Düsseldorf

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Detail an der Schule Foto: Alexander Stein

Bereits 20 Jahre ist es her, dass die Jüdische Gemeinde Düsseldorf mit der Yitzhak‐Rabin‐Schule eine eigene Grundschule eröffnete. Nun plant man in der NRW‐Landeshauptstadt den nächsten Schritt: Bis zum Sommer 2014 soll in Düsseldorf ein jüdisches Gymnasium entstehen.

»Ich bin der Meinung, dass die jüdische Erziehung in der Yitzhak‐Rabin‐Schule ein Projekt ist, das Früchte trägt«, sagte Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky über die Grundschule, bevor er Mitte Juni den Eltern das neue Projekt vorstellte. Die Notwendigkeit einer weiterführenden Schule in Händen der Gemeinde leite sich aus dem bisherigen Erfolg in der Primarstufe ab. »Das Gymnasium entsteht nicht in der Luft, sondern knüpft an den Geist und den Erfolg der bestehenden Grundschule an«, betonte Rabbiner Vernikovsky.

Ein Gebäude habe man auch schon im Blick, es wurde der Gemeinde von der Stadt Düsseldorf in Aussicht gestellt und liegt an der Borbecker Straße in Unterrath. Bis zum Sommer wird es noch als Hauptschule genutzt, danach würde es leer stehen. Doch um als Gymnasium zu dienen, müsste das Gebäude ausgebaut werden, »weil wir eine Vierzügigkeit planen«. Vier parallele Klassen soll es demnach pro Jahrgangsstufe geben.

Ganztagsschule Die jüdische Schule, erklärte Rabbiner Vernikovsky, solle auch offen für nichtjüdische Schülerinnen und Schüler sein. Sie wird eine Ganztagsschule und als staatlich anerkannte Privatschule geführt. »Schulrechtlich gesprochen ist es eine Ersatzschule.« Dadurch sei man souverän und könne eigenständig Entscheidungen treffen, werde dabei vom Land anerkannt, allerdings auch kontrolliert.

Die Philosophie der Schule solle es sein, den Kindern und Jugendlichen jüdische Werte zu vermitteln und ihre ethische Einstellung zu fördern, erklärte der Rabbiner, »auch universelle Ethik, nicht nur jüdische«. Ab der fünften Klasse wird Ivrit unterrichtet, dazu kommt auch Russisch als Fremdsprache. Denn es sei »wichtig, dass das Russisch, das in den Familien gesprochen wird, nicht verloren geht«.

Fächer Um das Gymnasium auch für nichtjüdische Schüler attraktiv zu machen, werde man einen besonderen Fokus auf die sogenannten MINT‐Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – legen. Bisher biete kein Gymnasium in Düsseldorf so etwas an. Fachspezifischer Förderunterricht und verstärkte Hausaufgabenbetreuung sollen das Angebot abrunden.

Die jungen Absolventen der Yitzhak‐Rabin‐Schule erhalten zu 90 Prozent eine Gymnasialempfehlung. Mit der speziellen Förderung könne man auch die übrigen zehn Prozent auf den Leistungsstand für die Höhere Schule bringen. »Uns sind alle Schüler wichtig, die leistungsstarken und die, die noch nicht ganz das Niveau erreicht haben«, erklärte der Rabbiner.

Wenn das Gymnasium wie geplant im Sommer 2014 öffnet, werden zunächst Schüler der fünften und sechsten Klassen einziehen. Gleich mit allen Jahrgangsstufen zu starten, sei organisatorisch und finanziell nicht zu stemmen. Die größten Hürden auf dem Weg zur Eröffnung habe man aber schon gemeistert, so Vernikovsky. Von den Behörden habe es stets grünes Licht gegeben. Schließlich brauche die Stadt Düsseldorf dringend Gymnasien, wie auch Gemeinde‐Verwaltungsdirektor Michael Szentei‐Heise erklärte.

Landeshauptstadt In der Stadt habe man den Bedarf, der durch den Bevölkerungszuwachs aus dem Ruhrgebiet und von der Rhein‐Schiene entstanden sei, lange Zeit verkannt. Aus den umliegenden Orten seien immer mehr Menschen in die Landeshauptstadt gezogen. Drei Gymnasien müssten eigentlich noch in diesem Jahr eröffnet werden, um die Nachfrage zu decken. »Politisch gesehen könnte der Zeitpunkt also nicht besser gewählt sein«, sagte Szentei‐Heise. Nun gehe es darum, weitere Gespräche zu führen und die Finanzierung zu sichern.

Kostenaufwand Zwischen zwei und vier Millionen Euro an laufenden Kosten würden jährlich durch das Gymnasium entstehen. Zuvor müssten aber noch zwischen 13 und 16 Millionen Euro investiert werden, um die Klassenfläche der bestehenden Hauptschule zu verdoppeln. Das Land Nordrhein‐Westfalen könnte jedoch mit einspringen, da es bei einer Ersatzschule 94 Prozent der anerkennungsfähigen Kosten übernimmt.

Auf die Gemeinde würden die restlichen sechs Prozent und die nicht anerkennungsfähigen Kosten entfallen. Schulgeld werden die Eltern der Kinder nicht zahlen müssen. Nach dem Vorbild der Yitzhak‐Rabin‐Schule könnte aber ein Förderverein ins Leben gerufen werden, über den die Finanzierung zusätzlicher Ausstattungen möglich wäre.

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