Düsseldorf

Fernziel Abitur

Bereits 20 Jahre ist es her, dass die Jüdische Gemeinde Düsseldorf mit der Yitzhak-Rabin-Schule eine eigene Grundschule eröffnete. Nun plant man in der NRW-Landeshauptstadt den nächsten Schritt: Bis zum Sommer 2014 soll in Düsseldorf ein jüdisches Gymnasium entstehen.

»Ich bin der Meinung, dass die jüdische Erziehung in der Yitzhak-Rabin-Schule ein Projekt ist, das Früchte trägt«, sagte Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky über die Grundschule, bevor er Mitte Juni den Eltern das neue Projekt vorstellte. Die Notwendigkeit einer weiterführenden Schule in Händen der Gemeinde leite sich aus dem bisherigen Erfolg in der Primarstufe ab. »Das Gymnasium entsteht nicht in der Luft, sondern knüpft an den Geist und den Erfolg der bestehenden Grundschule an«, betonte Rabbiner Vernikovsky.

Ein Gebäude habe man auch schon im Blick, es wurde der Gemeinde von der Stadt Düsseldorf in Aussicht gestellt und liegt an der Borbecker Straße in Unterrath. Bis zum Sommer wird es noch als Hauptschule genutzt, danach würde es leer stehen. Doch um als Gymnasium zu dienen, müsste das Gebäude ausgebaut werden, »weil wir eine Vierzügigkeit planen«. Vier parallele Klassen soll es demnach pro Jahrgangsstufe geben.

Ganztagsschule Die jüdische Schule, erklärte Rabbiner Vernikovsky, solle auch offen für nichtjüdische Schülerinnen und Schüler sein. Sie wird eine Ganztagsschule und als staatlich anerkannte Privatschule geführt. »Schulrechtlich gesprochen ist es eine Ersatzschule.« Dadurch sei man souverän und könne eigenständig Entscheidungen treffen, werde dabei vom Land anerkannt, allerdings auch kontrolliert.

Die Philosophie der Schule solle es sein, den Kindern und Jugendlichen jüdische Werte zu vermitteln und ihre ethische Einstellung zu fördern, erklärte der Rabbiner, »auch universelle Ethik, nicht nur jüdische«. Ab der fünften Klasse wird Ivrit unterrichtet, dazu kommt auch Russisch als Fremdsprache. Denn es sei »wichtig, dass das Russisch, das in den Familien gesprochen wird, nicht verloren geht«.

Fächer Um das Gymnasium auch für nichtjüdische Schüler attraktiv zu machen, werde man einen besonderen Fokus auf die sogenannten MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – legen. Bisher biete kein Gymnasium in Düsseldorf so etwas an. Fachspezifischer Förderunterricht und verstärkte Hausaufgabenbetreuung sollen das Angebot abrunden.

Die jungen Absolventen der Yitzhak-Rabin-Schule erhalten zu 90 Prozent eine Gymnasialempfehlung. Mit der speziellen Förderung könne man auch die übrigen zehn Prozent auf den Leistungsstand für die Höhere Schule bringen. »Uns sind alle Schüler wichtig, die leistungsstarken und die, die noch nicht ganz das Niveau erreicht haben«, erklärte der Rabbiner.

Wenn das Gymnasium wie geplant im Sommer 2014 öffnet, werden zunächst Schüler der fünften und sechsten Klassen einziehen. Gleich mit allen Jahrgangsstufen zu starten, sei organisatorisch und finanziell nicht zu stemmen. Die größten Hürden auf dem Weg zur Eröffnung habe man aber schon gemeistert, so Vernikovsky. Von den Behörden habe es stets grünes Licht gegeben. Schließlich brauche die Stadt Düsseldorf dringend Gymnasien, wie auch Gemeinde-Verwaltungsdirektor Michael Szentei-Heise erklärte.

Landeshauptstadt In der Stadt habe man den Bedarf, der durch den Bevölkerungszuwachs aus dem Ruhrgebiet und von der Rhein-Schiene entstanden sei, lange Zeit verkannt. Aus den umliegenden Orten seien immer mehr Menschen in die Landeshauptstadt gezogen. Drei Gymnasien müssten eigentlich noch in diesem Jahr eröffnet werden, um die Nachfrage zu decken. »Politisch gesehen könnte der Zeitpunkt also nicht besser gewählt sein«, sagte Szentei-Heise. Nun gehe es darum, weitere Gespräche zu führen und die Finanzierung zu sichern.

Kostenaufwand Zwischen zwei und vier Millionen Euro an laufenden Kosten würden jährlich durch das Gymnasium entstehen. Zuvor müssten aber noch zwischen 13 und 16 Millionen Euro investiert werden, um die Klassenfläche der bestehenden Hauptschule zu verdoppeln. Das Land Nordrhein-Westfalen könnte jedoch mit einspringen, da es bei einer Ersatzschule 94 Prozent der anerkennungsfähigen Kosten übernimmt.

Auf die Gemeinde würden die restlichen sechs Prozent und die nicht anerkennungsfähigen Kosten entfallen. Schulgeld werden die Eltern der Kinder nicht zahlen müssen. Nach dem Vorbild der Yitzhak-Rabin-Schule könnte aber ein Förderverein ins Leben gerufen werden, über den die Finanzierung zusätzlicher Ausstattungen möglich wäre.

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026