich war es in diesem Jahr schon das zweite Mal, dass Yitzhak Hoenig diese Ehre zuteilwurde. Am 3. Juli durfte er bereits die neue Torarolle in der Synagoge Beith Schalom in Speyer vollenden, die genauso zur Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz gehört wie Kaiserslautern auch. Somit stemmte diese nur 618 Mitglieder kleine Gemeinde im Südwesten Deutschlands im Jahr 2017 zwei Torakäufe im Wert von rund 50.000 Euro. Freilich wurde das Gros der Kosten durch Spenden gedeckt, die aber auch erst einmal organisiert werden wollen. Besonders hervorgetan haben sich hierbei die evangelische Kirche der Pfalz und das katholische Bistum Speyer, die jeweils 5000 Euro beisteuerten.

Die Jüdische Kultusgemeinde selbst stiftete 6000 Euro. Und der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde, Israil Epstein, gab 4000 Euro aus der eigenen Schatulle und 1000 Euro als Unternehmer dazu. Zahlreichen weiteren Spendern, die im vier- und dreistelligen Bereich Geld gaben, wurde am Ende der Zeremonie ein Dankes-Zertifikat überreicht.

Einer der Ehrgengäste war Rabbiner Jehuda Puschkin, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. »Ein herzliches Masel tow für die neue Torarolle«, wünschte er den Rheinpfälzern: »Möge ein jeder von euch sein Erbe in dieser Rolle finden!«

Nur drei Tage nach dem Gedenken zum 9. November erlebe man in Kaiserslautern nun eine der höchsten Freuden. Doch habe die Geschichte bewiesen, dass Juden immer wieder die Kraft aufbrachten, nach Pogromen und Vernichtung ihre Gemeinden neu aufzubauen. In Kaiserslautern geschah dies vor 52 Jahren. Dennoch sei ein jeder anständige Mensch aufgerufen, Rechtsextremismus und Judenfeindlichkeit zu bekämpfen, wo immer diese auftreten.

Landesregierung Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf überbrachte die Grüße der Landesregierung. Sein Land blicke auf eine vergleichsweise große jüdische Tradition, verwies Wolf auf das aschkenasische Judentum, das entlang der Rhein-Städte Mainz-Worms-Speyer seine Wiege hat. Somit sei es nur konsequent, dass sich jene drei SchUM-Städte derzeit bemühten, den Status als Weltkulturerbe von der UNESCO zu erhalten. Der Minister hofft, bis zum Jahr 2021 einen positiven Bescheid im Briefkasten zu finden.

Die Landesregierung werde weiterhin alles ihr Mögliche tun, um jüdische Einrichtungen zu schützen und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus vorzugehen.

Dem stimmte Mark Dainow, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zu. Auch er warnte in dieser großen Runde vor »Hetzern, Populisten, Spaltern und Geschichtsrevisionisten«, denen man niemals das Feld überlassen dürfe: »Mit uns nicht! Nicht mit diesem Deutschland!« Umso erfreulicher sei somit eine Toraeinbringung: Es sei ein »Grund für Zuversicht«, ein Beleg, dass sich »jüdisches Leben hier in Kaiserslautern zu Hause fühlt«.

Gäste Unter den Gästen zur Toraeinbringung war auch Oberbürgermeister Klaus Weichel. Er nannte sie »ein seltenes Ereignis, das man als Bürgermeister nur einmal erleben wird«. Kaiserslautern sei stolz auf die jüdische Kultusgemeinde. Sie bereichere das kulturelle Leben, nicht zuletzt bei den Benefizkonzerten zugunsten des Torakaufs.

Das letzte Wort, bevor das Buffet eröffnet wurde, gebührte Israil Epstein, der zu Recht von einem »gleichsam erfreulichen wie bedeutsamen Tag für unsere Gemeinde« sprach.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Chor der Jüdischen Kultusgemeinde unter Dirigentin Faina Vashinskaja und den Musikern Igor Tabachnik, Saxophon, Daniel Spektor, Violine, und Zhana Minasyan am Klavier.

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