München

Freiheit zeichnen

Moran Haynal stellt seine Pessach-Geschichte im Gemeindezentrum aus

von Miryam Gümbel  05.04.2011 09:09 Uhr

Buchstaben werden zu Bildern: Bei Moran Haynal steht das Thema Freiheit im Zentrum seines Schaffens. Foto: Myriam Gümbel

Moran Haynal stellt seine Pessach-Geschichte im Gemeindezentrum aus

von Miryam Gümbel  05.04.2011 09:09 Uhr

Das Lesen der Haggada zu Pessach ist so selbstverständlich und vertraut, dass man sich kaum Gedanken über die Vielfalt der Gestaltungsweisen zu dieser Schrift macht. Eine zugleich traditionsbewusste wie zeitbezogen aktuelle Ausgabe hat nun Moran Haynal geschaffen. Bis zum 29. April sind im Foyer des Gemeindezentrums rund die Hälfte der Blätter zu seiner Pessach-Geschichte ausgestellt.

Pessach erinnert an die Befreiung aus Ägypten. Das Thema Freiheit hat in der Geschichte des jüdischen Volkes aber noch weitaus häufiger eine Rolle gespielt, nicht zuletzt nach der Schoa. Die Vielfalt der Ereignisse hat stets auch in der Gestaltung der Haggada ihren Niederschlag gefunden, so auch in der Version von Moran Haynal. Inhaltlich reicht die Bandbreite seiner Illustrationen von der Schilderung der biblischen Plagen bis zu Persönlichkeiten und Szenen aus dem Israel von heute.

Widerspruch Bei der Vernissage hat Ellen Presser, Leiterin des Kulturzentrums der IKG, als Veranstalterin auf den möglichen Widerspruch hingewiesen, der sich aus dem dritten Gebot »Du sollst dir kein Bildnis machen... « und der Arbeit von Künstlern, die als gesetzestreue Juden leben. Das, so betonte sie, gelte nicht nur für das Bild, sondern auch für das Wort. Deshalb hatte sie als Referenten zur Ausstellungseröffnung Benjamin Stein eingeladen, der vor kurzem für seinen Roman Die Leinwand mit dem Tukan-Preis ausgezeichnet worden ist.

Zwischen beiden Künstlern liegt altersmäßig eine Generation. Haynal wurde 1949 in Budapest geboren, Stein 1970 in Ost-Berlin. Beide sind im Ostblock groß geworden, in dem jüdisches Leben nicht selbstverständlich war. Und: Beide leben heute als observante, also die Religionsgesetze einhaltende Juden in der Münchner Gemeinde, zählen, wie Ellen Presser es formulierte, »zum Minjan, lesen beim Gebet dieselben Texte, halten Schabbat, entdecken ihre jeweils verschiedenen künstlerischen Welten«. Der eine ist Schriftsteller und Literat am PC, der andere ein Schrajber, ein Sofer mit Feder und Gänsekiel. Beide sind sie dem dritten Gebot unterworfen. Und doch geben sie die Welt in Bildern wieder, in gezeichneten und in beschriebenen.

befreiung Der Schriftsteller Benjamin Stein setzte sich in seinem Vortrag in Worten mit diesem scheinbaren Widerspruch auseinander. Er las dabei auch ein Kapitel aus seinem gerade entstehenden neuen Roman Pan schweigt. Inspiriert wurde der Schriftsteller dazu auch von Gemälden von Moran Haynal. In dem vorgetragenen Kapitel ging es um einen Ausstellungsbesuch, in dem Stein wieder einmal die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion weitgehend dem Leser überlässt. Grenzgänge werden dabei deutlich, zwischen Fakten und Emotion ebenso bei den Assoziationen, die Worte und Bilder auslösen können.

Die Befreiung steht im Mittelpunkt. Die, die bereits geschehen ist, und diejenige, die immer wieder neu anzustreben ist. Dass Haynal, der sich 1990 für die Aliya und für Israel entschieden hatte, in seiner Gedankenwelt auch stark von den politischen Geschehnissen und den Intifadas im Land beeindruckt wurde, ist auf den Bildern ebenfalls zu sehen. Wenn ein Künstler, ob als Schriftsteller oder in der darstellenden Kunst, in seiner Arbeit Abbilder schafft, darin sieht Stein durchaus eine Lösung im scheinbaren Dilemma mit dem dritten Gebot: »Was wir tun, tun wir nicht aus Opposition, sondern aus Liebe. Und was man aus Liebe tut, kann nicht schlecht sein.«

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