Jugendkongress

Fragen, Austausch, Hawdala

Konzentriert: Die jungen Erwachsenen diskutierten auf dem JuKo aktuelle gesellschaftspolitische Themen. Foto: Gregor Zielke

Jacob Weizman
ist 29 Jahre alt und lebt in München, wo er Solaranlangen vertreibt. Jacob hat zum ersten Mal an einem Jugendkongress teilgenommen.

Der Auftritt von »Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt hat gemischte Reaktionen bei den Teilnehmern hervorgerufen. Ich persönlich kann mich nur positiv dazu äußern. Jemanden in seiner Position als Redner für den Jugendkongress gewonnen zu haben, der sich ohne eigenen jüdischen Hintergrund so für uns einsetzt, finde ich besonders bemerkenswert. Durch den »Juko« hat man eben auch die Möglichkeit, nach so einem Auftritt zu dem Referenten hinzugehen und einfach einmal persönlich Danke zu sagen.

Dan Rattan
Der 27‐Jährige studiert Journalismus und Strategische Kommunikation in München. Er ist zum ersten Mal bei einem Jugendkongress dabei gewesen.

Ich war zum ersten Mal hier und fand es spannend zu sehen, was passiert, wenn so viele junge jüdische Menschen aus ganz Deutschland zusammenkommen, sich austauschen und Ideen sammeln. Genau die Altersgruppe des Juko ist besonders wichtig. Das ist eine Lebensphase, in der man nicht mehr auf Machane fährt; viele ziehen in andere Städte. Gerade in dieser Zeit kommt es aber darauf an, die Leute im jüdischen Kontext zu halten. Besonders interessant war die Konversation zwischen den Journalisten Amos Harel und Amit Segal über die Wahlen in Israel. Auch weil das oft ein schwierig zu durchblickendes Thema ist, wenn man in der Diaspora lebt und kein Hebräisch lesen kann.

Jessica Mescheritzki
ist 19 Jahre alt. Sie studiert Kommunikationswissenschaften in Holland und hat zum ersten Mal am Jugendkongress teilgenommen.

Ich habe an einem Workshop von Tobias Ginsburg teilgenommen, bei dem es um rechtsextreme Verschwörungstheorien ging. Wenn ich davor an Verschwörungstheorien gedacht habe, kamen mir meist abstruse Spaghettimonster in den Sinn, nicht automatisch Antisemitismus. Ginsburgs Workshop hat mir einen Einblick in eine mir fremde Welt gegeben, besonders durch seinen persönlichen Input. Er hat aus seinem Buch Die Reise ins Reich vorgelesen, was dem Ganzen einen ganz besonderen Effekt verliehen hat. Für mich hat sein Workshop viele Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel: Wie schafft man es, sich nach so einer Erfahrung nicht zu verlieren?

Jean David Sigaux
ist 35 Jahre alt. Er wurde in Paris geboren und wuchs dort auf. Er arbeitet als Ökonom bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und war erstmals beim Jugendkongress.

Der Schiur von Avraham Infeld am Samstagmorgen hat mir besonders gefallen. Es ging dabei um unterschiedliche Ansätze jüdischer Führung. Ich bin nicht nur begeistert aufgrund des Inhalts, sondern auch, weil der Schiur eine Plattform geboten hat, mit anderen Juko‐Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Genau das ist es, was den Juko für mich so besonders gemacht hat. Man blieb nicht bei den klassischen Small‐Talk‐Fragen, die man sich normalerweise stellt, wenn man sich kennenlernt. Man hatte stattdessen automatisch tiefgründige Gespräche, weil man den intellektuellen Diskurs eines Redners als gemeinsames Fundament teilt.

Lisa Rosenfeld
ist 23 Jahre alt, studiert Kommunikations‐, Multimedia‐ und Markt‐Management in Düsseldorf. Lisa hat zum dritten Mal am Jugendkongress teilgenommen.

Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Hawdala am Samstagabend. Ich finde es einfach wunderschön zu wissen, dass viele der jungen Juden Deutschlands sich gerade mit dir an demselben Ort befinden. Man liegt sich in den Armen und singt gemeinsam Lieder, die jeder kennt. Für mich ist das ein Moment der puren Nostalgie.

Mit den Teilnehmern des Jugendkongresses sprach Joëlle Lewitan. (Fotos: Gregor Zielke)

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